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Sukta 1.164
dīrghatamā aucathyaḥ
viśvedevāḥ (universal powers) / riddle-hymn on cosmic functions
virāṭ-triṣṭubh
Rigveda 1.164 ist Dīrghatamas’ berühmter „Rätsel-Hymnus“, der die kosmische Ordnung (ṛta) in vielschichtigen Enigmen entfaltet: die eine Wirklichkeit, von der in vielen Weisen gesprochen wird, die Zyklen der Zeit, die Rede sowie die opferweltliche Symbolik von Feuer, Sonne, Wassern und der Kuh. Statt eines linearen Gebets ist er eine kontemplative Karte dafür, wie die universalen Mächte (viśvedevāḥ) wirken — von verborgenen Ursprüngen bis zum manifesten Leben — und den Hörer darin schult, Einheit hinter der Vielheit zu erkennen.
Mantra 1
अस्य वामस्य पलितस्य होतुस्तस्य भ्राता मध्यमो अस्त्यश्नः । तृतीयो भ्राता घृतपृष्ठो अस्यात्रापश्यं विश्पतिं सप्तपुत्रम् ॥
Von diesem geliebten, uralten Hotar hat der mittlere Bruder das Wesen des Essers; der dritte Bruder hat einen Rücken aus Ghrita, leuchtendem Reichtum. Hier erblickte ich den Herrn der Wohnstatt, den Sippenmeister, mit sieben Söhnen.
Mantra 2
सप्त युञ्जन्ति रथमेकचक्रमेको अश्वो वहति सप्तनामा । त्रिनाभि चक्रमजरमनर्वं यत्रेमा विश्वा भुवनाधि तस्थुः ॥
Sieben spannen den einrädrigen Wagen an; ein einziges Ross trägt ihn, doch es trägt sieben Namen. Das Rad hat drei Naben, unvergänglich, ungebrochen; auf ihm sind all diese Welten in geordneter Fügung gegründet.
Mantra 3
इमं रथमधि ये सप्त तस्थुः सप्तचक्रं सप्त वहन्त्यश्वाः । सप्त स्वसारो अभि सं नवन्ते यत्र गवां निहिता सप्त नाम ॥
Auf diesem Wagen stehen sieben; sieben Räder hat er, sieben Rosse tragen ihn. Sieben Schwestern neigen sich gemeinsam zu ihm hin — dort, wo die sieben Namen der Kühe (Strahlen von Licht/Erkenntnis) verborgen und bewahrt sind.
Mantra 4
को ददर्श प्रथमं जायमानमस्थन्वन्तं यदनस्था बिभर्ति । भूम्या असुरसृगात्मा क्व स्वित्को विद्वांसमुप गात्प्रष्टुमेतत् ॥
Wer hat den Erstgeborenen gesehen, wie er geboren wird — knochenhaft, doch getragen von dem, was knochenlos ist? Aus der Erde — wo sind denn wahrlich Atem und Blut und das Selbst (ātman)? Wer wird zu einem Wissenden hingehen, um dies zu erfragen?
Mantra 5
पाकः पृच्छामि मनसाविजानन्देवानामेना निहिता पदानि । वत्से बष्कयेऽधि सप्त तन्तून्वि तत्निरे कवय ओतवा उ ॥
Unreif frage ich mit dem noch nicht wissenden Geist: dies sind die verborgenen Spuren der Götter. Auf dem Kalb, auf dem Schoß des Werdens, spannten die Seher sieben Fäden aus, Weber, die sie einwoben.
Mantra 6
अचिकित्वाञ्चिकितुषश्चिदत्र कवीन्पृच्छामि विद्मने न विद्वान् । वि यस्तस्तम्भ षळिमा रजांस्यजस्य रूपे किमपि स्विदेकम् ॥
Nicht verstehend befrage ich hier selbst die Verstehenden — die Seher —, damit ich zum Wissen gelange, obgleich ich noch kein Wissender bin. Der, der diese sechs Räume auseinandergestützt hat — was ist wohl das Eine im Bilde des Ungeborenen?
Mantra 7
इह ब्रवीतु य ईमङ्ग वेदास्य वामस्य निहितं पदं वेः । शीर्ष्णः क्षीरं दुह्रते गावो अस्य वव्रिं वसाना उदकं पदापुः ॥
Hier spreche, wer dies verborgene Trittmal des Geliebten wahrhaft kennt. Aus seinem Haupt melken die Kühe die Milch; in die Hülle gekleidet, gelangten sie durch den Schritt zum Wasser.
Mantra 8
माता पितरमृत आ बभाज धीत्यग्रे मनसा सं हि जग्मे । सा बीभत्सुर्गर्भरसा निविद्धा नमस्वन्त इदुपवाकमीयुः ॥
Die Mutter teilte den Vater, ohne ṛta — Wahrheits‑Ordnung — zu verletzen; am Anfang verband sich die gestaltende Schau mit dem Geist. Sie, ehrfurchtgebietend, reich an rasa, dem Saft des Schoßes, fest gegründet — zu ihr kamen die Verehrenden, zur nahen Aussprechung des Wortes.
Mantra 9
युक्ता मातासीद्धुरि दक्षिणाया अतिष्ठद्गर्भो वृजनीष्वन्तः । अमीमेद्वत्सो अनु गामपश्यद्विश्वरूप्यं त्रिषु योजनेषु ॥
An das rechte Deichselholz war die Mutter‑Kraft angeschirrt; in den inneren Umfriedungen richtete sich der verborgene Keim auf. Das Kalb brüllte der Kuh nach und erblickte den allgestaltenden Glanz, gesetzt in den drei weiten Schritten des Weges.
Mantra 10
तिस्रो मातॄस्त्रीन्पितॄन्बिभ्रदेक ऊर्ध्वस्तस्थौ नेमव ग्लापयन्ति । मन्त्रयन्ते दिवो अमुष्य पृष्ठे विश्वविदं वाचमविश्वमिन्वाम् ॥
Die drei Mütter und die drei Väter tragend, steht der Eine aufrecht; sie ermüden ihn nicht und drücken ihn nicht nieder. Auf dem Rücken jenes Himmels beraten sie, schmiedend das allwissende Wort, das die Welten nicht mindert.
Mantra 11
द्वादशारं नहि तज्जराय वर्वर्ति चक्रं परि द्यामृतस्य । आ पुत्रा अग्ने मिथुनासो अत्र सप्त शतानि विंशतिश्च तस्थुः ॥
Das zwölfspeichige Rad wird nicht vom Alter verzehrt; es rollt rings um den Himmel des Ṛta. Hier, o Agni, haben die paarweise geborenen Kinder ihren Stand eingenommen — siebenhundertzwanzig, in geordneter Aufstellung.
Mantra 12
पञ्चपादं पितरं द्वादशाकृतिं दिव आहुः परे अर्धे पुरीषिणम् । अथेमे अन्य उपरे विचक्षणं सप्तचक्रे षळर आहुरर्पितम् ॥
Den Vater des Himmels nennen sie fünffüßig und zwölfförmig, erfüllt in der ferneren Hälfte. Andere sprechen von dem, der oben ist, als dem klar Schauenden, fest eingesetzt in einer siebenrädrigen, sechsspeichigen Ordnung.
Mantra 13
पञ्चारे चक्रे परिवर्तमाने तस्मिन्ना तस्थुर्भुवनानि विश्वा । तस्य नाक्षस्तप्यते भूरिभारः सनादेव न शीर्यते सनाभिः ॥
Im fünfspeichigen Rad, das sich dreht, haben alle Welten ihren Stand genommen. Seine Achse brennt nicht, obgleich sie eine mächtige Last trägt; von alters her zerbricht die Nabe nicht, gegründet im Ewigen.
Mantra 14
सनेमि चक्रमजरं वि वावृत उत्तानायां दश युक्ता वहन्ति । सूर्यस्य चक्षू रजसैत्यावृतं तस्मिन्नार्पिता भुवनानि विश्वा ॥
Das Rad mit dauerhaftem, unalterndem Felgenkranz rollt, sich weit öffnend; auf der ausgestreckten Fläche tragen es zehn angeschirrte Kräfte. Das Auge Sūryas schreitet, vom rajas, dem lichten Raum, umhüllt; darin sind alle Welten fest gegründet.
Mantra 15
साकंजानां सप्तथमाहुरेकजं षळिद्यमा ऋषयो देवजा इति । तेषामिष्टानि विहितानि धामशः स्थात्रे रेजन्ते विकृतानि रूपशः ॥
Von den gemeinsam Geborenen nennen sie den siebenten den »Ein-Geborenen«; die sechs aber sind die Zwillinge, so sprechen die ṛṣi, göttergeboren. Ihre erwählten Sitze sind bereitet, je nach Bereich; im festen Grund erglänzen sie, Gestalten annehmend in vielerlei Wandlungen.
Mantra 16
स्त्रियः सतीस्ताँ उ मे पुंस आहुः पश्यदक्षण्वान्न वि चेतदन्धः । कविर्यः पुत्रः स ईमा चिकेत यस्ता विजानात्स पितुष्पितासत् ॥
Wahrhaft weibliche Kräfte sind sie — doch Männer nennen sie männlich; und der Sehende erkennt es nicht: Blindheit verfehlt die Wahrheit. Der Dichter aber, der Sohn, hat dies erkannt; wer sie durchschaut, wird zum Vater des Vaters.
Mantra 17
अवः परेण पर एनावरेण पदा वत्सं बिभ्रती गौरुदस्थात् । सा कद्रीची कं स्विदर्धं परागात्क्व स्वित्सूते नहि यूथे अन्तः ॥
Mit dem ferneren Fuß unten, mit dem näheren Fuß oben erhob sich die Kuh, das Kalb tragend. Wohin ist sie gegangen, auf verborgenem Pfad schreitend—welche Hälfte ist sie darüber hinausgegangen? Wo gebiert sie, denn nicht ist sie innerhalb der Herde.
Mantra 18
अवः परेण पितरं यो अस्यानुवेद पर एनावरेण । कवीयमानः क इह प्र वोचद्देवं मनः कुतो अधि प्रजातम् ॥
Wer kennt den Vater—den ferneren unten und den näheren oben? Wer, zum Seher werdend, kann hier verkünden: woher, auf welcher Grundlage, ist der göttliche Geist, das manas, geboren?
Mantra 19
ये अर्वाञ्चस्ताँ उ पराच आहुर्ये पराञ्चस्ताँ उ अर्वाच आहुः । इन्द्रश्च या चक्रथुः सोम तानि धुरा न युक्ता रजसो वहन्ति ॥
Die nach innen Gewandten nennen sie nach außen gewandt; die nach außen Gewandten nennen sie nach innen gewandt. Doch die Gebilde, die Indra und Soma gewirkt haben—wie angeschirrte Träger—tragen die Regungen des leuchtenden rajas voran.
Mantra 20
द्वा सुपर्णा सयुजा सखाया समानं वृक्षं परि षस्वजाते । तयोरन्यः पिप्पलं स्वाद्वत्त्यनश्नन्नन्यो अभि चाकशीति ॥
Zwei Suparṇas, beflügelt, im Joch vereint, Gefährten, umschlingen ein und denselben Baum. Von den beiden kostet der eine die süße Pippala-Frucht; der andere, ohne zu essen, schaut nur — in leuchtender Schau.
Mantra 21
यत्रा सुपर्णा अमृतस्य भागमनिमेषं विदथाभिस्वरन्ति । इनो विश्वस्य भुवनस्य गोपाः स मा धीरः पाकमत्रा विवेश ॥
Dort, wo die Suparṇas in den Versammlungen zur Anteilgabe des Amṛta rufen, die nicht blinzelt, — dort tritt der mächtige Hüter des ganzen Werdens ein. Möge jener Seher (dhīra) auch in mich hier eingehen, obgleich ich noch un-reif bin.
Mantra 22
यस्मिन्वृक्षे मध्वदः सुपर्णा निविशन्ते सुवते चाधि विश्वे । तस्येदाहुः पिप्पलं स्वाद्वग्रे तन्नोन्नशद्यः पितरं न वेद ॥
An jenem Baum nehmen die honigtrinkenden Suparṇas ihren Sitz, und auf ihm werden alle Wesen in Bewegung gesetzt. Man sagt: Süß ist die Pippala an der Krone; doch wahrhaft erreicht sie nicht, wer den Vater nicht kennt.
Mantra 23
यद्गायत्रे अधि गायत्रमाहितं त्रैष्टुभाद्वा त्रैष्टुभं निरतक्षत । यद्वा जगज्जगत्याहितं पदं य इत्तद्विदुस्ते अमृतत्वमानशुः ॥
Wenn die Gāyatrī auf die Gāyatrī gesetzt ist, oder aus dem Triṣṭubh den Triṣṭubh herausformen; oder wenn der Schritt (pada) im sich bewegenden Jagat (Jagatī) eingesetzt ist — die, welche Das wahrlich erkennen, erlangen Unsterblichkeit.
Mantra 24
गायत्रेण प्रति मिमीते अर्कमर्केण साम त्रैष्टुभेन वाकम् । वाकेन वाकं द्विपदा चतुष्पदाक्षरेण मिमते सप्त वाणीः ॥
Mit der Gāyatrī misst er den Hymnus (arka); mit dem Hymnus den Gesang (sāman); mit dem Triṣṭubh das gesprochene Wort (vāc). Mit Rede misst er Rede — zweifüßig und vierfüßig; und mit der unvergänglichen Silbe (akṣara) messen sie die sieben Stimmen der Rede (vāṇī).
Mantra 25
जगता सिन्धुं दिव्यस्तभायद्रथंतरे सूर्यं पर्यपश्यत् । गायत्रस्य समिधस्तिस्र आहुस्ततो मह्ना प्र रिरिचे महित्वा ॥
Mit dem Jagatī-Maß stützte er den himmlischen Strom (sindhu); im Rathantara (Rathantara) schaute er die Sonne ringsum. Man sagt: der Gāyatrī gehören drei Anzündhölzer (samidh); daraus, durch Größe, ergoss er sich in Weite.
Mantra 26
उप ह्वये सुदुघां धेनुमेतां सुहस्तो गोधुगुत दोहदेनाम् । श्रेष्ठं सवं सविता साविषन्नोऽभीद्धो घर्मस्तदु षु प्र वोचम् ॥
Herbei rufe ich diese reichlich milchspendende Kuh; mit guten Händen mögen wir, als Melker des Lichts, sie melken. Savitṛ möge uns das höchste Pressen (des Soma) antreiben; die Glut ist entzündet — dies, ja dies, verkünde ich.
Mantra 27
हिङ्कृण्वती वसुपत्नी वसूनां वत्समिच्छन्ती मनसाभ्यागात् । दुहामश्विभ्यां पयो अघ्न्येयं सा वर्धतां महते सौभगाय ॥
Brüllend, die Herrin des Reichtums, die Gebieterin der Schätze, kam im Geist heran, ihr Kalb suchend. Diese Unverletzliche Kuh gibt den Aśvins Milch; möge sie wachsen zu großem Heil und Glück.
Mantra 28
गौरमीमेदनु वत्सं मिषन्तं मूर्धानं हिङ्ङकृणोन्मातवा उ । सृक्वाणं घर्ममभि वावशाना मिमाति मायुं पयते पयोभिः ॥
Die Kuh maß dem blinzelnden Kalb nach; am Haupt ließ sie das „hiṅ“ ertönen — wahrlich wie eine Mutter. Verlangend nach der entfachten Glut misst sie ihren Ruf aus; sie schwillt an und strömt mit ihren milchigen Säften.
Mantra 29
अयं स शिङ्क्ते येन गौरभीवृता मिमाति मायुं ध्वसनावधि श्रिता । सा चित्तिभिर्नि हि चकार मर्त्यं विद्युद्भवन्ती प्रति वव्रिमौहत ॥
Dies ist jene Kraft, durch die die Kuh (der lichtvolle Strahl des Bewusstseins), eingeschlossen, ihren sehnsüchtigen Ruf abmisst, gestützt auf die beiden Presssteine. Sie, zum Blitz des Erkennens werdend, formt durch ihre Erwachungen wahrlich den Sterblichen und schlägt die Hülle zurück, die ihn umschließt.
Mantra 30
अनच्छये तुरगातु जीवमेजद्ध्रुवं मध्य आ पस्त्यानाम् । जीवो मृतस्य चरति स्वधाभिरमर्त्यो मर्त्येना सयोनिः ॥
Im unbewegten Halt ruht das schnell dahineilende Leben — das Bewegte, fest inmitten der Wohnstätten. Das Lebendige wandelt im Toten nach seinem eigenen Gesetz (svadhā); der Unsterbliche ist in einem Schoß mit dem Sterblichen angespannt.
Mantra 31
अपश्यं गोपामनिपद्यमानमा च परा च पथिभिश्चरन्तम् । स सध्रीचीः स विषूचीर्वसान आ वरीवर्ति भुवनेष्वन्तः ॥
Ich sah den Kuhhüter, der nie strauchelt, auf den Pfaden hin und her wandernd. Er trägt zugleich die geraden und die auseinanderlaufenden Wege; in den Welten wendet er sich und kehrt wieder, Raum schaffend für die Wanderung der Seele.
Mantra 32
य ईं चकार न सो अस्य वेद य ईं ददर्श हिरुगिन्नु तस्मात् । स मातुर्योना परिवीतो अन्तर्बहुप्रजा निॠतिमा विवेश ॥
Wer es schuf, der weiß es nicht; wer es schaute, hat sich davon abgewandt. Im Schoß der Mutter umhüllt, reich an Geburten, geht er in Nirṛti ein — in Auflösung, in Verderben.
Mantra 33
द्यौर्मे पिता जनिता नाभिरत्र बन्धुर्मे माता पृथिवी महीयम् । उत्तानयोश्चम्वोर्योनिरन्तरत्रा पिता दुहितुर्गर्भमाधात् ॥
Der Himmel ist mein Vater, der Erzeuger; hier ist der Nabel, das Zentrum. Die Erde, die Große, ist meine Mutter, mir verwandt. Zwischen den zwei ausgestreckten Schalen ist der Schoß; dort legte der Vater den Keim in die Tochter.
Mantra 34
पृच्छामि त्वा परमन्तं पृथिव्याः पृच्छामि यत्र भुवनस्य नाभिः । पृच्छामि त्वा वृष्णो अश्वस्य रेतः पृच्छामि वाचः परमं व्योम ॥
Ich frage dich nach dem äußersten Ende der Erde; ich frage, wo der Nabel der Welt ist. Ich frage dich nach dem Samen des mächtigen Hengstes; ich frage nach dem höchsten Himmel der Rede (Vāc).
Mantra 35
इयं वेदिः परो अन्तः पृथिव्या अयं यज्ञो भुवनस्य नाभिः । अयं सोमो वृष्णो अश्वस्य रेतो ब्रह्मायं वाचः परमं व्योम ॥
Dieser Vedi ist das äußerste Ende der Erde; dieses Opfer ist der Nabel der Welt. Dieser Soma ist der Same des mächtigen Hengstes; dieses Brahman ist der höchste Himmel der Rede (Vāc).
Mantra 36
सप्तार्धगर्भा भुवनस्य रेतो विष्णोस्तिष्ठन्ति प्रदिशा विधर्मणि । ते धीतिभिर्मनसा ते विपश्चितः परिभुवः परि भवन्ति विश्वतः ॥
Sieben, halbgebildete Embryonen, der Same des Weltalls, stehen in den Himmelsrichtungen im weiten Gesetz Viṣṇus. Durch Einsicht und Geist sind sie Seher; als Beherrschende umfangen sie von allen Seiten, überall.
Mantra 37
न वि जानामि यदिवेदमस्मि निण्यः संनद्धो मनसा चरामि । यदा मागन्प्रथमजा ऋतस्यादिद्वाचो अश्नुवे भागमस्याः ॥
Ich weiß nicht klar, was ich bin, als wäre ich es; verborgen, zusammengeschnürt, wandle ich im Geist. Als der Erstgeborene der Wahrheit (ṛta) zu mir kam, da erlangte ich einen Anteil an dieser Rede (Vāc).
Mantra 38
अपाङ्प्राङेति स्वधया गृभीतोऽमर्त्यो मर्त्येना सयोनिः । ता शश्वन्ता विषूचीना वियन्ता न्यन्यं चिक्युर्न नि चिक्युरन्यम् ॥
Rückwärts und vorwärts geht er, von seiner eigenen svadhā gehalten — der Unsterbliche, mit dem Sterblichen in einem Schoß, wesensverwandt. Jene beiden, ewig, auseinandergehend, in verschiedene Richtungen sich trennend: einander haben sie erkannt, doch den Anderen erkennen sie nicht.
Mantra 39
ऋचो अक्षरे परमे व्योमन्यस्मिन्देवा अधि विश्वे निषेदुः । यस्तन्न वेद किमृचा करिष्यति य इत्तद्विदुस्त इमे समासते ॥
Die ṛc ist im Unvergänglichen (akṣara) gegründet, im höchsten weiten Raum (parame vyoman), wo alle Götter ihren Sitz genommen haben. Wer Das nicht weiß — was wird er mit dem Hymnus ausrichten? Die aber, die Das wissen, sind hier versammelt, in wahrer Übereinstimmung des Seins.
Mantra 40
सूयवसाद्भगवती हि भूया अथो वयं भगवन्तः स्याम । अद्धि तृणमघ्न्ये विश्वदानीं पिब शुद्धमुदकमाचरन्ती ॥
O Aghnyā, Unverletzliche, werde wahrlich voll glückverheißender Fülle durch gutes Weideland; und auch wir mögen Träger dieser Fülle sein. Iss das Gras in seiner Wahrheit, und trink das reine Wasser, während du den rechten Lauf gehst.
Mantra 41
गौरीर्मिमाय सलिलानि तक्षत्येकपदी द्विपदी सा चतुष्पदी । अष्टापदी नवपदी बभूवुषी सहस्राक्षरा परमे व्योमन् ॥
Gaurī, die Lichtglänzende, misst aus und formt die strömenden Wasser; einfüßig, zweifüßig wird sie vierfüßig. Achtfüßig, neunfüßig ist sie geworden – die tausendsilbige (sahasrākṣarā) im höchsten, weiten Raum.
Mantra 42
तस्याः समुद्रा अधि वि क्षरन्ति तेन जीवन्ति प्रदिशश्चतस्रः । ततः क्षरत्यक्षरं तद्विश्वमुप जीवति ॥
Aus ihr ergießen sich die Meere und strömen auseinander; von diesem Fluss leben die vier Himmelsrichtungen. Aus derselben Quelle strömt das Unvergängliche (akṣara), und von Ihm lebt die ganze Welt in Abhängigkeit.
Mantra 43
शकमयं धूममारादपश्यं विषूवता पर एनावरेण । उक्षाणं पृश्निमपचन्त वीरास्तानि धर्माणि प्रथमान्यासन् ॥
Aus der Ferne sah ich den Rauch, der Kraft in sich trägt – am drehenden Zapfen, oben wie unten. Die Helden kochten den scheckigen Stier; das waren die ersten Setzungen des Dharma, als Grund gelegt.
Mantra 44
त्रयः केशिन ऋतुथा वि चक्षते संवत्सरे वपत एक एषाम् । विश्वमेको अभि चष्टे शचीभिर्ध्राजिरेकस्य ददृशे न रूपम् ॥
Drei Keśin, die „Langhaarigen“ Mächte, schauen nach den rechten Zeiten; im Jahreslauf schert einer von ihnen. Einer allein überschaut mit seinen Śacī (Machtkräften) das All; sichtbar ist der flammende Ansturm (dhrāji) des Einen, doch nicht seine Gestalt.
Mantra 45
चत्वारि वाक्परिमिता पदानि तानि विदुर्ब्राह्मणा ये मनीषिणः । गुहा त्रीणि निहिता नेङ्गयन्ति तुरीयं वाचो मनुष्या वदन्ति ॥
Vier sind die abgemessenen Stufen der Rede (Vāc); die Brahmanen, die Einsichtigen, kennen sie. Drei sind in der geheimen Höhle niedergelegt und regen sich nicht; die vierte Stufe der Rede sprechen die Menschen.
Mantra 46
इन्द्रं मित्रं वरुणमग्निमाहुरथो दिव्यः स सुपर्णो गरुत्मान् । एकं सद्विप्रा बहुधा वदन्त्यग्निं यमं मातरिश्वानमाहुः ॥
Man nennt ihn Indra, Mitra, Varuṇa, Agni; und er ist der göttliche Vogel, der schwingenstarke Garutmān. Das Seiende ist eins; die Seher sprechen vielfach davon: sie nennen es Agni, Yama, Mātariśvan.
Mantra 47
कृष्णं नियानं हरयः सुपर्णा अपो वसाना दिवमुत्पतन्ति । त आववृत्रन्त्सदनादृतस्यादिद्घृतेन पृथिवी व्युद्यते ॥
Die fahlen, schönbeflügelten Mächte, in Wasser gehüllt, fliegen aus dem dunklen Abstieg zum Himmel empor. Sie haben sich vom Sitz des ṛta abgewandt; und dann leuchtet die Erde hervor, gesalbt mit dem geklärten Licht (ghṛta).
Mantra 48
द्वादश प्रधयश्चक्रमेकं त्रीणि नभ्यानि क उ तच्चिकेत । तस्मिन्त्साकं त्रिशता न शङ्कवोऽर्पिताः षष्टिर्न चलाचलासः ॥
Zwölf sind die Speichen des einen Rades; drei sind seine Naben — wer hat dies wahrhaft erkannt? Darauf sind zusammen dreihundertsechzig wie an Pflöcken befestigt: unbeweglich und doch sich bewegend.
Mantra 49
यस्ते स्तनः शशयो यो मयोभूर्येन विश्वा पुष्यसि वार्याणि । यो रत्नधा वसुविद्यः सुदत्रः सरस्वति तमिह धातवे कः ॥
O Sarasvatī: Welches ist deine Brust, die Nahrung strömt, die zur Wonne wird, durch die du alle begehrenswerten Güter gedeihen lässt; die die leuchtenden Schätze trägt, die das wahre Gut findet, die in schöner Weise schenkt — wer vermag hier, Das in uns einzusetzen, damit es sich festige und uns eigen werde?
Mantra 50
यज्ञेन यज्ञमयजन्त देवास्तानि धर्माणि प्रथमान्यासन् । ते ह नाकं महिमानः सचन्त यत्र पूर्वे साध्याः सन्ति देवाः ॥
Durch Opfer brachten die Götter das Opfer dar; das waren die ersten Grundfesten des Dharma. Durch diese Größe gelangten sie zum höchsten Himmel, wo die uralten Sādhyas, die vollendeten göttlichen Mächte, weilen.
Mantra 51
समानमेतदुदकमुच्चैत्यव चाहभिः । भूमिं पर्जन्या जिन्वन्ति दिवं जिन्वन्त्यग्नयः ॥
Dasselbe Wasser steigt empor und sinkt herab mit den Tagen. Die Parjanya-Kräfte beleben die Erde, und die Agnis beleben den Himmel; so nährt ein einziger Umlauf beide Welten.
Mantra 52
दिव्यं सुपर्णं वायसं बृहन्तमपां गर्भं दर्शतमोषधीनाम् । अभीपतो वृष्टिभिस्तर्पयन्तं सरस्वन्तमवसे जोहवीमि ॥
Sarasvant, den himmlischen, schönbeflügelten, gewaltigen Vogel — den sichtbaren Keim der Wasser in den Kräutern — den stets Wachenden, der sie mit Regen sättigt, rufe ich zum Beistand: Möge diese leuchtende Macht uns fördern.
Because it teaches through puzzles and symbols (cow, bird, wheel, brothers) that point to cosmic processes. The hymn expects the listener to interpret correspondences between ritual, nature, and inner awareness.
That reality is one, but it appears through many divine powers and many names. When speech and insight are aligned with ṛta (cosmic order), the hidden unity becomes intelligible.
They are the “all-gods,” meaning the total set of universal powers working together—sun, fire, waters, seasons, inspiration, and lawful order—rather than one single deity with one fixed form.
Answers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.
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