
Rishi: Vratya dossier tradition (anukramaṇī-dependent)
Devata: Vrātya (as potent personage) / Agni (contextual)
Chandas: Prose
Dieser Prosahymnus regelt die Aufnahme eines Vrātya als eines gefährlich mächtigen und doch glückverheißenden Gastes, besonders dann, wenn die Hausfeuer bereits emporgehoben sind und das Agnihotra im Gange ist. Er lehrt, dass rechtes Wissen und Gastfreundschaft rituellen Fehltritt verhindern, die göttliche Annahme der Opfergaben sichern und die eigene Stellung bzw. den eigenen „Standort/Grund“ (āyatana) in dieser Welt festigen. Die Sukta wirkt als sozial-rituelles „Sicherheitsprotokoll“, das die Vrātya-Kraft von einer Bedrohung in Schutz und Gedeihen verwandelt.
Mantra 1
तद् यस्यै॒वं वि॒द्वान् व्रात्य॒ उद्धृ॑तेष्व॒ग्निष्वधि॑श्रितेऽग्निहो॒त्रेऽति॑थिर्गृ॒हाना॒गच्छे॑त्
Nun: Wenn zum Haus dessen, der so weiß, ein Vrātya als Gast kommen sollte — wenn die Feuer aufgenommen sind und das Agnihotra bereitgestellt ist,
Mantra 2
स्व॒यमे॑नमभ्यु॒देत्य॑ ब्रूया॒द् व्रात्याति॑ सृज हो॒ष्यामीति॑
so soll er ihm selbst entgegengehen und sprechen: »O Vrātya, lass mich frei; ich werde die Opfergabe darbringen.«
Mantra 3
स चा॑तिसृ॒जेज्जु॑हु॒यान्न चा॑तिसृ॒जेन्न जु॑हुयात्
Und wenn er die Loslösung gewährt, soll er die Opfergabe darbringen; gewährt er keine Loslösung, soll er keine Opfergabe darbringen.
Mantra 4
स य ए॒वं वि॒दुषा॒ व्रात्ये॒नाति॑सृष्टो जु॒होति॑
Wer, so vom kundigen Vrātya losgelassen, die Opfergabe darbringt,
Mantra 5
प्र पि॑तृ॒याणं॒ पन्थां॑ जानाति॒ प्र दे॑व॒यान॑म्
Vorwärts erkennt er den Pfad des Pitṛyāna, der zu den Vätern führt; vorwärts auch den Pfad des Devayāna, der zu den Göttern führt.
Mantra 6
न दे॒वेष्वा वृ॑श्चते हु॒तम॑स्य भवति
Seine Darbringung wird unter den Göttern nicht abgeschnitten; seine Opfergabe wird wahrlich angenommen.
Mantra 7
पर्य॑स्या॒स्मिंल्लो॒क आ॒यत॑नं शिष्यते॒ य ए॒वं वि॒दुषा॒ व्रात्ये॒नाति॑सृष्टो जु॒होति॑
Rings um ihn bleibt in eben dieser Welt ein fester, gesicherter Standort bestehen — für den, der, so von einem wissenden Vrātya beauftragt, die Opfergabe darbringt.
Mantra 8
अथ॒ य ए॒वं वि॒दुषा॒ व्रात्ये॒नान॑तिसृष्टो जु॒होति॑
Doch dann — wer, so nicht von einem wissenden Vrātya beauftragt, die Opfergabe darbringt —
Mantra 9
न पि॑तृ॒याणं॒ पन्थां॑ जानाति॒ न दे॑व॒यान॑म्
Er kennt den Pfad zu den Vätern nicht; er kennt den Pfad zu den Göttern nicht.
Mantra 10
आ दे॒वेषु॑ वृश्चते अहु॒तम॑स्य भवति
Zu den Göttern hin ist es gleichsam abgeschnitten: für ihn wird die nicht dargebrachte Opfergabe (wie) dargebracht.
Mantra 11
नास्या॒स्मिंल्लो॒क आ॒यत॑नं शिष्यते॒ य ए॒वं वि॒दुषा॒ व्रात्ये॒नान॑तिसृष्टो जु॒होति॑
Für ihn bleibt in dieser Welt kein Halt mangelhaft — wer, so wissend, die Opfergabe darbringt, ohne den Vrātya gegen sich loszulassen (ohne ihn zur Feindschaft zu reizen).
Here the Vrātya is a highly charged, liminal sacred personage—an outsider-like figure whose presence can bring benefit or danger. The hymn treats him as powerful and therefore to be received with correct ritual hospitality.
Because the risky moment is when household ritual operations are already active. The sukta gives a protocol for integrating the guest without disrupting the fire-rite or creating a ritual fault.
It promises that the oblation will not be ‘cut off’ among the gods (it is accepted), and that the performer’s ‘footing’ or standing in this world is not diminished—so peace, continuity, and security are maintained.
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