Opening the text

Die Kshurika-Upanishad (dem Atharvaveda zugeordnet) ist eine kurze Yoga-Upanishad (ca. 25 Verse), deren Leitmetapher die „kshurika“, das Rasiermesser, ist. Sie steht für die Schärfe des Unterscheidungsvermögens (viveka), das Unwissenheit (avidyā) und egoische Fehlidentifikation bzw. Überlagerung (adhyāsa) „abschneidet“. Befreiung ist daher keine neue Errungenschaft, sondern das Offenbarwerden des ātman, sobald die Irrtümer entfernt sind. Der Text verbindet vedantische Zielsetzung (Einheit von ātman und brahman) mit einer nach innen gerichteten Yogapraxis: Zurücknahme der Sinne, Sammlung und Meditation, um die nicht-duale Einsicht zu stabilisieren. Vāsanās (latente Neigungen) und mentale Bewegungen gelten als Wurzel der Bindung; das „Rasiermesser“ symbolisiert die entschlossene Klarheit, mit der der Übende sie durchtrennt und als Zeugenbewusstsein (sākṣī) verweilt.
Start ReadingThe “razor” (kṣurikā) symbolizes sharp discrimination (viveka) that cuts ignorance (avidyā) and egoic identification.
Liberation is the recognition of the Self (ātman) as pure witness-consciousness, ultimately non-different from brahman.
Yogic interiorization—withdrawal of the senses and steady meditation—supports the stabilization of non-dual insight.
Bondage persists through vāsanās (latent tendencies) and mental modifications; these are to be severed, not indulged.
The path is subtle and demanding: steadiness, restraint, and inner purity are prerequisites for realization.
True knowledge is transformative: it removes superimposition (adhyāsa) rather than adding conceptual complexity.
The body–mind is an instrument; the Self is unattached, luminous, and ever-free.
25 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.
Verse 1
ॐ क्षुरिकां सम्प्रवक्ष्यामि धारणां योगसिद्धये । यं प्राप्य न पुनर्जन्म योगयुक्तस्य जायते ॥१॥
Om. Ich werde die „Kṣurikā“ vollständig darlegen — eine Dhāraṇā (Sammlung) zur Erlangung yogischer Vollendung; wer sie erlangt, für den in Yoga gefestigten Yogin entsteht keine Wiedergeburt mehr.
Moksha (freedom from punarjanma) through dhāraṇāVerse 2
वेदतत्त्वार्थविहितं यथोक्तं हि स्वयंभुवा । निःशब्दं देशमास्थाय तत्रासनमवस्थितः ॥ कूर्मोऽङ्गानीव संहृत्य मनो हृदि निरुध्य च । मात्राद्वादशयोगेन प्रणवेन शनैः शनैः ॥ पूरयेत्सर्वमात्मानं सर्वद्वारं निरुध्...
Wie es gemäß der Wirklichkeit und dem Sinn der Veden vorgeschrieben ist, wie es der Selbstgeborene lehrte: Er suche einen lautlosen Ort auf und verweile dort in einer Sitzhaltung. Die Glieder wie eine Schildkröte einziehend und den Geist im Herzen zügelnd; die Pranava (Om) mit dem zwölfteiligen Maß (Mātrā) verbindend, allmählich; soll er das ganze Selbst erfüllen, indem er alle Tore (Sinnesöffnungen) verschließt. Brust, Gesicht, Taille und Nacken halte er leicht nach oben erhoben; dort halte er die Prāṇas, die im Inneren der Nase wandern; und wenn der Atem dorthin gelangt ist, lasse er ihn langsam wieder frei.
Upāsanā/Dhyāna as a means to ātma-jñāna; Prāṇa–manas saṁyama (discipline of breath and mind)Verse 3
वेदतत्त्वार्थविहितं यथोक्तं हि स्वयंभुवा । निःशब्दं देशमास्थाय तत्रासनमवस्थितः ॥ कूर्मोऽङ्गानीव संहृत्य मनो हृदि निरुध्य च । मात्राद्वादशयोगेन प्रणवेन शनैः शनैः ॥ पूरयेत्सर्वमात्मानं सर्वद्वारं निरुध्...
Wie es gemäß der Wirklichkeit und dem Sinn der Veden vorgeschrieben ist, wie es der Selbstgeborene lehrte: Er suche einen lautlosen Ort auf und verweile dort in einer Sitzhaltung. Die Glieder wie eine Schildkröte einziehend und den Geist im Herzen zügelnd; die Pranava (Om) mit dem zwölfteiligen Maß (Mātrā) verbindend, allmählich; soll er das ganze Selbst erfüllen, indem er alle Tore (Sinnesöffnungen) verschließt. Brust, Gesicht, Taille und Nacken halte er leicht nach oben erhoben; dort halte er die Prāṇas, die im Inneren der Nase wandern; und wenn der Atem dorthin gelangt ist, lasse er ihn langsam wieder frei.
Upāsanā/Dhyāna; Prāṇa–manas saṁyamaVerse 4
वेदतत्त्वार्थविहितं यथोक्तं हि स्वयंभुवा । निःशब्दं देशमास्थाय तत्रासनमवस्थितः ॥ कूर्मोऽङ्गानीव संहृत्य मनो हृदि निरुध्य च । मात्राद्वादशयोगेन प्रणवेन शनैः शनैः ॥ पूरयेत्सर्वमात्मानं सर्वद्वारं निरुध्...
Wie vom Selbstgeborenen gemäß dem Sinn der vedischen Wahrheit geboten, suche der Übende einen lautlosen Ort auf und nehme dort seinen Sitz ein. Er ziehe die Glieder ein wie eine Schildkröte und halte den Geist im Herzen zurück. Durch die Übung der zwölf Mātrās, mit dem Praṇava (Oṃ), ganz allmählich, fülle er das ganze Selbst, nachdem er alle Tore (Sinnesöffnungen) verschlossen hat. Brust, Gesicht, Hüfte und Nacken halte er in gerader Ausrichtung, die Nabelgegend leicht erhoben; dort sammle er die Atemwinde, die im Innern der Nase wandern. Wenn der Atem dort angekommen und zur Ruhe gekommen ist, lasse er ihn dann langsam wieder frei.
Mokṣa through prāṇava-upāsanā and prāṇa-nirodha (inner withdrawal leading toward ātma-jñāna)Verse 5
वेदतत्त्वार्थविहितं यथोक्तं हि स्वयंभुवा । निःशब्दं देशमास्थाय तत्रासनमवस्थितः ॥ कूर्मोऽङ्गानीव संहृत्य मनो हृदि निरुध्य च । मात्राद्वादशयोगेन प्रणवेन शनैः शनैः ॥ पूरयेत्सर्वमात्मानं सर्वद्वारं निरुध्...
Wie es der Selbstgeborene gemäß dem Sinn der vedischen Wahrheit verordnet hat, gehe der Übende an einen stillen Ort und setze sich dort nieder. Er ziehe die Glieder ein wie eine Schildkröte und halte den Geist im Herzen zurück. Durch die Übung der zwölf Mātrās, mit dem Praṇava (Oṃ), nach und nach, fülle er das ganze Selbst, indem er alle Tore verschließt. Brust, Gesicht, Hüfte und Nacken halte er ausgerichtet, die Nabelgegend leicht erhoben; dort trage er die Atemwinde, die im Innern der Nase wandern. Wenn der Atem sich dort festgesetzt hat, lasse er ihn dann langsam ziehen.
Upāsanā leading to inner stillness (antaḥkaraṇa-nirodha) as a proximate means toward liberationVerse 6
स्थिरमात्रादृढं कृत्वा अङ्गुष्ठेन समाहितः । द्वे गुल्फे तु प्रकुर्वीत जङ्घे चैव त्रयस्त्रयः ॥ द्वे जानुनी तथोरुभ्यां गुदे शिश्ने त्रयस्त्रयः । वायोरायतनं चात्र नाभिदेशे समाश्रयेत् ॥
Nachdem er die maßvolle Übung fest und standhaft gemacht hat, gesammelt durch den Daumen, setze er (Anlage/Druck) an beiden Fußgelenken an; an den Unterschenkeln je drei und drei; an beiden Knien ebenso, ebenso an den Oberschenkeln; am After und am Glied je drei und drei. Und hier suche er die Stätte des Vāyu, des Lebenswindes, in der Nabelgegend auf.
Prāṇa as a functional gateway to inner mastery (yoga-sādhana as aid to mokṣa)Verse 7
स्थिरमात्रादृढं कृत्वा अङ्गुष्ठेन समाहितः । द्वे गुल्फे तु प्रकुर्वीत् जङ्घे चैव त्रयस्त्रयः ॥ द्वे जानुनी तथोरुभ्यां गुदे शिश्ने त्रयस्त्रयः । वायोरायतनं चात्र नाभिदेशे समाश्रयेत् ॥६–७॥
Nachdem man die Haltung fest und unbeweglich gemacht und sich mit den Daumen gesammelt hat, soll man zwei (Verschlüsse/Druckpunkte) an den Knöcheln setzen; an den Unterschenkeln ebenso je drei und drei. Zwei an den Knien und an den Oberschenkeln gleicherweise; am After und am Glied je drei und drei. Und hier soll man sich auf den Sitz des Vāyu (des Lebenswindes) in der Nabelgegend stützen.
Prāṇa (vital force) as an upāsanā-support leading toward inner stillness and mokṣa-oriented meditationVerse 8
तत्र नाडी सुषुम्ना तु नाडीभिर्बहुभिर्वृता । अणु रक्ताश्च पीताश्च कृष्णास्ताम्रा विलोहिताः ॥८॥
Dort ist wahrlich die Nāḍī namens Suṣumnā von vielen Nāḍīs umgeben — feinen, winzigen: roten und gelben, schwarzen, kupferfarbenen und leuchtend roten.
Subtle body (sūkṣma-śarīra) and nāḍī-prāṇa framework as a preparatory discipline for Self-knowledgeVerse 9
अतिसूक्ष्मां च तन्वीं च शुक्लां नाडीं समाश्रयेत् । तत्र संचारयेत् प्राणान् ऊर्णनाभीव तन्तुना ॥९॥
Man soll sich auf die überaus feine, schlanke, weiße Nāḍī stützen; dort soll man die Prāṇas in Bewegung setzen, wie eine Spinne (sich bewegt) an ihrem Faden.
Inner control and refinement of prāṇa as an aid to nididhyāsana (deep contemplation) culminating in ātma-jñānaVerse 10
ततो रक्तोत्पलाभासं पुरुषायतनं महत् । दहरं पुण्डरीकं तद्वेदान्तेषु निगद्यते ॥ तद्भित्त्वा कण्ठमायाति तां नाडीं पूरयन् यतः । मनसस्तु क्षुरं गृह्य सुतीक्ष्णं बुद्धिनिर्मलम् ॥१०॥
Dann betrachtet man die große Wohnstatt des Puruṣa, einem roten Lotus gleich an Glanz — den kleinen inneren Lotus, von dem die Vedānta-Schriften sprechen. Nachdem er durchstoßen ist, gelangt der Strom zur Kehle und füllt von dort jene Nāḍī. Nimm den Geist als Rasiermesser — äußerst scharf, durch Buddhi geläutert — und schreite weiter.
Ātman (Puruṣa) in the dahara-puṇḍarīka (heart-lotus); mokṣa through viveka and yogic inner ascentVerse 11
ततो रक्तोत्पलाभासं पुरुषायतनं महत् । दहरं पुण्डरीकं तद्वेदान्तेषु निगद्यते ॥ तद्भित्त्वा कण्ठमायाति तां नाडीं पूरयन् यतः । मनसस्तु क्षुरं गृह्य सुतीक्ष्णं बुद्धिनिर्मलम् ॥११॥
Dann ist da die große Wohnstatt des Puruṣa, einem roten Lotus gleich — der kleine Lotus, von dem die Vedāntas sprechen. Nachdem man ihn durchdrungen hat, erreicht man die Kehle und füllt von dort jene Nāḍī. Nimm den Geist als Rasiermesser, überaus scharf und durch Buddhi gereinigt, und schreite fort.
Dahara-vidyā and inner ascent; purification of mind (antaḥkaraṇa-śuddhi) as means toward mokṣaVerse 12
पादस्योपरि यन्मध्ये तद्रूपं नाम कृन्तयेत् । मनोद्वारेण तीक्ष्णेन योगमाश्रित्य नित्यशः ॥ इन्द्रवज्र इति प्रोक्तं मर्मजङ्घानुकीर्तनम् । तद्ध्यानबलयोगेन धारणाभिर्निकृन्तयेत् ॥ ऊर्वोर्मध्ये तु संस्थाप्य म...
In der Mitte oberhalb des Fußes soll man dort „Name-und-Form“ abschneiden, durch das scharfe Tor des Geistes, indem man sich beständig auf Yoga stützt. Der vitale Punkt (Marma) an der Wade wird „Indras Donnerkeil“ genannt; durch die Kraft des Yoga der Meditation soll man ihn mittels Konzentrationen (Dhāraṇā) durchtrennen. Richtet man die Aufmerksamkeit in die Mitte der Oberschenkel — an den Punkt, der im Marma den Prāṇa freigibt —, so schneide man durch den Yoga vierfacher Übung ohne Zögern.
Nāma-rūpa (phenomenal limitation) to be ‘cut’; mokṣa through yogic dhāraṇā/dhyāna and vivekaVerse 13
पादस्योपरि यन्मध्ये तद्रूपं नाम कृन्तयेत् । मनोद्वारेण तीक्ष्णेन योगमाश्रित्य नित्यशः ॥ इन्द्रवज्र इति प्रोक्तं मर्मजङ्घानुकीर्तनम् । तद्ध्यानबलयोगेन धारणाभिर्निकृन्तयेत् ॥ ऊर्वोर्मध्ये तु संस्थाप्य म...
Oberhalb des Fußes, in der mittleren Region, soll der Übende jene „Gestalt“ (den Knoten) durch das scharfe Tor des Geistes zerschneiden, indem er sich beständig auf Yoga stützt. Dies wird „Indras Donnerkeil“ (indravajra) genannt, das Rezitieren/Erwecken des Marma-Punktes in der Wade; durch die Yoga-Kraft der Meditation (dhyāna) soll er mittels konzentrativer Fixierungen (dhāraṇās) schneiden. Sodann, die Aufmerksamkeit in der Mitte der Oberschenkel verankernd und das Prāṇa am Marma befreiend, soll er durch die Yoga-Übung der vierfachen Praxis zerschneiden, wachsam gegenüber Mutlosigkeit und Schwäche.
Moksha (liberation) through prāṇa–nāḍī purification and dhāraṇā leading toward realization of the SelfVerse 14
पादस्योपरि यन्मध्ये तद्रूपं नाम कृन्तयेत् । मनोद्वारेण तीक्ष्णेन योगमाश्रित्य नित्यशः ॥ इन्द्रवज्र इति प्रोक्तं मर्मजङ्घानुकीर्तनम् । तद्ध्यानबलयोगेन धारणाभिर्निकृन्तयेत् ॥ ऊर्वोर्मध्ये तु संस्थाप्य म...
Oberhalb des Fußes, in der mittleren Region, soll man jene Gestalt durch das scharfe Tor des Geistes „zerschneiden“, indem man sich unablässig auf Yoga stützt. Dies heißt „Indras Donnerkeil“ — das Aktivieren/Rezitierten des Marma in der Wade; durch meditative Kraft soll man mittels dhāraṇās (Fixierungen) schneiden. Danach, die Aufmerksamkeit in der Mitte der Oberschenkel setzend und das Prāṇa am Marma freigebend, soll man durch vierfach wiederholte Übung zerschneiden und sich vor Mutlosigkeit hüten.
Sādhana (yogic means) as auxiliary to Self-knowledge; removal of granthi-like obstructions to prāṇa and mindVerse 15
ततः कण्ठान्तरे योगी समूहन्नाडिसञ्चयम् । एकोत्तरं नाडिशतं तासां मध्ये वराः स्मृताः ॥ सुषुम्ना तु परे लीना विरजा ब्रह्मरूपिणी । इडा तिष्ठति वामेन पिङ्गला दक्षिणेन च ॥
Dann sammelt der Yogin im Bereich der Kehle die Gesamtheit der Nāḍīs (feinstofflichen Kanäle): einhunderteine Nāḍīs. Unter ihnen gelten die vortrefflichen als die hauptsächlichen. Suṣumnā ist im Höchsten aufgegangen; sie ist makellos (virajā), von der Natur Brahmans. Iḍā steht zur Linken, und Piṅgalā zur Rechten.
Brahman/Ātman realization supported by suṣumnā-oriented inner ascent; subtle-body doctrine as soteriological aidVerse 16
ततः कण्ठान्तरे योगी समूहन्नाडिसञ्चयम् । एकोत्तरं नाडिशतं तासां मध्ये वराः स्मृताः ॥ सुषुम्ना तु परे लीना विरजा ब्रह्मरूपिणी । इडा तिष्ठति वामेन पिङ्गला दक्षिणेन च ॥
Dann sammelt der Yogi im Bereich der Kehle die Gesamtheit der Nāḍīs. Man sagt, es seien einhunderteins; unter ihnen gelten einige als die vortrefflichsten. Suṣumnā jedoch ist im Höchsten aufgegangen—makellos, von der Natur Brahmans. Iḍā steht zur Linken, und Piṅgalā zur Rechten.
Brahman; subtle body (sūkṣma-śarīra) as an aid to realizationVerse 17
तयोर्मध्ये वरं स्थानं यस्तं वेद स वेदवित् । द्वासप्ततिसहस्राणि प्रतिनाडीषु तैलितम् ॥
Zwischen diesen beiden (Iḍā und Piṅgalā) ist ein erhabener Ort; wer ihn kennt, der ist ein Kenner des Veda. In jeder Nāḍī sind zweiundsiebzigtausend (Kanäle) „geölt“, das heißt von einer feinen, salbenden Essenz durchdrungen.
Upāsanā leading to Brahma-jñāna; prāṇa as subtle support for knowledgeVerse 18
छिद्यते ध्यानयोगेन सुषुम्नैका न छिद्यते । योगनिर्मलधारेण क्षुरेणानलवर्चसा ॥ छिन्देन्नाडीशतं धीरः प्रभावादिह जन्मनि । जातीपुष्पसमायोगैर्यथा वास्यति तैलितम् ॥
Durch den Yoga der Versenkung werden die Hemmnisse durchschnitten; allein Suṣumnā wird nicht durchschnitten. Mit dem Rasiermesser von feurigem Glanz—nämlich dem durch Yoga geläuterten Strom—soll der Standhafte die hundert Nāḍīs kraft seiner Wirkung hier in diesem Leben durchtrennen, wie Öl durch den Umgang mit Jasminblüten Duft annimmt.
Mokṣa through purification and cutting of bondage (granthi/saṃskāra) culminating in Brahman-realizationVerse 19
छिद्यते ध्यानयोगेन सुषुम्नैका न छिद्यते । योगनिर्मलधारेण क्षुरेणानलवर्चसा ॥ छिन्देन्नाडीशतं धीरः प्रभावादिह जन्मनि । जातीपुष्पसमायोगैर्यथा वास्यति तैतिलम् ॥१८–१९॥
Durch den Yoga der Meditation (dhyāna-yoga) werden die Nāḍīs durchschnitten; allein die Suṣumnā wird nicht durchschnitten. Mit dem Rasiermesser — dessen Schneide durch Yoga geläutert ist und dessen Glanz dem Feuer gleicht — soll der Standhafte kraft seiner Wirkung hier in diesem Leben hundert Nāḍīs durchtrennen, wie Sesamöl durch die Berührung mit Jasminblüten duftend wird.
Moksha (liberation) through yogic purification of the subtle channels (nāḍī-śuddhi) and ascent via suṣumnāVerse 20
एवं शुभाशुभैर्भावैः सा नाडीति विभावयेत् । तद्भाविताः प्रपद्यन्ते पुनर्जन्मविवर्जिताः ॥२०॥
So soll man jenen Vorgang als „die Nāḍī“ betrachten, durch günstige wie ungünstige Zustände hindurch. Wer von dieser Betrachtung durchdrungen ist, erreicht das Ziel und bleibt frei von Wiedergeburt.
Saṃsāra and Mokṣa; transformation of bhāva (mental dispositions) leading to freedom from punarjanmaVerse 21
तपोविजितचित्तस्तु निःशब्दं देशमास्थितः । निःसङ्गतत्त्वयोगज्ञो निरपेक्षः शनैः शनैः ॥२१॥
Wer jedoch durch Askese (tapas) den Geist bezwungen hat, sich an einen lautlosen Ort begeben hat, den Yoga der Wirklichkeit der Nicht-Anhaftung kennt und ohne Abhängigkeit ist, schreitet langsam, Schritt für Schritt, voran.
Vairāgya (non-attachment) and tapas as disciplines supporting mokṣa-oriented knowledgeVerse 22
पाशं छित्त्वा यथा हंसो निर्विशङ्कं खमुत्क्रमेत् । छिन्नपाशस्तथा जीवः संसारं तरते सदा ॥२२॥
Nachdem er die Schlinge durchschnitten hat, steigt der Haṃsa (Schwan) furchtlos in den Himmel empor; ebenso überquert das individuelle Selbst, von seinen Fesseln befreit, stets den Saṃsāra.
Moksha (liberation through cutting bondage/avidyā)Verse 23
यथा निर्वाणकाले तु दीपो दग्ध्वा लयं व्रजेत् । तथा सर्वाणि कर्माणि योगी दग्ध्वा लयं व्रजेत् ॥२३॥
Wie eine Lampe zur Zeit des Erlöschens, nachdem sie gebrannt hat, in Auflösung eingeht, so geht auch der Yogin, nachdem er alle Handlungen verbrannt hat, in Auflösung ein — das Fortwirken des Karma endet.
Karma-kṣaya and Moksha (burning of karma through knowledge/yoga)Verse 24
प्राणायामसुतीक्ष्णेन मात्राधारेण योगवित् । वैराग्योपलघृष्टेन छित्त्वा तं तु न बध्यते ॥२४॥
Der Yogakenner schneidet mit dem überaus scharfen Werkzeug des Prāṇāyāma, gestützt auf das Maß (mātrā-ādhāra) und geschärft am Schleifstein der Entsagung (vairāgya), jenes Hindernis entzwei und wird nicht gebunden.
Yoga-sādhana leading to bandha-nivṛtti (release from bondage); Vairāgya and prāṇāyāma as auxiliaries to liberationVerse 25
अमृतत्वं समाप्नोति यदा कामात् स मुच्यते । सर्वेषणाविनिर्मुक्तश्छित्त्वा तं तु न बध्यत इत्युपनिषत् ॥२५॥
Er erlangt Unsterblichkeit, wenn er vom Begehren befreit ist. Von allen Sehnsüchten gelöst und jenes Band durchschnitten, wird er nicht mehr gebunden — so spricht die Upaniṣad.
Moksha (liberation) through kāma-kṣaya (cessation of desire) and sarveṣaṇā-tyāga (renunciation of all cravings)Answers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.
A free sign-in with Google or Apple keeps your chat saved across web and the app.
Read Upanishads in the Vedapath app
Scan the QR code to open this directly in the app, with word-by-word meanings, Sanskrit recitation where available, and more.