Opening the text

Sukta 1.191
Apotropaic force against unseen afflictors (often read as disease/poison/hostile beings; devatā assignment varies in traditions)
Diese Hymne ist ein apotropäischer (schutzwirkender) Spruch, der darauf zielt, unsichtbare Schädiger zu vertreiben—oft verstanden als Gift, Krankheitskeime, feindliche Wesen oder okkulte Schäden, die sich an einen Menschen «heften». Sie benennt und neutralisiert verborgene Stacheln und Gifte und ruft dann die aufgehende Sonne/Āditya als großen Offenbarer an, der vernichtet, was im Verborgenen wirkt. Der Schluss ist antidotal und deklarativ: Das Gift wird «geschmacklos», d. h. machtlos.
Mantra 1
कङ्कतो न कङ्कतोऽथो सतीनकङ्कतः । द्वाविति प्लुषी इति न्यदृष्टा अलिप्सत ॥
Nicht der sichtbare Stachel, nicht der sichtbare Stachel — auch nicht der verborgene Stachel. »Zwei«, so sagen sie, »das beißende Paar«: die Ungesehenen haben sich an uns festgesetzt.
Mantra 2
अदृष्टान्हन्त्यायत्यथो हन्ति परायती । अथो अवघ्नती हन्त्यथो पिनष्टि पिंषती ॥
Die Ungesehenen schlägt sie, wenn sie herankommt, und sie schlägt, wenn sie fortgeht; sie schlägt, wenn sie niederstößt, und sie zermalmt, wenn sie zerreibt — so wird das Übel in jeder Bewegung gebrochen.
Mantra 3
शरासः कुशरासो दर्भासः सैर्या उत । मौञ्जा अदृष्टा वैरिणाः सर्वे साकं न्यलिप्सत ॥
Die Śarāsa, die Kuśarāsa, die Darbhāsa und auch die Sairyā; die Muñja—alle, unsichtbare Feinde—haben sich insgesamt festgeheftet. Möge dieses Netz des Anhaftens aufgedeckt und gelöst werden.
Mantra 4
नि गावो गोष्ठे असदन्नि मृगासो अविक्षत । नि केतवो जनानां न्यदृष्टा अलिप्सत ॥
Mögen die Kühe im Stall sich niederlassen; mögen die Wildtiere zur Ruhe kommen. Mögen die Zeichen (ketú) der Menschen sich senken; mögen die Unsichtbaren, die sich festgeheftet haben, ihren Halt verlieren und entgleiten.
Mantra 5
एत उ त्ये प्रत्यदृश्रन्प्रदोषं तस्करा इव । अदृष्टा विश्वदृष्टाः प्रतिबुद्धा अभूतन ॥
Diese da sind es, die sichtbar wurden, wie Diebe in der Dämmerung. Die Unsichtbaren sind sichtbar gemacht; zum allumfassenden Sehen erwacht, sind sie gehemmt und entlarvt.
Mantra 6
द्यौर्वः पिता पृथिवी माता सोमो भ्रातादितिः स्वसा । अदृष्टा विश्वदृष्टास्तिष्ठतेलयता सु कम् ॥
Der Himmel ist dein Vater, die Erde deine Mutter; Soma ist dein Bruder, und Aditi deine Schwester. O Unsichtbare, nun dem allumfassenden Blick preisgegeben, steht still; lasst euch besänftigen — dass hier wahrer Friede und rechte Ordnung sei.
Mantra 7
ये अंस्या ये अङ्ग्याः सूचीका ये प्रकङ्कताः । अदृष्टाः किं चनेह वः सर्वे साकं नि जस्यत ॥
Ihr, die ihr durchbohrt und euch festklammert — ob ihr an der Schulter packt, an den Gliedern, wie Nadeln, oder mit verborgenen Stacheln stecht — o Unsichtbare, hier habt ihr keinen Ort. Ihr alle zusammen: werdet niedergetrieben und bezwungen.
Mantra 8
उत्पुरस्तात्सूर्य एति विश्वदृष्टो अदृष्टहा । अदृष्टान्त्सर्वाञ्जम्भयन्त्सर्वाश्च यातुधान्यः ॥
Von vornher, aus dem Osten, steigt die Sonne empor — allsehend, ein Töter des Unsichtbaren. Alle verborgenen Widersacher zerschmetternd, schlägt sie auch jede yātu-dhāna-Macht nieder, die das Sein entstellt und verschlingt.
Mantra 9
उदपप्तदसौ सूर्यः पुरु विश्वानि जूर्वन् । आदित्यः पर्वतेभ्यो विश्वदृष्टो अदृष्टहा ॥
Empor sprang jene Sonne, viele—alle widerstrebenden Regungen—zermürbend. Der Āditya steigt jenseits der Berge auf: allsehenden Blickes, Vernichter dessen, was im Verborgenen wirkt.
Mantra 10
सूर्ये विषमा सजामि दृतिं सुरावतो गृहे । सो चिन्नु न मराति नो वयं मरामारे अस्य योजनं हरिष्ठा मधु त्वा मधुला चकार ॥
In die Sonne werfe ich dieses Gift, in den Lederschlauch im Haus des berauschenden Tranks. Und doch stirbt er nicht—auch wir sterben nicht; fern sei uns die Verbindung damit. O du, im fahlgoldenen Licht Gefestigter: Honig hat dich honigsüß gemacht; Süße überwindet die Bitterkeit.
Mantra 11
इयत्तिका शकुन्तिका सका जघास ते विषम् । सो चिन्नु न मराति नो वयं मरामारे अस्य योजनं हरिष्ठा मधु त्वा मधुला चकार ॥
Selbst wenn diese kleinen Vogelwesen dein Gift gemeinsam verschlungen haben—doch sterben sie nicht, auch wir sterben nicht; fern sei uns die Verbindung damit. O du, im goldenen Licht Gefestigter: Süße macht dich süß; die Wonne-Kraft wandelt die Folge des Giftes.
Mantra 12
त्रिः सप्त विष्पुलिङ्गका विषस्य पुष्यमक्षन् । ताश्चिन्नु न मरन्ति नो वयं मरामारे अस्य योजनं हरिष्ठा मधु त्वा मधुला चकार ॥
Dreimal sieben Viṣpuliṅgakā haben das Gedeihen des Giftes gekostet; und doch sterben selbst sie nicht — auch wir sterben nicht. Fern sei uns die Verbindung mit ihm. Im goldenen Glanz gegründet: Süße macht dich süß; die honiggleiche Wonne-Kraft hebt den Spruch des Giftes auf.
Mantra 13
नवानां नवतीनां विषस्य रोपुषीणाम् । सर्वासामग्रभं नामारे अस्य योजनं हरिष्ठा मधु त्वा मधुला चकार ॥
Von den neunundneunzig Arten des Giftes und ihren Auswüchsen habe ich den Namen aller ergriffen. Fern sei uns die Verbindung mit ihm. Im goldenen Glanz gegründet: Süße macht dich süß; die honiggleiche Wonne-Kraft bezwingt jede Giftigkeit, indem sie sie beim Namen kennt.
Mantra 14
त्रिः सप्त मयूर्यः सप्त स्वसारो अग्रुवः । तास्ते विषं वि जभ्रिर उदकं कुम्भिनीरिव ॥
Dreimal sieben pfauenhafte, lichtglänzende Mächte, sieben Schwestern, die vorausgehen, haben dein Gift fortgetragen und hinausgeworfen — wie Frauen mit Wasserkrügen: so ziehen sie das Gift aus dem Wesen heraus.
Mantra 15
इयत्तकः कुषुम्भकस्तकं भिनद्म्यश्मना । ततो विषं प्र वावृते पराचीरनु संवतः ॥
Ich, Iyattaka, mit Kuṣumbhaka, schlage mit dem Stein zu und spalte die Quelle des Giftes. Aus diesem Bruch wendet sich das Gift nach außen und rollt davon, zurückweichend entlang der verrinnenden Bahnen der Zeit.
Mantra 16
कुषुम्भकस्तदब्रवीद्गिरेः प्रवर्तमानकः । वृश्चिकस्यारसं विषमरसं वृश्चिक ते विषम् ॥
Kuṣumbhaka sprach dieses Wort, als er vom Berge hervorschritt: »Wesenlos ist das Gift des Skorpions, ohne Geschmack; Skorpion, dein Gift ist geschmacklos, kraftlos.«
It is a protective hymn that confronts hidden, unseen afflictors—often understood as poison, disease-agents, or hostile forces—and drives them away through mantra and the power of solar revelation.
Because the Sun is portrayed as “all-seeing” and as the destroyer of what works invisibly (adṛṣṭahā). The hymn uses sunlight as a symbol and force of exposure that breaks hidden harm.
Several verses explicitly speak in an antidote style and one verse directly addresses scorpion venom. In practice, it is also applied more broadly for protection from unseen troubles, fear, and sudden afflictions.
Answers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.
A free sign-in with Google or Apple keeps your chat saved across web and the app.
Read Rig Veda in the Vedapath app
Scan the QR code to open this directly in the app, with word-by-word meanings, Sanskrit recitation where available, and more.