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Sukta 10.72
Bṛhaspati / Angirasa-tradition (hymn as cosmogonic revelation; traditional attribution varies in ancillary lists)
Devāḥ (the Gods collectively); underlying cosmogonic powers of manifestation
Triṣṭubh (11-syllable pādas; typical for reflective/cosmogonic statements)
Dieser kosmogonische Hymnus reflektiert über die «Geburten» (janma) und die Ordnung der Götter und stellt die Schöpfung als fortschreitende Manifestation dar, die durch inspirierte Rede und spätere Einsicht wahrhaft «gesehen» werden kann. Er zeichnet eine paradoxe Genealogie um Dakṣa und Aditi nach und gipfelt im Motiv von Aditis sieben Söhnen und der Rückkehr Mārtāṇḍas, wodurch ausgedrückt wird, wie Unsterblichkeit und Sterblichkeit gemeinsam innerhalb der Manifestation entstehen.
Mantra 1
देवानां नु वयं जाना प्र वोचाम विपन्यया । उक्थेषु शस्यमानेषु यः पश्यादुत्तरे युगे ॥
Nun wollen wir die Geburten der Götter kundtun, sie verkünden mit leuchtender, kundiger Rede. In den vorgetragenen Hymnen sieht wahrlich der, der in der späteren Yuga zu schauen vermag – jenseits der ersten Gestaltungen.
Mantra 2
ब्रह्मणस्पतिरेता सं कर्मार इवाधमत् । देवानां पूर्व्ये युगेऽसतः सदजायत ॥
Brahmaṇaspati blies, gleich einem Meisterschmied, diese Gestalten zusammen und fügte sie zur Einheit. Im ersten Yuga der Götter wurde Sein aus Nichtsein geboren – Ordnung aus dem Ungeformten.
Mantra 3
देवानां युगे प्रथमेऽसतः सदजायत । तदाशा अन्वजायन्त तदुत्तानपदस्परि ॥
Im ersten Yuga der Götter wurde Sein aus Nichtsein geboren. Dann wurden die Richtungen des Strebens geboren, dann die weit ausschreitenden Grundlagen ringsum, auf denen die Welt stehen konnte.
Mantra 4
भूर्जज्ञ उत्तानपदो भुव आशा अजायन्त । अदितेर्दक्षो अजायत दक्षाद्वदितिः परि ॥
Die Erde wurde geboren mit weit ausschreitenden Grundlagen; der Mittelraum trat hervor, und die Himmelsrichtungen des Strebens wurden geboren. Aus Aditi entstand Dakṣa, und aus Dakṣa wiederum Aditi – die Unbegrenzte, die im Kreis zurückkehrt.
Mantra 5
अदितिर्ह्यजनिष्ट दक्ष या दुहिता तव । तां देवा अन्वजायन्त भद्रा अमृतबन्धवः ॥
Denn Aditi wurde ja aus dir geboren, o Dakṣa, als deine Tochter; und nach ihr wurden die Götter geboren, die Gütigen, an die Unsterblichkeit gebunden.
Mantra 6
यद्देवा अदः सलिले सुसंरब्धा अतिष्ठत । अत्रा वो नृत्यतामिव तीव्रो रेणुरपायत ॥
Als die Götter dort auf den Wassern standen, gesammelt und fest entschlossen, da – wie beim Tanz des Ritus – wich euer scharfer Staub; die verhüllende Finsternis wurde abgestreift.
Mantra 7
यद्देवा यतयो यथा भुवनान्यपिन्वत । अत्रा समुद्र आ गूळ्हमा सूर्यमजभर्तन ॥
Als die Götter, als asketische Sucher, die Welten erfüllten und festigten, da brachten sie im Ozean die verborgene Sonne hervor – das Licht, aus der Verhüllung in den weiten Tiefen zurückgewonnen.
Mantra 8
अष्टौ पुत्रासो अदितेर्ये जातास्तन्वस्परि । देवाँ उप प्रैत्सप्तभिः परा मार्ताण्डमास्यत् ॥
Acht waren die Söhne der Aditi, aus ihrem Leib geboren. Mit sieben trat sie zu den Göttern hin; den achten aber – Mārtāṇḍa – stieß sie fort: eine noch sterbliche Gestalt, nicht tauglich für die göttliche Versammlung.
Mantra 9
सप्तभिः पुत्रैरदितिरुप प्रैत्पूर्व्यं युगम् । प्रजायै मृत्यवे त्वत्पुनर्मार्ताण्डमाभरत् ॥
Mit sieben Söhnen schritt Aditi in das uranfängliche Zeitalter (yuga) voran; doch wieder brachte sie Mārtāṇḍa zurück – zu Geburt und zu Tod: Das Sterbliche kehrt wieder, um in Verkörperung ausgearbeitet zu werden, bis es neu gestaltet ist.
It reflects on how the Gods come into manifestation and how cosmic order (ṛta) is established. It uses the figures of Aditi and Dakṣa to express creation as an unfolding of infinity and organizing power.
The hymn presents a paradox to show that creation is not a simple one-way sequence. Dakṣa stands for formative intelligence, Aditi for unbounded wholeness, and their mutual relation expresses how order and infinity depend on each other in manifestation.
Mārtāṇḍa represents the mortal element within creation. His return “toward birth and toward death” conveys that mortality and repeated embodiment are part of the cosmic process until transformation and full realization are achieved.
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