Opening the text

Die Paingala-Upanishad, der Tradition des Yajurveda zugeordnet, gehört zu den späteren Upanishaden und bietet eine knappe, zugleich systematische Darstellung des Advaita-Vedānta. Sie betont saṃnyāsa (Entsagung) und jñāna (Erkenntnis) als direkten Weg zur Befreiung (mokṣa). Ihre zentrale These lautet: ātman und brahman sind identisch; Bindung entsteht durch avidyā, die adhyāsa hervorbringt—die falsche Identifikation des ‘Ich’ mit Körper und Geist—und diese Unwissenheit wird allein durch Erkenntnis aufgehoben. Befreiung ist daher kein Produkt ritueller Handlung, sondern das Offenbarwerden des Wirklichen, wenn der Irrtum endet. Der Text nutzt die Analyse der drei Zustände (Wachen, Träumen, Tiefschlaf) sowie die Unterscheidung der fünf Hüllen (pañcakośa), um zu zeigen, dass alle Erfahrungsobjekte Nicht-Selbst sind, während das Zeugenbewusstsein (sākṣin) unveränderlich bleibt. Die Methode ‘neti neti’ führt den Suchenden durch Verneinung der Nicht-Selbst-Attribute zur Erkenntnis reinen Bewusstseins. Paingala insistiert auf innerer Entsagung: dem Aufgeben von Täterschaft, Genießerschaft und Besitzanspruch, nicht bloß äußerer Zeichen. Mit Qualifikationen wie viveka, vairāgya, innerer Disziplin und Freiheitssehnsucht sowie durch śravaṇa–manana–nididhyāsana unter Anleitung eines Lehrers entsteht unmittelbare Erkenntnis—die nicht-duale Ruhe, die mokṣa heißt.
Start Reading**Ātman–Brahman identity:** the innermost Self is non-different from brahman, the absolute reality.
**Avidyā as bondage:** ignorance causes superimposition of body–mind attributes on the Self.
**Neti-neti / negation:** systematic negation of non-Self reveals the self-luminous witness (sākṣin).
**Three states analysis:** waking, dream, and deep sleep are transient; the witnessing consciousness is constant.
**Pañcakośa discrimination:** the five sheaths are objects known to the Self and therefore not the Self.
**Mokṣa through jñāna:** liberation is not an effect of ritual action but the removal of ignorance by knowledge.
**Saṃnyāsa as inner renunciation:** abandonment of doership, possessiveness, and ego—not merely external symbols.
**Śravaṇa–manana–nididhyāsana:** disciplined inquiry under a guru leading to firm abidance in non-duality.
**Sādhana-catuṣṭaya:** viveka, vairāgya, ṣaṭ-sampatti, and mumukṣutva as prerequisites for realization.
This Upanishad is organized into 4 adhyayas.
Das erste Kapitel der Paingala Upanishad beginnt mit einem Dialog zwischen dem Weisen Paingala und Yajnavalkya nach zwölf Jahren hingebungsvollen Dienstes. Yajnavalkya offenbart das höchste Geheimnis des nicht-dualen Brahman. Aus Brahman entsteht Mulaprakriti mit drei Gunas im Gleichgewicht. Durch das Prinzip der Reflexion entstehen Sukshmaprakriti, Ishvara und Hiranyagarbha, was die kosmologische Evolution vom einen Brahman zum vielfältigen Universum offenbart.
Dieses Kapitel des Paingala Upanishad erklärt, wie der Herr (Isha) den Zustand der individuellen Seele durch den Schöpfungsprozess annimmt. Es beschreibt die Quintuplikation der fünf Elemente, die Erschaffung grober Körper, die fünf Pranas, die fünf Hüllen und die achtstufige Karma-Stadt, die das verkörperte Wesen umgibt.
In diesem Kapitel fragt Pingala Yajnavalkya nach der Bedeutung der Mahavakyas. Der Lehrer erklärt, dass 'Tat' auf Brahman mit Maya hinweist und 'Tvam' auf das innere Selbst. Durch Shravana, Manana und Nididhyasana verwirklicht der Suchende seine Einheit mit Brahman. Aufgestaute Karma löst sich auf und Samadhi wird erreicht.
Das Kapitel beginnt mit Paingalas Frage an Yajnavalkya, was ein Wissender (Jnani) tut und wie sein Zustand ist. Yajnavalkya erklärt, dass ein mit Demut und anderen Tugenden ausgestatteter Suchender einundzwanzig Familien befreit, während ein Brahman-Kenner einhundertundein Familien befreit. Das Wagen-Gleichnis beschreibt den Körper als Wagen, den Intellekt als Wagenlenker, den Geist als Zügel und die Sinne als Pferde. Narayana wohnt im Herzen als das innere Selbst. Das Kapitel lehrt, dass der Wissende alles Karma transzendiert und die Nicht-Verschiedenheit von individueller Seele und Höchstem Selbst erkennt.
73 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.
Verse 1
अथ ह पैङ्गलो याज्ञवल्क्यमुपसमेत्य द्वादशवर्षशुश्रूषापूर्वकं परमरहस्यकैवल्यमनुब्रूहीति पप्रच्छ ॥१॥
Da trat Paiṅgala nach zwölf Jahren des Dienstes und achtsamer Schülerschaft zu Yājñavalkya und fragte: „Lehre mich das höchste Geheimnis — Kaivalya, die absolute Alleinheit und Befreiung.“
Mokṣa/Kaivalya; guru-śiṣya-paramparā; adhikāritva (fitness through śuśrūṣā)Verse 2
स होवाच याज्ञवल्क्यः—सदेव सोम्येदमग्र आसीत् । तन्नित्यमुक्तमविक्रियं सत्यज्ञानानन्दं परिपूर्णं सनातनमेकमेवाद्वितीयं ब्रह्म ॥२॥
Yājñavalkya sprach: „O Sanfter, im Anfang war dies allein Sein. Jenes (Sein) ist ewig frei, unveränderlich, von der Natur Wahrheit–Erkenntnis–Wonne, vollkommen erfüllt, uralt: Brahman, das Eine, ohne ein Zweites.“
Brahman as satya-jñāna-ānanda; non-duality (advaita); nityamukti; immutabilityVerse 3
तस्मिन् मरुशुक्तिकास्थाणुस्फटिकादौ जलरौप्यपुरुषरेखादिवल्लोहितशुक्लकृष्णगुणमयी गुणसाम्यानिर्वाच्या मूलप्रकृतिरासीत् । तत्प्रतिबिम्बितं यत्तत्साक्षिचैतन्यमासीत् ॥३॥
In Ihm (Brahman), wie bei einer Fata Morgana, im Perlmutt, im Pfahl, im Kristall und dergleichen — wie Wasser, Silber, Menschengestalt, Linie und Ähnliches — war die Wurzel-Natur (mūla-prakṛti), aus den Qualitäten Rot, Weiß und Schwarz bestehend, unaussprechlich wegen des Gleichgewichts der Guṇas. Das, was sich darin spiegelt, war das Zeugenbewusstsein (sākṣī-caitanya).
Māyā/mūla-prakṛti; guṇas (sattva-rajas-tamas); anirvacanīyatva; sākṣī-caitanya; pratibimba-vādaVerse 4
सा पुनर्विकृतिं प्राप्य सत्त्वोद्रिक्ता अव्यक्ताख्यावरणशक्तिरासीत्। तत्प्रतिबिम्बितं यत्तदीश्वरचैतन्यमासीत्। स स्वाधीनमायः सर्वज्ञः सृष्टिस्थितिलयानामादिकर्ता जगदङ्कुररूपो भवति। स्वस्मिन्विलीनं सकलं ज...
Sie, nachdem sie abermals eine Wandlung erfahren hatte, wurde zur verhüllenden Kraft (āvaraṇa-śakti), genannt das Unmanifestierte (avyakta), in dem Sattva überwiegt. Was sich darin spiegelte, war das Bewusstsein Īśvaras. Er, dessen Māyā unter seiner Herrschaft steht, allwissend, der ursprüngliche Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, wird zur Samenform des Universums. Er offenbart die ganze Welt, die in ihm selbst aufgegangen ist. Wie dieses Tuch durch die Kraft des Karmas der Wesen ausgebreitet wird, so lässt er es, wenn das Karma der Wesen erschöpft ist, wieder verschwinden. In ihm allein besteht das gesamte All wie ein zusammengefaltetes, zusammengedrängtes Tuch.
Māyā (āvaraṇa-śakti), Īśvara, karma-based manifestation and dissolutionVerse 5
ईशाधिष्ठितावरणशक्तितो रजोद्रिक्ता महदाख्या विक्षेपशक्तिरासीत्। तत्प्रतिबिम्बितं यत्तद्धिरण्यगर्भचैतन्यमासीत्। स महत्तत्त्वाभिमानी स्पष्टास्पष्टवपुर्भवति॥५॥
Aus der von Īśvara beherrschten verhüllenden Kraft entstand, von Rajas überwogen, die projizierende Kraft (vikṣepa-śakti), genannt „mahat“. Was sich darin spiegelte, war das Bewusstsein Hiraṇyagarbhas. Er, der sich mit dem mahat-tattva identifiziert, wird zu einer Gestalt, die zugleich deutlich und undeutlich ist.
Vikṣepa-śakti (projection), Mahat, Hiraṇyagarbha (cosmic subtle totality)Verse 6
हिरण्यगर्भाधिष्ठितविक्षेपशक्तितस्तमोद्रिक्ता अहङ्काराभिधा स्थूलशक्तिरासीत्। तत्प्रतिबिम्बितं यत्तद्विराटचैतन्यमासीत्। स तदभिमानी स्पष्टवपुः सर्वस्थूलपालको विष्णुः प्रधानपुरुषो भवति। तस्मादात्मन आकाशः ...
Aus der von Hiraṇyagarbha beherrschten projizierenden Kraft entstand, von Tamas überwogen, die grobe Kraft namens „ahaṅkāra“. Was sich darin spiegelte, war das Bewusstsein Virāṭs. Er, der sich damit identifiziert, wird zu einer deutlichen Gestalt: zum Beschützer aller grobstofflichen Wesen, zu Viṣṇu, dem ursprünglichen Puruṣa, dem ersten Prinzip. Aus jenem Selbst entstand der Raum; aus dem Raum die Luft; aus der Luft das Feuer; aus dem Feuer die Wasser; aus den Wassern die Erde. Diese werden zu den fünf Tanmātras, gebildet aus den drei Guṇas.
Ahaṅkāra, Virāṭ (gross totality), pañcīkaraṇa/elemental emanation (ākāśa→pṛthivī), guṇasVerse 7
स्रष्टुकामो जगद्योनिस्तमोगुणमधिष्ठाय सूक्ष्मतन्मात्राणि भूतानि स्थूलीकर्तुं सोऽकामयत। सृष्टेः परिमितानि भूतान्येकैकं द्विधा विधाय पुनश्चतुर्धा कृत्वा स्वस्वेतरद्वितीयांशैः पञ्चधा संयोज्य पञ्चीकृतभूतैर...
Schöpfung begehrend, nahm der Schoß (Ursprung) des Weltalls, gestützt auf die Guṇa des Tamas, sich vor, die feinen Tanmātras zu groben Elementen zu verdichten. Die bei der Schöpfung bestimmten Elemente nahm Er, teilte jedes einzelne in zwei und machte es wiederum zu vier; dann verband Er sie fünffach, indem Er die zweiten Anteile wechselseitig mischte, und erschuf durch die so quintupplizierten Elemente unzählige Koti von Brahmāṇḍas (kosmischen Eiern) sowie die groben Körper, die in den jedem Ei angemessenen Sphären bestehen.
Sṛṣṭi (cosmogenesis) through Māyā/guṇas; pañcīkaraṇa (quintuplication of elements)Verse 8
स पञ्चभूतानां रजोंशांश्चतुर्धा कृत्वा भागत्रयात्पञ्चवृत्त्यात्मकं प्राणमसृजत्। स तेषां तुर्यभागेन कर्मेन्द्रियाण्यसृजत्॥८॥
Dann teilte Er die Rajas-Anteile der fünf Elemente in vier Teile und erschuf aus drei Teilen das Prāṇa, das aus fünf Funktionen (Vṛttis) besteht. Aus ihrem vierten Teil erschuf Er die Handlungsorgane (Karmendriyas).
Prāṇa and karmendriyas arising from rajas (guṇa-based cosmology)Verse 9
स तेषां सत्त्वांशं चतुर्धा कृत्वा भागत्रयसमष्टितः पञ्चक्रियावृत्त्यात्मकमन्तःकरणमसृजत्। स तेषां सत्त्वतुरीयभागेन ज्ञानेन्द्रियाण्यसृजत्॥९॥
Weiter teilte Er den Sattva-Anteil dieser Elemente in vier Teile und erschuf aus der Gesamtheit von drei Teilen das Antaḥkaraṇa, das innere Instrument, bestehend aus fünf funktionalen Tätigkeiten. Aus dem vierten, sattvischen Viertel erschuf Er die Erkenntnisorgane (Jñānendriyas).
Antaḥkaraṇa and jñānendriyas arising from sattva; subtle body analysis (sūkṣma-śarīra)Verse 10
सत्त्वसमष्टित इन्द्रियपालकान् असृजत्। तानि सृष्टानि अण्डे प्राचिक्षिपत्। तदाज्ञया समष्ट्यण्डं व्याप्य तान्यतिष्ठन्। तदाज्ञया अहङ्कारसमन्वितो विराट् स्थूलान्यरक्षत्। हिरण्यगर्भस्तदाज्ञया सूक्ष्माण्यपाल...
Aus der kollektiven (kosmischen) Gesamtheit der Sattva erschuf Er die Hüter der Sinne. Nachdem Er sie erschaffen hatte, warf Er sie in das Ei (den kosmischen Embryo). Auf Sein Geheiß, das kosmische Ei durchdringend, standen sie in ihren jeweiligen Stätten. Auf Sein Geheiß schützte Virāṭ, mit Ichheit (Ahaṅkāra) verbunden, den grobstofflichen Bereich; und Hiraṇyagarbha waltete auf dasselbe Geheiß über den feinstofflichen Bereich.
Cosmic manifestation (samaṣṭi-vyāṣṭi), Virāṭ–Hiraṇyagarbha, indriya-devatā, ahaṅkāraVerse 11
अण्डस्थानि तानि तेन विना स्पन्दितुं चेष्टितुं वा न शेकुः। तानि चेतनीकर्तुं सोऽकामयत। ब्रह्माण्डब्रह्मरन्ध्राणि समस्तव्यष्टिमस्तकान् विदार्य तदेवानुप्राविशत्। तदा जडान्यपि तानि चेतनवत् स्वकर्माणि चक्रि...
Im Ei befindlich, vermochten sie ohne Ihn weder zu beben noch zu handeln. Um sie zu beseelen, wünschte Er es; und nachdem Er die Brahmarandhras des kosmischen Eies sowie aller individuellen Häupter geöffnet hatte, trat Er wahrhaft in sie ein. Da verrichteten sie, obgleich an sich träge, ihre eigenen Funktionen, als wären sie bewusst.
Antaryāmin (indwelling Self/Īśvara), enlivening of inert matter, brahmarandhra symbolismVerse 12
सर्वज्ञेशो मायालेशसमन्वितो व्यष्टिदेहं प्रविश्य तया मोहितो जीवत्वमगमत्। शरीरत्रयतादात्म्यात् कर्तृत्वभोक्तृत्वतामगमत्। जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तिमूर्च्छामरणधर्मयुक्तो घटीयन्त्रवदुद्विग्नो जातो मृत इव कुलाल...
Der allwissende Herr, mit einem Hauch von Māyā verbunden, trat in den individuellen Leib ein; von ihr betört, gelangte Er in den Zustand des Jīva. Durch Identifikation mit den drei Körpern nahm Er die Verfassung von Handelndem und Genießendem an. Ausgestattet mit den Zuständen von Wachen, Traum, Tiefschlaf, Ohnmacht und Tod, unruhig wie das Werk einer Wasseruhr, kreist er—gleich einem Toten—nach dem Gleichnis des Töpferrades.
Māyā/avidyā, jīva-īśvara distinction, three bodies (sthūla-sūkṣma-kāraṇa), kartṛtva-bhoktṛtva, saṃsāra momentumVerse 1
अथ पैङ्गलो याज्ञवल्क्यमुवाच— सर्वलोकानां सृष्टिस्थित्यन्तकृद्विभूरीशः कथं जीवत्वमगमदिति ॥१॥
Da sprach Paiṅgala zu Yājñavalkya: „Wie gelangte der allgegenwärtige Herr (Īśa), der Schöpfer von Entstehen, Erhaltung und Auflösung aller Welten, in den Zustand der Individualität (jīvatva)?“
Māyā/avidyā and the apparent transformation from Īśvara to jīva (jīvatva)Verse 2
स होवाच याज्ञवल्क्यः— स्थूलसूक्ष्मकारणदेहोद्भवपूर्वकं जीवेश्वरस्वरूपं विविच्य कथयामीति; सावधानेनैकाग्रतया श्रूयताम्। ईशः पञ्चीकृतमहाभूतलेशानादाय व्यष्टिसमष्ट्यात्मकस्थूलशरीराणि यथाक्रममकरोत्। कपालचर्म...
Yājñavalkya sprach: „Ich werde, nach unterscheidender Betrachtung, das Wesen von jīva und Īśvara darlegen, beginnend mit dem Ursprung der groben, feinen und kausalen Leiber; hört mit Wachheit und einspitziger Sammlung. Īśa nahm Anteile der fünf groben Elemente nach ihrer Fünffachung und schuf der Reihe nach die groben Körper, die individuellen wie auch den Gesamtkörper. Schädel, Haut, Gedärme, Knochen, Fleisch und Nägel sind Anteile der Erde. Blut, Urin, Speichel, Schweiß und dergleichen sind Anteile des Wassers. Hunger, Durst, Hitze, Verblendung, Geschlechtstrieb und dergleichen sind Anteile des Feuers. Fortbewegung, Heben/Ausstoßung, Atmung und dergleichen sind Anteile des Windes. Begehren, Zorn und dergleichen sind Anteile des Raumes. Dieses Gefüge, durch Karma angesammelt, mit Haut und den übrigen Gliedern versehen, Träger der Identifikation mit Kindheit und anderen Zuständen und Wohnstatt vieler Mängel — das ist der grobe Leib.“
Pañcīkaraṇa; sthūla-śarīra as karmaphala and upādhi; three-body framework (sthūla–sūkṣma–kāraṇa)Verse 3
अथापञ्चीकृतमहाभूतरजोंशभागत्रयसमष्टितः प्राणमसृजत्। प्राणापानव्यानोदानसमानाः प्राणवृत्तयः। नागकूर्मकृकरदेवदत्तधनञ्जया उपप्राणाः। हृदासननाभिकण्ठसर्वाङ्गानि स्थानानि। आकाशादिरजोगुणतुरीयभागेन कर्मेन्द्रिय...
Dann erschuf er aus der Gesamtheit von drei Teilen des rajas-Anteils der nicht verfünffachten großen Elemente den prāṇa. Prāṇa, apāna, vyāna, udāna und samāna sind die Wirkweisen des prāṇa. Nāga, kūrma, kṛkara, devadatta und dhanañjaya sind die Neben-prāṇas. Herz, „āsana“ (Sitz), Nabel, Kehle und alle Glieder sind ihre Orte. Aus dem vierten Teil der rajas-Qualität, beginnend mit dem Raum, erschuf er die Handlungsorgane: Sprache, Hände, Füße, After und Geschlechtsorgane; ihre Gegenstände sind Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Genießen. Ebenso erschuf er aus der Gesamtheit von drei Teilen des sattva-Anteils der Elemente das innere Werkzeug: Geist (manas), Erkenntniskraft (buddhi), Gedächtnisfeld (citta) und Ichmacher (ahaṅkāra); ihre Gegenstände sind Entschluss, Feststellung, Erinnerung, Ich-Zueignung und Untersuchung. Kehle, Mund, Nabel, Herz und die Mitte der Augenbrauen sind ihre Orte. Aus dem vierten Teil des sattva-Anteils erschuf er die Erkenntnisorgane: Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase; ihre Gegenstände sind Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Duft. Die leitenden Gottheiten sind: die Richtungen, der Wind, die Sonne, Varuṇa (Pracetas), die Aśvins, das Feuer, Indra, Upendra und der Tod; ferner der Mond, Viṣṇu, der Viergesichtige (Brahmā) und Śambhu als Herren der kausalen Ordnung.”
Sūkṣma-śarīra constitution: prāṇa, karmendriyas, jñānendriyas, antaḥkaraṇa; guṇa-based derivation (rajas/sattva) and devatā-adhiṣṭhānaVerse 4
अथान्नमयप्राणमयमनोमयविज्ञानमयानन्दमयाः पञ्च कोशाः। अन्नरसेनैव भूत्वान्नरसेनाभिवृद्धिं प्राप्यान्नरसमयपृथिव्यां यद्विलीयते सोऽन्नमयकोशः। तदेव स्थूलशरीरम्। कर्मेन्द्रियैः सह प्राणादिपञ्चकं प्राणमयकोशः। ...
Nun sind die fünf Hüllen (Kośas): die aus Nahrung bestehende, die aus Lebenshauch bestehende, die aus Geist bestehende, die aus unterscheidender Erkenntnis (Buddhi) bestehende und die aus Seligkeit bestehende. Was aus der Essenz der Nahrung entsteht, durch die Essenz der Nahrung wächst und sich in die Erde auflöst, die aus der Essenz der Nahrung gebildet ist—das ist die Nahrungshülle; sie ist wahrlich der grobstoffliche Leib. Zusammen mit den Handlungsorganen ist die Fünfergruppe, beginnend mit Prāṇa, die Hülle des Lebenshauchs. Zusammen mit den Erkenntnisorganen ist die Buddhi die Erkenntnishülle. Diese drei Hüllen bilden den feinstofflichen Leib. Unwissenheit über das eigene wahre Wesen ist die Seligkeitshülle; sie ist der Kausalleib.
Pañca-kośa (five sheaths) and the three bodies (sthūla–sūkṣma/liṅga–kāraṇa) as superimpositions on ĀtmanVerse 5
अथ ज्ञानेन्द्रियपञ्चकं कर्मेन्द्रियपञ्चकं प्राणादिपञ्चकं वियदादिपञ्चकमन्तःकरणचतुष्टयं कामकर्मतमांस्यष्टपुरम्॥५॥
Nun: die Fünfergruppe der Erkenntnisorgane, die Fünfergruppe der Handlungsorgane, die Fünfergruppe beginnend mit Prāṇa, die Fünfergruppe beginnend mit dem Raum (Ākāśa), das vierfache innere Werkzeug (Antaḥkaraṇa), Begierde, Handlung und die Finsternisse—dies (alles) ist die „Stadt der Acht“.
Śarīra/saṃsāra as a composite of indriyas, prāṇas, elements, antaḥkaraṇa; ‘pura’ (city) imagery for embodied existenceVerse 6
ईशाज्ञया विराजो व्यष्टिदेहं प्रविश्य बुद्धिमधिष्ठाय विश्वत्वमगमत्। विज्ञानात्मा चिदाभासो विश्वो व्यावहारिको जाग्रत्स्थूलदेहाभिमानी कर्मभूरिति च विश्वस्य नाम भवति॥६॥
Auf Geheiß des Herrn trat Virāj in den individuellen Leib ein und, über die Buddhi herrschend, erlangte den Zustand des Viśva. Das erkennende Selbst, der Widerschein des Bewusstseins (Cidābhāsa), ist Viśva—der Handelnde im empirischen Bereich—der sich im Wachzustand mit dem grobstofflichen Körper identifiziert; und auch „Karmabhū“ („Feld des Handelns“) wird zu einem Namen des Viśva.
Cidābhāsa (reflected consciousness), waking-state ‘Viśva’, adhyāsa (misidentification) and vyāvahārika-sattā (empirical reality)Verse 7
ईशाज्ञया सूत्रात्मा व्यष्टिसूक्ष्मशरीरं प्रविश्य मन अधिष्ठाय तैजसत्वमगमत्। तैजसः प्रातिभासिकः स्वप्नकल्पित इति तैजसस्य नाम भवति॥७॥
Auf Geheiß des Herrn trat der Sūtrātman in den individuellen feinstofflichen Leib ein und, den Geist beherrschend, gelangte er in den Zustand des Taijasa. „Taijasa“ heißt er, weil er prātibhāsika ist — nur scheinbar, im Traum erdacht; dies ist die Benennung des Taijasa.
Taijasa (dream-consciousness), prātibhāsika-sattā, subtle body (sūkṣma-śarīra), Sūtrātman/HiraṇyagarbhaVerse 8
ईशाज्ञया मायोपाधिरव्यक्तसमन्वितो व्यष्टिकारणशरीरं प्रविश्य प्राज्ञत्वमगमत्। प्राज्ञोऽविच्छिन्नः पारमार्थिकः सुषुप्त्यभिमानीति प्राज्ञस्य नाम भवति॥८॥
Auf Geheiß des Herrn trat das Māyā-Upādhi, verbunden mit dem Unmanifesten, in den individuellen Kausalleib ein und gelangte in den Zustand des Prājña. „Prājña“ ist der Name dessen, der ungetrennt ist, als pāramārthika gilt und sich mit dem Tiefschlaf identifiziert; so wird Prājña bezeichnet.
Prājña (deep-sleep consciousness), causal body (kāraṇa-śarīra), avyakta, māyā-upādhi, pāramārthika vs vyāvahārikaVerse 9
अव्यक्तलेशाज्ञानाच्छादितपारमार्थिकजीवस्य तत्त्वमस्यादिवाक्यानि ब्रह्मणैकतां जगुः, नेतरयोर्व्यावहारिकप्रातिभासिकयोः॥९॥
Für den pāramārthika-Jīva, der von einem Hauch unmanifesten Nichtwissens verhüllt ist, verkünden Aussprüche wie „Das bist du“ die Einheit mit Brahman — nicht jedoch für die beiden anderen, den vyāvahārika und den prātibhāsika.
Mahāvākya teaching (tattvamasi), jīva-brahma-aikya, levels of reality (pāramārthika/vyāvahārika/prātibhāsika), avidyā-leśaVerse 10
अन्तःकरणप्रतिबिम्बितचैतन्यं यत्तदेवावस्थात्रयभाग्भवति। स जाग्रत्स्वप्नसुषुप्त्यवस्थाः प्राप्य घटीयन्त्रवदुद्विग्नो जातो मृत इव स्थितो भवति॥१०॥
Das im inneren Organ (antaḥkaraṇa) widergespiegelte Bewusstsein allein wird zum Teilhaber der drei Zustände. Nachdem es Wachen, Traum und Tiefschlaf erlangt hat, gerät es wie ein Uhrwerk in Unruhe und verharrt, als wäre es tot.
Reflected consciousness (cidābhāsa) and the three states (avasthā-traya)Verse 11
अथ जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तिमूर्च्छामरणाद्यवस्थाः पञ्च भवन्ति। तत्तद्देवताग्रहान्वितैः श्रोत्रादिज्ञानेन्द्रियैः शब्दाद्यर्थविषयग्रहणज्ञानं जाग्रदवस्था भवति। तत्र भ्रूमध्यं गतो जीव आपादमस्तकं व्याप्य कृषि...
Nun gibt es fünf Zustände: Wachen, Traum, Tiefschlaf, Ohnmacht und Tod. Die Erkenntnis, welche durch die Erkenntnisorgane, beginnend mit dem Ohr, zusammen mit ihren jeweiligen leitenden Gottheiten, Gegenstände wie Klang und dergleichen erfasst, ist der Wachzustand. Dort geht der Jīva zur Mitte zwischen den Augenbrauen, durchdringt den Leib von den Füßen bis zum Scheitel, wird zum Handelnden aller Tätigkeiten — Ackerbau, Hören und so weiter — und zum Genießer ihrer jeweiligen Früchte. In eine andere Welt gelangt, genießt er allein die durch Karma erworbene Frucht. Wie ein Souverän, der der Geschäfte müde ist, verweilt er, den Pfad ergreifend, um in die innere Wohnstatt einzutreten.
Avasthā-pañcaka (five states), jīva as kartā/bhoktā under karmaVerse 12
करणोपरमे जाग्रत्संस्कारोत्थप्रबोधवद्ग्राह्यग्राहकरूपस्फुरणं स्वप्नावस्था भवति। तत्र विश्व एव जाग्रद्व्यवहारलोपान्नाडीमध्यं चरंस्तैजसत्वमवाप्य वासनारूपकं जगद्वैचित्र्यं स्वभासा भासयन् यथेप्सितं स्वयं भ...
Wenn die Werkzeuge (der Erkenntnis) zur Ruhe kommen, ist das Aufleuchten in der Gestalt von Objekt und Subjekt — wie ein Erwachen, das aus Eindrücken des Wachzustands hervorgeht — der Traumzustand. Dort wird eben dieser Viśva, da die Geschäfte des Wachens erlöschen, inmitten der Nāḍīs wandernd und den Zustand des Taijasa erlangend, durch sein eigenes Licht die Mannigfaltigkeit einer aus Vāsanās (latenten Neigungen) gebildeten Welt erhellen und nach Wunsch selbst genießen.
Svapna as saṁskāra/vāsanā-projection; Viśva–Taijasa transition; subject–object duality as mental appearanceVerse 13
चित्तैककरणा सुषुप्त्यवस्था भवति। भ्रमविश्रान्तशकुनिः पक्षौ संहृत्य नीडाभिमुखं यथा गच्छति तथा जीवोऽपि जाग्रत्स्वप्नप्रपञ्चे व्यवहृत्य श्रान्तोऽज्ञानं प्रविश्य स्वानन्दं भुङ्क्ते॥१३॥
Der Zustand des Tiefschlafs ist jener, in dem der Geist zu einem einzigen Werkzeug wird, das heißt in eine undifferenzierte Weise zurücksinkt. Wie ein vom Umherirren ermüdeter Vogel die Flügel zusammenlegt und seinem Nest zugeht, so tritt auch die Jīva, nachdem sie im Vielgestaltigen von Wachen und Traum gehandelt hat, erschöpft in Unwissenheit (Tiefschlaf) ein und genießt ihre eigene Seligkeit.
Suṣupti (deep sleep) as causal ignorance (avidyā) and reflected bliss (ānanda) of the jīva; mind’s resolution into causal stateVerse 14
अकस्मान्मुद्गरदण्डाद्यैस्ताडितवद्भयाज्ञानाभ्यामिन्द्रियसङ्घातैः कम्पन्निव मृततुल्या मूर्च्छा भवति॥१४॥
Plötzlich, als wäre man von Hammer, Stock und dergleichen getroffen, entsteht durch Furcht und Unwissenheit, wobei die Gesamtheit der Sinne gleichsam zittert, die Ohnmacht (mūrcchā), dem Tod vergleichbar.
States of consciousness (avasthā) and their relation to prāṇa/indriyas; mūrcchā as a liminal, death-like condition distinct from suṣuptiVerse 15
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तिमूर्च्छावस्थानामन्या ब्रह्मादिस्तम्बपर्यन्तं सर्वजीवभयप्रदा स्थूलदेहविसर्जनी मरणावस्था भवति॥१५॥
Verschieden von den Zuständen des Wachens, Träumens, Tiefschlafs und der Ohnmacht ist der Zustand des Todes: von Brahmā bis hin zu einem Grasbüschel schenkt er allen Wesen Furcht und bringt das Ablegen des grobstofflichen Leibes mit sich.
Maraṇa (death) as a distinct avasthā; deha-tyāga (abandonment of gross body); universality of bhaya within saṃsāraVerse 16
कर्मेन्द्रियाणि ज्ञानेन्द्रियाणि तत्तद्विषयान् प्राणान् संहृत्य कामकर्मान्वितोऽविद्याभूतवेष्टितो जीवो देहान्तरं प्राप्य लोकान्तरं गच्छति। प्राक्कर्मफलपाकेनावर्तान्तरकीटवद्विश्रान्तिं नैव गच्छति॥१६॥
Nachdem er die Handlungsorgane, die Erkenntnisorgane, ihre jeweiligen Gegenstände und die Lebenshauche zusammengezogen hat, erlangt der Jīva — von Begehren und Handlung begleitet und von Unwissenheit umhüllt — einen anderen Leib und geht in eine andere Welt. Bis die Früchte früherer Taten ausreifen, findet er keinerlei Ruhe, wie ein Wurm, der von einem Strudel zum anderen wandert.
Saṃsāra; karma-phala; avidyā; transmigration (punarjanma)Verse 17
सत्कर्मपरिपाकतो बहूनां जन्मनामन्ते नृणां मोक्षेच्छा जायते। तदा सद्गुरुमाश्रित्य चिरकालसेवया बन्धं मोक्षं कश्चित्प्रयाति॥१७॥
Durch das Ausreifen guter Taten entsteht am Ende vieler Geburten im Menschen der Wunsch nach Befreiung. Dann, indem er beim wahren Guru Zuflucht nimmt und ihm lange dient, gelangt einer zur Erlösung aus der Fesselung.
Mokṣa-icchā (mumukṣutva); satkarma; guru-śiṣya; sādhanāVerse 18
अविचारकृतो बन्धो विचारान्मोक्षो भवति। तस्मात्सदा विचारयेत्। अध्यारोपापवादतः स्वरूपं निश्चयीकर्तुं शक्यते। तस्मात्सदा विचारयेज्जगज्जीवपरमात्मनो जीवभावजगद्भावबाधे प्रत्यगभिन्नं ब्रह्मैवावशिष्यत इति॥१८॥
Bindung entsteht durch Nicht-Untersuchung; aus Untersuchung erwächst Befreiung. Darum soll man stets forschen. Durch Überlagerung und anschließende Aufhebung lässt sich die wahre Natur gewiss bestimmen. Darum soll man immerfort Welt, Jīva und Paramātman prüfen: Wenn die Vorstellungen von „Jīva-Sein“ und „Welt-Sein“ aufgehoben sind, bleibt allein Brahman, nicht verschieden vom inneren Selbst.
Vicāra (ātma-vicāra); adhyāropa–apavāda; bādha (sublation); non-duality (advaita)Verse 1
अथ हैनं पैङ्गलः प्रपच्छ याज्ञवल्क्यं महावाक्यविवरणमनुब्रूहीति ॥१॥
Da befragte Paiṅgala Yājñavalkya: »Lehre mich die Erläuterung der großen Aussprüche (Mahāvākyas).«
Mahāvākya-upadeśa (instruction on the great Upaniṣadic declarations)Verse 2
स होवाच याज्ञवल्क्यः—तत्त्वमसि, त्वं तदसि, त्वं ब्रह्मासि, अहं ब्रह्मास्मीति अनुसन्धानं कुर्यात् ॥२॥
Yājñavalkya sprach: »Man soll beständige kontemplative Vergegenwärtigung (Anusandhāna) üben: ‚Das bist du‘; ‚Du bist Das‘; ‚Du bist Brahman‘; ‚Ich bin Brahman‘.«
Mahāvākya-nididhyāsana (contemplative assimilation of identity-knowledge)Verse 3
तत्र पारोक्ष्यशबलः सर्वज्ञत्वादिलक्षणो मायोपाधिः सच्चिदानन्दलक्षणो जगद्योनिस्तत्पदवाच्यो भवति । स एवान्तःकरणसम्भिन्नबोधोऽस्मत्प्रत्ययावलम्बनस्त्वम्पदवाच्यो भवति । परजीवोपाधिमायाविद्ये विहाय तत्त्वंपदल...
Hier ist das Upādhi der Māyā — durch die Mittelbarkeit (pārokṣya) bunt gefärbt und durch Allwissenheit und dergleichen gekennzeichnet —, von der Natur Sat‑Cit‑Ānanda und Ursprung der Welt; dies ist es, was das Wort »tat« („Das“) bezeichnet. Dieselbe Wirklichkeit, wenn das Bewusstsein durch das innere Organ (antaḥkaraṇa) begrenzt und auf die Ich‑Vorstellung gestützt ist, wird durch das Wort »tvam« („du“) bezeichnet. Lässt man Māyā und Unwissenheit fallen, die als Upādhis dem höchsten Herrn und dem individuellen Jīva anhaften, so ist der gemeinte Sinn (lakṣya) von »tat tvam« Brahman, nicht verschieden vom inneren, unmittelbar gegenwärtigen Selbst (pratyak).
Upādhi-viveka and bhāga-tyāga-lakṣaṇā (discarding adjuncts to reveal identity of Īśvara and jīva as Brahman)Verse 4
तत्त्वमसीत्यहं ब्रह्मास्मीति वाक्यार्थविचारः श्रवणं भवति। एकान्तेन श्रवणार्थानुसन्धानं मननं भवति। श्रवणमनननिर्विचिकित्सेऽर्थे वस्तुन्येकतानवत्तया चेतःस्थापनं निदिध्यासनं भवति। ध्यातृध्याने विहाय निवात...
Die Erforschung der Bedeutung der Aussprüche «Das bist du» und «Ich bin Brahman» heißt Hören (śravaṇa). Das ausschließliche, anhaltende Nachforschen über das Gehörte heißt Nachdenken (manana). Das Feststellen des Geistes in ununterbrochener Einspitzigkeit auf die Wirklichkeit, die durch Hören und Nachdenken zweifelsfrei geworden ist, heißt tiefe Kontemplation (nididhyāsana). Wenn, die Unterscheidung von Meditierendem und Meditation aufgebend, der Geist nur noch das zu Verwirklichende zum Gegenstand hat—wie eine Lampe an einem windstillen Ort—das ist samādhi.
Sādhana-catuṣṭaya in Advaita: śravaṇa–manana–nididhyāsana culminating in samādhi (aparokṣa-jñāna)Verse 5
तदानीमात्मगोचरा वृत्तयः समुत्थिता अज्ञाता भवन्ति। ताः स्मरणादनुमीयन्ते। इहानादिसंसारे सञ्चिताः कर्मकोटयोऽनेनैव विलयं यान्ति। ततोऽभ्यासपाटवात्सहस्रशः सदामृतधारा वर्षति। ततो योगवित्तमाः समाधिं धर्ममेघं ...
Dann werden die auf das Selbst bezogenen Geistesbewegungen, nachdem sie aufgestiegen sind, unbekannt (d. h. nicht zum Objekt gemacht); man erschließt sie aus der Erinnerung. In diesem anfangslosen Saṃsāra lösen sich allein dadurch Myriaden angesammelter Handlungen auf. Danach regnet, durch Übung erworbene Gewandtheit, beständig ein Strom von Nektar in tausendfacher Weise. Darum nennen die im Yoga Kundigsten samādhi die «Dharma-Wolke». Wenn dadurch das Netz latenter Eindrücke restlos geschmolzen und der Vorrat an Karma—Verdienst und Schuld—an der Wurzel ausgerissen ist, bringt der große Ausspruch (mahāvākya), obgleich zuvor nur indirekt, eine ungehinderte unmittelbare Verwirklichung hervor, so deutlich wie eine Āmalaka-Frucht in der Handfläche. Dann ist man lebendig befreit.
Jīvanmukti through samādhi: dissolution of vāsanās and karma; aparokṣa-jñāna (immediate realization)Verse 6
ईशः पञ्चीकृतभूतानामपञ्चीकरणं कर्तुं सोऽकामयत। ब्रह्माण्डतद्गतलोकान्कार्यरूपांश्च कारणत्वं प्रापयित्वा ततः सूक्ष्माङ्गं कर्मेन्द्रियाणि प्राणांश्च ज्ञानेन्द्रियाण्यन्तःकरणचतुष्टयं चैकीकृत्य सर्वाणि भौत...
Īśa wünschte, die «Ent-Quintupelung» (apañcīkaraṇa) der quintupelierten Elemente zu bewirken. Nachdem er das kosmische Ei und die darin befindlichen Welten—Gestalten der Wirkung—wieder in den Zustand der Ursache zurückgeführt hatte, vereinigte er sodann die feinen Bestandteile—Handlungsorgane, Lebenshauche, Erkenntnisorgane und das vierfache innere Instrument—und fügte alle materiellen Dinge in die ursächliche Fünfheit der Elemente zusammen: Erde löst sich in Wasser, Wasser in Feuer, Feuer in Luft, Luft in Raum, und Raum in Ichheit; Ichheit in das große Prinzip (mahat), mahat in das Unmanifestierte, und das Unmanifestierte in Puruṣa, der Reihe nach. Virāṭ, Hiraṇyagarbha und Īśvara gehen, durch Auflösung ihrer begrenzenden Beilegungen, im höchsten Selbst auf.
Cosmic dissolution (laya) and apañcīkaraṇa; sublation of upādhis culminating in Paramātman (Advaita cosmology)Verse 7
पञ्चीकृतमहाभूतसम्भवकर्मसञ्चितस्थूलदेहः कर्मक्षयात् सत्कर्मपरिपाकतोऽपञ्चीकरणं प्राप्य सूक्ष्मेणैकीभूत्वा कारणरूपत्वमासाद्य तत्कारणं कूटस्थे प्रत्यगात्मनि विलीयते। विश्वतैजसप्राज्ञाः स्वस्वोपाधिलयात् प्...
Der grobstoffliche Leib — aus den fünf großen Elementen nach ihrer Verfünffachung hervorgegangen und durch Karma angesammelt — gelangt durch das Erschöpfen des Karma und durch das Ausreifen verdienstvoller Taten zur Ent‑Verfünffachung; er wird eins mit dem feinstofflichen (Leib), erreicht den Zustand des Kausalen, und diese Ursache löst sich im unveränderlichen inneren Selbst (pratyagātman), dem Kūṭastha, auf. Viśva, Taijasa und Prājña gehen durch das Vergehen ihrer jeweiligen begrenzenden Beilegungen (upādhi) im inneren Selbst auf.
Laya (dissolution) of upādhis into pratyagātman; the three avasthās and their resolution; mokṣa as recognition of the KūṭasthaVerse 8
अण्डं ज्ञानाग्निना दग्धं कारणैः सह परमात्मनि लीनं भवति। ततो ब्राह्मणः समाहितो भूत्वा तत्त्वंपदैक्यमेव सदा कुर्यात्। ततो मेघापायेऽशुमानिवात्माविर्भवति॥८॥
Das „Ei“ (aṇḍa), vom Feuer der Erkenntnis verbrannt, löst sich samt seinen Ursachen im höchsten Selbst (Paramātman) auf. Dann soll der Brahmane, gesammelt und gefestigt (samāhita) geworden, stets nur die Einheit der Bedeutungen von „Das“ und „Du“ (tat tvam) vollziehen, d. h. betrachten. Dann wird, wie die Sonne beim Weichen der Wolken, das Selbst offenbar.
Jñānāgni (fire of knowledge) destroying avidyā; tattvamasi-upadeśa and aikya; ātmā-prakāśa (self-revelation)Verse 9
ध्यात्वा मध्यस्थमात्मानं कलशान्तरदीपवत्। अङ्गुष्ठमात्रमात्मानमधूमज्योतिरूपकम्। प्रकाशयन्तमन्तःस्थं ध्यायेत्कूटस्थमव्ययम्। ध्यायन्नास्ते मुनिश्चैव चासुप्तेरामृतेस्तु यः। जीवन्मुक्तः स विज्ञेयः स धन्यः ...
Nachdem man das Selbst, das in der Mitte weilt, betrachtet hat wie eine Lampe in einem Krug; (betrachtend) das Selbst von Daumengröße, von der Gestalt rauchlosen Lichtes, — soll man den inneren, erleuchtenden, unvergänglichen Kūṭastha meditieren. Der Weise verweilt in Meditation; und wer ohne Schlaf im Unsterblichen gegründet ist, ist als im Leben Befreiter (jīvanmukta) zu erkennen — gesegnet, der getan hat, was zu tun war. Wenn sein eigener Leib durch die Zeit verzehrt ist und er den Stand der jīvanmukti hinter sich lässt, geht er in die körperlose Befreiung ein, wie der Wind in Regungslosigkeit ohne Schwingung.
Dhyāna on the Kūṭastha (witness Self); jīvanmukti and videhamukti; inner light (jyotis) as ātmanVerse 10
ध्यात्वा मध्यस्थमात्मानं कलशान्तरदीपवत् । अङ्गुष्ठमात्रमात्मानम् अधूमज्योतिरूपकम् । प्रकाशयन्तम् अन्तःस्थं ध्यायेत् कूटस्थम् अव्ययम् । ध्यायन्नास्ते मुनिश्चैव चासुप्तेरामृतेस्तु यः । जीवन्मुक्तः स विज...
Nachdem man das Selbst, das in der Mitte (im Innern) weilt, wie eine Lampe in einem Krug, und das Selbst von Daumenmaß, von der Gestalt rauchlosen Lichtes, betrachtet hat, soll man auf den inneren, erleuchtenden, unveränderlichen und unvergänglichen kūṭastha, den Zeugen, meditieren. Der Weise verharrt in Meditation; wer so ist bis jenseits des Schlafes (d. h. in unerschütterlicher wacher Gewahrheit) und bis zur Unsterblichkeit, ist als jīvanmukta zu erkennen — im Leben Befreiter, gesegnet, der das zu Vollbringende vollbracht hat. Wenn er selbst den Zustand der jīvanmukti hinter sich lässt und der eigene Leib der Zeit anheimfällt und vergeht, geht er ein in die körperlose Befreiung, gleichsam wie der Wind in Regungslosigkeit eingeht.
Jīvanmukti and videhamukti; meditation on the kūṭastha-Ātman as inner lightVerse 11
ध्यात्वा मध्यस्थमात्मानं कलशान्तरदीपवत् । अङ्गुष्ठमात्रमात्मानम् अधूमज्योतिरूपकम् । प्रकाशयन्तम् अन्तःस्थं ध्यायेत् कूटस्थम् अव्ययम् । ध्यायन्नास्ते मुनिश्चैव चासुप्तेरामृतेस्तु यः । जीवन्मुक्तः स विज...
Indem man das Selbst, das im Zentrum weilt wie eine Lampe in einem Krug, und das Selbst von Daumenmaß, von der Natur rauchlosen Lichtes, betrachtet, soll man den inneren, erleuchtenden, unveränderlichen kūṭastha meditieren. Der Weise bleibt in Meditation; wer so ist bis zum Ende des Schlafes und bis zur Unsterblichkeit, ist als im Leben Befreiter (jīvanmukta) zu erkennen — gesegnet, der das menschliche Ziel erfüllt hat. Wenn der Leib der Zeit übergeben wird und er selbst die Bedingung der jīvanmukti hinter sich lässt, geht er ein in die körperlose Befreiung, als ob der Wind in die Stille einginge.
Kūṭastha-sākṣin meditation; criteria of the jīvanmukta; transition to adeha-muktiVerse 12
अशब्दम् अस्पर्शम् अरूपम् अव्ययं तथा रसं नित्यम् अगन्धवच्च यत् । अनाद्यनन्तं महतः परं ध्रुवं तदेव शिष्यत्यमलं निरामयम् ॥ १२ ॥
Das, was ohne Klang ist, ohne Berührung, ohne Gestalt, unvergänglich; ebenso ohne Geschmack und stets ohne Geruch; anfangslos und endlos, jenseits des Mahat (des Großen Prinzips), fest und unwandelbar — Das allein bleibt: makellos, frei von Leid und Gebrechen.
Nirguṇa Brahman / Ātman beyond the senses; permanence of the AbsoluteVerse 1
अथ हैनं पैङ्गलः प्रपच्छ याज्ञवल्क्यं—ज्ञानिनः किं कर्म, का च स्थितिरिति ॥१॥
Da befragte Paiṅgala Yājñavalkya: „Welche Handlung ist für den Brahman-Erkennenden zu tun, und wie ist wahrlich sein Zustand, sein Verweilen?“
Jñānin (Brahmavid), karma vs. jñāna, sthitaprajñatā/abidance in BrahmanVerse 2
स होवाच याज्ञवल्क्यः—अमानित्वादिसम्पन्नो मुमुक्षुरेकविंशतिकुलं तारयति। ब्रह्मविन्मात्रेण कुलमेकोत्तरशतं तारयति ॥२॥
Yājñavalkya sprach: „Ein nach Befreiung Strebender, erfüllt von Demut und dergleichen, erlöst einundzwanzig Generationen seiner Linie. Schon dadurch, dass er Brahman erkennt, erlöst einer einhunderteins Generationen der Familie.“
Mumukṣutva, sādhana-catuṣṭaya/virtues (amānitva etc.), Brahmavid’s salvific merit, mokṣaVerse 3
आत्मानं रथिनं विद्धि शरीरं रथमेव च। बुद्धिं तु सारथिं विद्धि मनः प्रग्रहमेव च ॥३॥
Wisse: Das Selbst (Ātman) ist der Lenker als Reiter, und der Leib ist wahrlich der Wagen. Wisse: Die Erkenntniskraft (Buddhi) ist der Wagenlenker, und der Geist (Manas) ist wahrlich die Zügel.
Ātman distinct from body-mind; buddhi as discriminative faculty; mastery of mind; sādhana through vivekaVerse 4
इन्द्रियाणि हयानाहुर्विषयांस्तेषु गोचरान्। जङ्गमानि विमानानि हृदयानि मनीषिणः॥४॥
Man sagt: Die Sinne sind Pferde, und die Sinnesobjekte sind ihre Weide- und Bewegungsbereiche. Die Weisen sagen ferner, die Herzen seien sich bewegende Himmelswagen (Vimānas).
Indriya–viṣaya bandha (sense-object entanglement) and the inner instrument as the locus of experienceVerse 5
आत्मेन्द्रियमनोयुक्तं भोक्तेत्याहुर्महर्षयः। ततो नारायणः साक्षाद्धृदये सुप्रतिष्ठितः॥५॥
Die großen Rishis sagen: Das Selbst, verbunden mit Sinnesorganen und Geist, ist der Erfahrende (Genießende). Dann ist Nārāyaṇa selbst unmittelbar und fest im Herzen gegründet.
Jīva (ātman associated with upādhis) vs. inner Lord (Īśvara/Nārāyaṇa) in the heart; adhyāsa and the seat of realizationVerse 6
प्रारब्धकर्मपर्यन्तमहिनिर्मोकवद्व्यवहरति। चन्द्रवच्चरते देही स मुक्तश्चानिकेतनः॥६॥
Bis zum Erlöschen des prārabdha-karma verhält er sich wie eine abgestreifte Schlangenhaut. Der Verkörperte wandelt wie der Mond; er ist befreit und ohne Wohnstatt.
Jīvanmukti; prārabdha-karma; non-identification with body (deha-abhimāna-tyāga)Verse 7
तीर्थे श्वपचगृहे वा तनुं विहाय याति कैवल्यम् । प्राणान् अवकीर्य याति कैवल्यम् ॥७॥
Ob an einer heiligen Furt (tīrtha) oder im Haus eines Ausgestoßenen, der Hunde kocht: nachdem er den Leib abgelegt hat, geht er in Kaivalya, die vollkommene Alleinheit. Nachdem er die Lebenshauche abgestreift hat, geht er in Kaivalya.
Moksha/Kaivalya; de-identification from body and prāṇaVerse 8
तं पश्चाद् दिग्बलिं कुर्याद् अथवा खननं चरेत् । पुंसः प्रव्रजनं प्रोक्तं नेतराय कदाचन ॥८॥
Danach soll man eine Gabe an die Himmelsrichtungen darbringen (dig-bali) oder andernfalls das Graben zum Begräbnis vollziehen. Es ist verkündet: Das Ausziehen in die Wanderschaft (pravrajyā) gilt dem Mann selbst, niemals aber einem anderen zuliebe.
Sannyāsa/pravrajyā; non-transferability of spiritual renunciationAnswers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.
A free sign-in with Google or Apple keeps your chat saved across web and the app.
Read Upanishads in the Vedapath app
Scan the QR code to open this directly in the app, with word-by-word meanings, Sanskrit recitation where available, and more.