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Die Katha-Upanishad (dem Krishna-Yajurveda zugeordnet) ist eine Haupt-Upanishad, die in einem Dialog zwischen Nachiketa und Yama Tod, Atman und Befreiung (moksha) philosophisch entfaltet. Zentral ist die Unterscheidung zwischen preyas (dem unmittelbar Angenehmen) und shreyas (dem höchsten Guten) als ethische Grundlage des spirituellen Weges. Die berühmte Wagen-Allegorie erläutert die innere Lenkung von Sinnen, Geist und Intellekt unter der Führung des wahren Selbst. Der Atman gilt als ungeboren, ewig und unvergänglich; seine Verwirklichung löst Furcht und Kummer auf und führt zur Befreiung.
Start ReadingNaciketā–Yama dialogue: death as a doorway to Self-knowledge, not merely an end
Śreyas vs preyas: ethical discernment as the foundation of spiritual life
Ātman is unborn, eternal, and distinct from body–mind; realization removes fear and grief
Chariot allegory: disciplined governance of senses and mind under buddhi guided by the Self
Hierarchy of inner faculties: sense-objects < senses < mind < intellect < the Great Self
Yoga as restraint and inward stillness; the “razor’s edge” path of steady practice
Critique of mere ritualism and intellectualism; knowledge must become direct realization
Mokṣa as freedom from saṃsāra through Self-realization; immortality as identity with the Self
This Upanishad is organized into 2 adhyayas.
Im ersten Kapitel der Katha-Upanishad etabliert sich Nachiketa als ein wahrheitsliebender Sucher nach Selbsterkenntnis. Als er sieht, dass sein Vater Vajashrava bei einem Opferritus wertlose alte Kühe spendet, fragt Nachiketa: 'Wem wirst du mich geben?' Nach dreimaligem Fragen sagt der Vater im Zorn: 'Ich gebe dich dem Tod.' Nachiketa begibt sich zum Wohnsitz von Yama, dem Herrn des Todes, und wartet drei Tage. Bei seiner Rückkehr gewährt Yama drei Wünsche. Der erste ist die Versöhnung mit dem Vater, der zweite das Wissen über das heilige Feuerritual, und der dritte ist das Wissen über das Schicksal der Seele nach dem Tod. Yama versucht, Nachiketa mit weltlichen Freuden, himmlischen Nymphen und Reichtümern abzulenken, doch Nachiketa lehnt alles ab. Yama lehrt dann über das Shreyas (das Gute) und Preyas (das Angenehme), die ungeborene und unsterbliche Seele, die Bedeutung von Om und den subtilen Pfad der Selbsterkenntnis.
Das zweite Kapitel der Katha Upanishad beschreibt, wie der Schöpfer die Sinne nach außen richtete, wodurch Menschen das innere Selbst übersehen. Nur der Weise, der Unsterblichkeit sucht, wendet den Blick nach innen, um das Atman zu erkennen. Das Selbst ist der wahre Zeuge aller Sinneserfahrungen sowie der Wach- und Traumzustände. Die Erkenntnis des Atman als innerer Herrscher und Essenz aller Wesen führt zur Befreiung von Furcht und Kummer.
119 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.
Verse 1
अशन् ह वै वाजश्रवसः सर्ववेदसं ददौ। तस्य ह नचिकेता नाम पुत्र आस॥१॥
Vājaśravasa, der himmlische Belohnungen begehrte, gab seinen gesamten Besitz weg. Er hatte einen Sohn namens Naciketā.
Śrāddha (faith) and Tyāga (renunciation)Verse 2
तं ह कुमारं सन्तं दक्षिणासु नीयमानासु श्रद्धा आविवेश सोऽमन्यत ॥२॥
Als er noch ein junger Knabe war und die Opfergaben weggeführt wurden, da erfüllte ihn der Glaube, und er dachte folgendermaßen.
Śraddhā (Faith) and Dāna (Charity/Sacrificial Giving)Verse 3
पीतोदका जग्धतृणा दुग्धदोहा निरिन्द्रिया:। अनन्दा नाम ते लोकास्तान् स गच्छति ता ददन् ॥३॥
Sie haben ihr Wasser getrunken, ihr Gras gefressen, ihre Milch gegeben und sind kraftlos. Jene Welten heißen 'freudlos'; wer solche gibt, gelangt zu jenen Welten.
Dāna-phala (Fruit of Charity) and Karmic ConsequenceVerse 4
स होवाच पितरं तत् कस्मै मां दास्यतीति। द्वितीयं तृतीयं तं होवाच मृत्यवे त्वा ददामीति॥४॥
Er sprach zu seinem Vater: 'Wem wirst du mich geben?' Ein zweites Mal, ein drittes Mal sprach er zu ihm: 'Dem Tod gebe ich dich.'
Vairagya (Dispassion) and Adhikari (Qualification for Knowledge)Verse 5
बहूनामेमि प्रथमो बहूनामेमि मध्यमः। किं स्विद्यमस्य कर्तव्यं यन्मयाद्य करिष्यति॥५॥
Unter vielen gehe ich als der Erste; unter vielen gehe ich als der Mittlere. Was immer heute Yamas Aufgabe sein mag, das werde ich vollbringen.
Dharma and Vrata (Sacred Vow)Verse 6
अनुपश्य यथा पूर्वे प्रतिपश्य तथापरे। सस्यमिव मर्त्यः पच्यते सस्यमिवाजायते पुनः॥६॥
Schau zurück auf jene, die früher kamen; schau vorwärts auf jene, die später kommen. Wie Getreide reift ein Sterblicher; wie Getreide wird er wieder geboren.
Samsara and Punarjanma (Cycle of Birth and Death)Verse 7
वैश्वानरः प्रविशत्यतिथिर्ब्राह्मणो गृहान्। तस्यैतां शान्तिं कुर्वन्ति हर वैवस्वतोदकम्॥
Vaishvanara, der Feuer Gott, betritt das Haus als ein brahmanischer Gast. Für ihn führen sie dieses Friedensopfer durch: 'Bringt das Wasser des Vaivasvata.'
Atithi Devo Bhava (Guest is God) - Sacred hospitality as spiritual practiceVerse 8
आशा प्रतीक्षे संगतं सूनृतां च इष्टापूर्ते पुत्रपशूंश्च सर्वान्। एतद्वृड्क्ते पुरुषस्याल्पमेधसो यस्यानश्नन्वसति ब्राह्मणो गृहे॥८॥
Hoffnung und Erwartung, Gemeinschaft mit den Wahrhaften, und alle Opferwerke, Söhne und Vieh, dies gehört dem Menschen von geringem Verstand, in dessen Haus ein brahmanischer Gast ohne Speise weilt.
Dharma of Hospitality (Atithi-dharma) and Spiritual DiscriminationVerse 9
तिस्रो रात्रीर्यदवात्सीर्गृहे मेऽनश्नन्ब्रह्मन्नतिथिर्नमस्यः। नमस्तेऽस्तु ब्रह्मन्स्वस्ति मेऽस्तु तस्मात्प्रतित्रीन्वरान्वृणीष्व॥९॥
O Brahmane, da du, ein würdiger Gast, drei Nächte in meinem Hause ohne Speide geweilt hast, sei dir Ehre, O Brahmane. Möge Wohlergehen mein sein. Darum wähle drei Gaben als Gegengabe.
Prayaschitta (Atonement) and Varaprada (Granting Boons)Verse 10
शान्तसकल्पः सुमना यथा स्याद्वीतमन्युर्गौरवं माभि मृत्यो। त्वत्प्रसृष्टं माभिवदेत्प्रतीत एतत्त्रयाणां प्रथमं वरं वृणे ॥१०॥
Möge ich friedfertig werden, von beherrschtem Willen und reinem Geist, frei von Zorn, o Tod; möge ich keine große Angst empfinden. Als einer, der deine Zusicherung empfangen hat, wähle ich die erste dieser drei Gaben.
Shanti (Inner Peace) and Prasada (Divine Grace)Verse 11
यथा पुरस्ताद् भविता प्रतीत औद्दालकिरारुणिर्मत्प्रसृष्टः। सुखं रात्रीः शयिता वीतमन्युस्त्वां ददृशिवान्मृत्युमुखात्प्रमुक्तम् ॥११॥
Wie einer, der Zusicherung empfangen hat, wird Auddālaki Āruṇi mit mir versöhnt sein. Er wird friedlich durch die Nächte schlafen, frei von Zorn, nachdem er dich aus dem Rachen des Todes befreit gesehen hat.
Pitr-Putra Sambandha (Father-Son Relationship) and Kshama (Forgiveness)Verse 12
स्वर्गे लोके न भयं किञ्चनास्ति न तत्र त्वां न जरया बिभेति। उभे तीर्त्वाशनायापिपासे शोकातिगो मोदते स्वर्गलोके ॥१२॥
In der himmlischen Welt gibt es keine Furcht irgendeiner Art; dort fürchtet man nicht das Alter. Beides überschritten habend, Hunger und Durst, über den Kummer hinausreichend, freut man sich in der himmlischen Welt.
Svarga (Heavenly Realm) and Vimoksha (Liberation from Suffering)Verse 13
स त्वमग्नि स्वर्ग्यमध्येषि मृत्यों प्रब्रूहि त्वं श्रद्दधानाय मह्यम्। स्वर्गलोका अमृतत्वं भजन्त एतद् द्वितीयेन वृणे वरेण ॥१३॥
Du, o Tod, kennst jenes Feuer, das zum Himmel führt. Lehre es mich, der ich voller Glauben bin. Die die himmlische Welt erlangen, haben Anteil an der Unsterblichkeit. Dies wähle ich als meine zweite Gabe.
Svargaloka (Heavenly World) and Amṛtatva (Immortality)Verse 14
प्र ते ब्रवीमि तदु मे निवोध स्वर्ग्यमग्निं नचिकेतः प्रजानन्। अनन्तलोकाप्तिमथो प्रतिष्ठां विद्धि त्वमेतं निहितं गुहायाम् ॥१४॥
Ich werde es dir verkünden; lerne es von mir, o Nachiketa, das Feuer kennend, das zum Himmel führt. Erkenne, dass dieses Feuer die Erlangung der unendlichen Welt und ihre Grundlage ist, verborgen in der geheimen Höhle des Herzens.
Guhā (Secret Cave of the Heart) and Anantaloka (Infinite World)Verse 15
लोकादिमग्निं तमुवाच तस्मै या इष्टका यावतीर्वा यथा वा। स चापि तत्प्रत्यवदद्यथोक्तमथास्य मृत्युः पुनरेवाह तुष्टः ॥१५॥
Er verkündete ihm das Feuer, das der Anfang der Welten ist, welche Ziegel es gibt, wie viele und wie sie angeordnet sind. Und er wiederholte es genau, wie es gesagt worden war. Dann sprach der Tod, zufrieden, wieder zu ihm.
Guru-Śiṣya Paramparā (Teacher-Student Lineage) and Yajña (Sacrificial Ritual)Verse 16
तमब्रवीत्प्रीयमाणो महात्मा वरं तवेहाद्य ददामि भूयः। तवैव नामा भवितायमग्निः सृक्ङां चेमामनेकरूपां गृहाण ॥१६॥
Der Große Seele sagte zu ihm, zufrieden: Heute gewähre ich dir eine weitere Gabe. Dieses Feuer wird deinen Namen tragen; nimm diese vielgestaltige Perlenkette an.
Ishvara Prasada (Divine Grace)Verse 17
त्रिणाचिकेतस्त्रिभिरेत्य सन्धिं त्रिकर्मकृत्तरति जन्ममृत्यू। ब्रह्मजज्ञ देवमीड्यं विदित्वा निचाय्येमां शान्तिमत्यन्तमेति ॥१७॥
Die dreifache Vereinigung durch die drei Nachiketa-Feuer erlangt habend, überschreitet der Vollbringer der dreifachen Handlung Geburt und Tod. Brahman erkennend, die verehrungswürdige Gottheit, und diesen Frieden fest erfasst habend, erlangt man den höchsten Zustand.
Moksha (Liberation from Samsara)Verse 18
त्रिणाचिकेतस्त्रयमेतद्विदित्वा य एवं विद्वांश्चिनुते नाचिकेतम्। स मृत्युपाशानृ पुरतः प्रणोद्य शोकातिगो मोदते स्वर्गलोके ॥१८॥
Dieses dreifache Nachiketa-Wissen erkennend und Nachiketa auf diese Weise wählend, stößt der Weise die Fesseln des Todes von sich fort, geht über den Kummer hinaus und freut sich in der himmlischen Welt.
Jivanmukti (Liberation while Living)Verse 19
एष तेऽग्निर्नचिकेतः स्वर्ग्यो यमवृणीथा द्वितीयेन वरेण। एतमग्निं तवैव प्रवक्ष्यन्ति जनासस्तृतीयं वरं नचिकेतो वृणीष्व ॥१९॥
Dies ist jenes Feuer, o Nachiketas, das zum Himmel führt, das du durch die zweite Gabe erwählt hast. Die Menschen werden dieses Feuer als das deine verkünden. O Nachiketas, wähle die dritte Gabe.
Vaisvanara Agni - Sacred fire as a means to svarga (heavenly realms)Verse 20
येयं प्रेते विचिकित्सा मनुष्येऽस्तीत्येके नायमस्तीति चैके। एतद्विद्यामनुशिष्टस्त्वयाहं वराणामेष वरस्तृतीयः॥२०॥
Es besteht dieser Zweifel über den Menschen, wenn er gestorben ist: einige sagen, er existiert, andere sagen, er existiert nicht. Dies möchte ich wissen, von dir gelehrt. Dies ist die dritte der Gaben.
Atman (the Self) and Paraloka-vidya (knowledge of the afterlife)Verse 21
देवैरत्रापि विचिकित्सितं पुरा न हि सुविज्ञेयमणुरेष धर्मः। अन्यं वरं नचिकेतो वृणीष्व मा मोपरोत्सीरति मा सृजैनम् ॥२१॥
Selbst von den Göttern wurde dies in alter Zeit bezweifelt; denn dieser Dharma ist nicht leicht zu erkennen, da er subtil ist. O Naciketas, wähle einen anderen Segen. Dränge mich nicht weiter. Bitte mich nicht darum.
Atma-jnana (Self-knowledge) - The subtle nature of ultimate reality that transcends ordinary comprehensionVerse 22
देवैरत्रापि विचिकित्सितं किल त्वं च मृत्यो यत्र सुविज्ञेममात्थ। वक्ता चास्य त्वादृगन्यो न लभ्यो नान्यो वरस्तुल्य एतस्य कश्चित् ॥२२॥
Selbst von den Göttern wurde diesbezüglich gezweifelt, o Tod; und du hast es gut erklärt, wo es schwer zu verstehen ist. Ein anderer Sprecher wie du ist nicht zu finden, noch ein anderer Segen, der diesem gleichkäme.
Adhyatma Vidya (Knowledge of the Self)Verse 23
शतायुषः पुत्रपौत्रान् वृणीष्व बहून् पशून् हस्तिहिरण्यमश्वान्। भूमेर्महदायतनं वृणीष्व स्वयं च जीव शरदो यावदिच्छसि ॥२३॥
Wähle Söhne und Enkel von hundert Jahren, viele Rinder, Elefanten, Gold und Pferde. Wähle eine große Ausdehnung von Land, und du selbst lebe so viele Herbste, wie du wünschst.
Kama (Worldly Desires) vs. Moksha (Liberation)Verse 24
एतत्तुल्यं यदि मन्यसे वरं वृणीष्व वित्तं चिरजीविकां च। महाभूभौ नचिकेतस्त्वमेधि कामानां त्वा कामभाजं करोमि ॥२४॥
Wenn du irgendeinen Segen für gleichwertig hältst, wähle Reichtum und ein langes Leben. O Nachiketa, werde ein großer Herrscher der Erde; ich werde dich zum Genießer aller Wünsche machen.
Viveka (Discrimination) between Preya (Pleasant) and Shreya (Good)Verse 25
ये ये कामा दुर्लभा मर्त्यलोके सर्वान् कामांश्छन्दतः प्रार्थयस्व। इमा रामाः सरथाः सतूर्या न हीदृशा लम्भनीया मनुष्यैः। आभिर्मत्प्रत्ताभिः परिचारयस्व नचिकेतो मरणं मानुप्राक्षीः॥
Welche Wünsche auch immer in der sterblichen Welt schwer zu erlangen sind, erbitte alle diese Wünsche nach deinem Belieben. Diese Frauen mit Wagen und Dienern sind nicht von Menschen zu erlangen. Durch diese, die von mir gewährt wurden, erfreue dich. O Naciketas, frage nicht nach dem Tod.
Vairagya (dispassion) and the rejection of worldly desires for higher spiritual knowledgeVerse 26
श्वो भावा मर्त्यस्य यदन्तकैतत् सर्वेन्द्रियाणां जरयन्ति तेजः। अपि सर्वम् जीवितमल्पमेव तवैव वाहास्तव नृत्यगीते॥
Diese Dinge, die von morgen sind, o Sterblicher, lassen die Kraft aller Sinne verfallen. Selbst das ganze Leben ist fürwahr kurz. Dein allein sind die Wagen, dein der Tanz und der Gesang.
Anityata (impermanence) of worldly life and the fleeting nature of sensory pleasuresVerse 27
न वित्तेन तर्पणीयो मनुष्यो लप्स्यामहे वित्तमद्राक्ष्म चेत्त्वा। जीविष्यामो यावदीशिष्यसि त्वं वरस्तु मे वरणीयः स एव॥
Ein Mensch kann nicht durch Reichtum befriedigt werden. Wir werden Reichtum erlangen, wenn wir dich gesehen haben. Wir werden leben, solange du herrschen wirst. Jener Segen allein ist von mir zu wählen.
Mumukshutva (intense desire for liberation) and the supremacy of spiritual knowledge over material wealthVerse 28
अजीर्यताममृतानामुपेत्य जीर्यन्मर्त्यः क्वधःस्थः प्रजानन्। अभिध्यायन्वर्णरतिप्रमोदानतिदीर्घे जीविते को रमेत ॥२८॥
Nachdem man den unvergänglichen Zustand der Unsterblichen erlangt hat, wo könnte der vergängliche Sterbliche unten stehen? Wer würde sich, dies wissend, an einem langen Leben erfreuen, während er die Freuden von Schönheit und Liebe begehrt?
Amṛtatva (Immortality) vs. Martya (Mortality)Verse 29
यस्मिन्निदं विचिकित्सन्ति मृत्यो यत्साम्पराये महति ब्रूहि नस्तत्। योऽयं वरो गूढमनुप्रविष्टो नान्यं तस्मान्नचिकेता वृणीते ॥२९॥
Das, worüber im Hinblick auf den Tod Zweifel bestehen, und was im großen Jenseits liegt, verkünde uns das. Dieser Segen ist an einen verborgenen Ort eingegangen; daher wählt Nachiketa keinen anderen Segen.
Paraloka Vidya (Knowledge of the Beyond) and Atma-jnanaVerse 1
अन्यच्छेयोऽन्यदुतैव प्रेयस्ते उभे नानार्भे पुरुषं सिनीतः। तयोः श्रेय आददानस्य साधु भवति हीयतेऽर्थाद्य उ प्रेयो वृणीते ॥१॥
Das Gute ist eines, das Angenehme ein anderes; beide binden einen Menschen an verschiedene Ziele. Wer von diesen beiden das Gute wählt, erlangt Wohlergehen, wer aber das Angenehme wählt, verfehlt das Ziel.
Shreya vs. Preya - The fundamental Vedantic discrimination between the beneficial and the pleasurableVerse 2
श्रेयश्च प्रेयश्च मनुष्यमेतस्तौ सम्परीत्य विविनक्ति धीरः। श्रेयो हि धीरोऽभिप्रेयसो वृणीते प्रेयो मन्दो योगक्षेमाद् वृणीते॥
Sowohl das Gute (śreya) als auch das Angenehme (preya) nahen dem Menschen. Der Weise, nachdem er beide wohl erwogen hat, unterscheidet zwischen ihnen. Der Weise wählt wahrlich das Gute vor dem Angenehmen; der Törichte wählt das Angenehme um weltlicher Sicherheit und Wohlergehen willen.
Viveka (discrimination) between Śreya (the spiritually beneficial) and Preya (the immediately pleasant)Verse 3
स त्वं प्रियान् प्रियरूपांश्च कामानभिध्यायन्नचिकेतोऽत्यस्त्राक्षीः। नैतां सृष्टिं वित्तमयीमवाप्तो यस्यां मज्जन्ति बहवो मनुष्याः॥
Du, o Nachiketa, hast nach Reflexion über die begehrenswerten Objekte und Wünsche in ihren anmutigen Formen, sie verworfen. Du hast diese reichschaffende Schöpfung nicht angenommen, in der viele Menschen versinken.
Vairagya (dispassion) and the rejection of worldly desires for higher spiritual pursuitVerse 4
दूरमेते विपरीत विषूची अविद्या या च विद्येति ज्ञाता। विद्याभीप्सितं नचिकेतसं मन्ये न त्वा कामा बहवोऽलोलुपन्त॥
Weit voneinander entfernt und entgegengesetzt sind diese beiden: Unwissenheit (avidya) und das, was als Wissen (vidya) bekannt ist. Ich betrachte Nachiketa als einen, der nach Wissen verlangt. Die vielen Wünsche haben dich nicht verführt.
The fundamental opposition between Avidya (ignorance) and Vidya (knowledge) as mutually exclusive pathsVerse 5
अविद्यायामन्तरे वर्तमानः स्वयं धीराः पण्डितम्मन्यमानाः। दन्द्रम्यमाणाः परियन्ति मूढा अन्धेनैव नीयमाना यथान्धाः॥५॥
Inmitten der Unwissenheit verweilend, sich selbst für weise und gelehrt haltend, irren die Verblendeten umher wie Blinde, die von Blinden geführt werden, immer wieder im Kreis wandelnd.
Avidya (Ignorance) and the delusion of intellectual prideVerse 6
न साम्परायः प्रतिभाति बालं प्रमाद्यन्तं वित्तमोहेन मूढम्। अयं लोको नास्ति पर इति मानी पुनः पुनर्वशमापद्यते मे॥६॥
Das Jenseits erscheint nicht vor dem Törichten, der verblendet ist durch den Reiz des Reichtums und sorglos bleibt. Denkend: 'Nur diese Welt existiert, es gibt keine andere,' fällt er immer wieder unter meine Herrschaft.
Samsara and material delusion (vitta-moha)Verse 7
श्रवणायापि बहुरभिर्यो न लक्ष्यः श्रृण्वन्तोपि बहवो यं न विद्युः। आश्चर्यो वक्ता कुशलोस्य लब्धाश्चर्यो ज्ञाता कुशलानुशिष्टः॥७॥
Das, was selbst von vielen, die hören, nicht wahrgenommen wird, und das viele, die hören, nicht erkennen: Wunderbar ist der Sprecher, geschickt ist der Finder, wunderbar ist der Erkennende, wohl unterwiesen vom Geschickten.
Atman - the difficulty of Self-realization and rarity of true knowledgeVerse 8
न नरेणावरेण प्रोक्त एष सुविज्ञेयो बहुधा चिन्त्यमानः। अनन्यप्रोक्ते गतिरत्र नास्ति अणीयान् ह्यतर्क्यमणुप्रमाणात् ॥८॥
Dies [Selbst] kann nicht durch Unterweisung von einem unbedeutenden Menschen erlangt werden, noch kann es leicht erkannt werden, wenn es auf vielerlei Weise erdacht wird. Wenn es von einem gelehrt wird, der kein anderes [Identität] hat, gibt es hier keinen anderen Pfad. Denn es ist feiner als das Feinste, jenseits des logischen Denkens, jenseits des Messens.
Guru-Shishya Parampara (Teacher-Student Lineage) and the necessity of a realized teacher for Self-knowledgeVerse 9
नैषा तर्केण मतिरापनेया प्रोक्तान्येनैव सुज्ञानाय प्रेष्ठ। यां त्वमापः सत्यधृतिर्बतासि त्वादृङ्नो भूयान्नचिकेतः प्रष्टा ॥९॥
Diese Einsicht kann nicht durch logisches Denken erlangt werden; sie wird allein von einem anderen [Lehrer] für klares Wissen verkündet, o Lieber. Was du erlangt hast: standhaft in der Wahrheit, das bist du wahrlich. Mögen wir einen solchen Fragesteller wie Nachiketa erhalten.
Prapatti (surrender to divine truth) and the value of sincere spiritual inquiryVerse 10
जानाम्यहं शेवधिरित्यनित्यं न ह्यध्रुवैः प्राप्यते हि ध्रुवं तत्। ततो मया नाचिकेतश्चितोऽग्निः अनित्यैर्द्रव्यैः प्राप्तवानस्मि नित्यम् ॥१०॥
Ich weiß, dass dieser Schatz vergänglich ist, denn das Ewige kann nicht durch vergängliche Mittel erlangt werden. Daher habe ich das Nachiketa-Feuer entzündet; durch vergängliche Dinge habe ich das Ewige erlangt.
Nitya-Anitya Viveka (discrimination between eternal and ephemeral) - a key qualification for spiritual seekingVerse 11
कामस्याप्तिं जगतः प्रतिष्ठां क्रतोरानन्त्यमभयस्य पारम्। स्तोममहदुरुगायं प्रतिष्ठां दृष्ट्वा धृत्या धीरो नचिकेतोऽत्यस्राक्षीः ॥११॥
Nachdem er die Erfüllung des Verlangens, die Grundlage der Welt, die Endlosigkeit des Opfers, das jenseitige Ufer der Furchtlosigkeit, den großen Hymnus, die weitreichende Grundlage geschaut hatte, hat der weise Nachiketa mit Standhaftigkeit seine Wünsche losgelassen.
Vairagya (dispassion) and Brahman as the ultimate refugeVerse 12
तं दुर्दर्शं गूढमनुप्रविष्टं गुहाहितं गह्वरेष्ठं पुराणम्। अध्यात्मयोगाधिगमेन देवं मत्वा धीरो हर्षशोकौ जहाति ॥१२॥
Ihn, der schwer zu sehen ist, verborgen, eingetreten ins Innere, gelegen in der Höhle, wohnend im verborgenen Ort, uralt, den Weisen, der jene Gottheit durch den Yoga des inneren Selbst erkannt hat, überwindet Freude und Leid.
Adhyatma Yoga (inner spiritual practice) and transcendence of dualitiesVerse 13
एतच्छ्रुत्वा सम्परिगृह्य मर्त्यः प्रवृह्य धर्म्यमणुमेतमाप्य। स मोदते मोदनीयँ हि लब्ध्वा विवृतँ सद्म नचिकेतसं मन्ये ॥१३॥
Nachdem er dies gehört und vollständig erfasst hat, erlangt der Sterbliche, nachdem er diesen feinen Dharma herausgezogen hat, ihn. Er freut sich, nachdem er das Erlangenswerte erlangt hat. Ich betrachte Nachiketa als den, der die offenbarte Wohnstatt erlangt hat.
Sravana (hearing) and realization leading to supreme blissVerse 14
अन्यत्र धर्मादन्यत्राधर्मादन्यत्रास्मात्कृताकृतात् । अन्यत्र भूताच्च भव्याच्च यत्तत्पश्यसि तद्वद ॥१४॥
Jenseits von Dharma, jenseits von Adharma, jenseits dieses Bereichs des Getanen und des Nicht-Getanen; jenseits der Vergangenheit und jenseits der Zukunft, was auch immer Das ist, was du siehst, das verkünde mir.
Ātman/Brahman as transcending karma and time (akartṛtva, nityatva)Verse 15
सर्वे वेदा यत्पदमामनन्ति तपांसि सर्वाणि च यद्वदन्ति । यदिच्छन्तो ब्रह्मचर्यं चरन्ति तत्ते पदं संग्रहेण ब्रवीम्योमित्येतत् ॥१५॥
Jenes Ziel, das alle Veden verkünden, und von dem alle Bußübungen sprechen; ersehnt dessen wegen sie Brahmacarya üben, jenes Ziel verkünde ich dir kurz: 'Om', dies ist es.
Praṇava (Oṃ) as symbol/support (ālambana) of Brahman; sādhanā toward mokṣaVerse 16
एतद्ध्येवाक्षरं ब्रह्म एतद्ध्येवाक्षरं परम् । एतद्ध्येवाक्षरं ज्ञात्वा यो यदिच्छति तस्य तत् ॥१६॥
Denn dies wahrlich ist das unvergängliche Brahman; dies wahrlich ist das unvergängliche Höchste. Dies Unvergängliche erkannt zu haben, was immer einer begehrt, sein ist das.
Akṣara Brahman; praṇava as gateway to the imperishable; siddhi/fulfillment through right knowledge/meditationVerse 17
एतदालम्बनं श्रेष्ठमेतदालम्बनं परम्। एतदालम्बनं ज्ञात्वा ब्रह्मलोके महीयते॥१७॥
Diese Stütze ist die beste, diese Stütze ist die höchste. Nachdem man diese Stütze erkannt hat, wird man in der Welt Brahmins verherrlicht.
Brahman as the ultimate support (ālambana)Verse 18
न जायते म्रियते वा विपश्चिन्नायं कुतश्चिन्न बभूव कश्चित्। अजो नित्यः शाश्वतोऽयं पुराणो न हन्यते हन्यमाने शरीरे॥१८॥
Der Weise wird nicht geboren, noch stirbt er; dieser ist aus nirgendwoher gekommen, noch wurde er irgendjemand. Ungeboren, ewig, immerwährend, uralt, wird er nicht getötet, wenn der Körper getötet wird.
Atman - the eternal, unborn SelfVerse 19
हन्ता चेन्मन्यते हन्तुं हतश्चेन्मन्यते हतम्। उभौ तौ न विजानीतो नायमन्ति न हन्यते॥१९॥
Wenn der Töter denkt: 'Ich töte', wenn der Getötete denkt: 'Ich bin getötet', beide verstehen sie nicht. Dieser tötet nicht, noch wird er getötet.
Akartṛtva - the non-doership of the SelfVerse 20
अणोरणीयान्महतो महीयानात्माऽस्य जन्तोर्निहितो गुहायाम्। तमक्रतुः पश्यति वीतशोको धातुप्रसादान्महिमानमात्मनः ॥२०॥
Kleiner als das Kleine, größer als das Große, das Selbst ruht im Herzen dieses Lebewesens. Derjenige, der frei von Begierden ist, sieht Ihn, frei von Kummer, durch die Gnade des Schöpfers, die Herrlichkeit des Selbst.
Atman - The immanent Self that transcends all limitations of size and formVerse 21
आसीनो दूरं व्रजति शयानो याति सर्वतः। कस्तं मदामदं देवं मदन्यो ज्ञातुमर्हति ॥२१॥
Sitzend reist Er in die Ferne; liegend geht Er überallhin. Wer anders als ich kann jenen Gott erkennen, der sich an Sich selbst erfreut und jenseits der Wonne ist?
Sarvaga-Atman - The all-pervading Self that moves without moving, omnipresent consciousnessAnswers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.
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