Upanishads - Yogatattva
YogaKrishna Yajur Veda138 Verses

Yogatattva

YogaKrishna Yajur Veda

Die Yogatattva-Upanishad (dem Krishna-Yajurveda zugeordnet) gehört zu den Yoga-Upanishaden und deutet Yoga als Weg zur Befreiung, nicht bloß als Körperpraxis. Sie betont Prāṇāyāma und die Reinigung der Nāḍīs als Mittel zur Stabilisierung des Geistes und zur Läuterung des inneren Erkenntnisorgans. Der Text entfaltet das Modell des feinstofflichen Körpers—iḍā, piṅgalā, suṣumṇā—und beschreibt das Erwachen/den Aufstieg der Kuṇḍalinī als Umwandlung von Lebensenergie in kontemplative Klarheit. Pratyāhāra, dhāraṇā, dhyāna und samādhi erscheinen als stufenweise Prozesse der Verinnerlichung. Erfahrungen von nāda (innerer Klang) und jyotis (inneres Licht) gelten als Fortschrittszeichen, nicht als Endziel. Die Vollendung ist das Schwinden der avidyā, die Selbstverwirklichung, das Überschreiten der Dualität und jīvanmukti (Befreiung im Leben).

Start Reading

Key Teachings

Yoga as a liberating means (sādhana) culminating in Self-knowledge (ātma-jñāna) and mokṣa

Ethical and preparatory disciplines: purity, moderation, steadiness, and guru-guided practice

Subtle-body framework: prāṇa, nāḍīs (iḍā, piṅgalā, suṣumṇā), and the purification of channels (nāḍī-śuddhi)

Prāṇāyāma as central technology for calming mind, removing impurities, and directing prāṇa inward

Pratyāhāra, dhāraṇā, dhyāna, and samādhi as a progressive interiorization of consciousness

Kuṇḍalinī awakening and ascent through suṣumṇā; transformation of psycho-physical energies into insight

Mudrās/bandhas as seals that conserve and redirect vital force toward contemplation

Nāda (inner sound) and jyotis (inner light) as experiential markers, not final goals

Overcoming obstacles (vikṣepa/doṣa) through perseverance (abhyāsa) and dispassion (vairāgya)

Jīvanmukti: liberation while living through stabilized realization beyond duality

Verses of the Yogatattva

138 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.

Verse 1

योगतत्त्वं प्रवक्ष्यामि योगिनां हितकाम्यया । यच्छ्रुत्वा च पठित्वा च सर्वपापैः प्रमुच्यते ॥१॥

Ich werde das Wesen des Yoga darlegen, im Wunsch nach dem Wohl der Yogins; wer es hört und rezitiert, wird von allen Sünden befreit.

Moksha (liberation) through Yoga-vidyā; pāpa-kṣaya (purification) as a prerequisite to jñāna

Verse 2

विष्णुर्नाम महायोगी महाभूतो महातपाः । तत्त्वमार्गे यथा दीपो दृश्यते पुरुषोत्तमः ॥२॥

Wahrlich, Vishnu ist der große Yogin, das große Wesen, der große Asket; auf dem Pfad der Wahrheit erscheint der Höchste Purusha wie eine Lampe.

Īśvara/Brahman as the illuminator of tattva-mārga; divine guidance toward realization

Verse 3

तमाराध्य जगन्नाथं प्रणिपत्य पितामहः । पप्रच्छ योगतत्त्वं मे ब्रूहि चाष्टाङ्गसंयुतम् ॥३॥

Nachdem er jenen Herrn der Welt verehrt und sich niedergeworfen hatte, fragte Pitāmaha (Brahmā): „Sage mir das Prinzip des Yoga, verbunden mit den acht Gliedern.“

Guru-śiṣya/īśvara-śaraṇāgati as the doorway to yoga-jñāna; Aṣṭāṅga-yoga as structured sādhanā

Verse 4

तमुवाच हृषीकेशो वक्ष्यामि शृणु तत्त्वतः । सर्वे जीवाः सुखैर्दुःखैर्मायाजालेन वेष्टिताः ॥४॥

Hṛṣīkeśa sprach zu ihm: „Ich werde es darlegen—höre der Wirklichkeit gemäß. Alle Lebewesen sind durch das Netz der Māyā umhüllt, durch Lust und Schmerz.“

Māyā and bondage (bandha) through dualities (sukha-duḥkha)

Verse 5

तेषां मुक्तिकरं मार्गं मायाजालनिकृन्तनम् । जन्ममृत्युजराव्याधिनाशनं मृत्युतारकम् ॥ नानामार्गैस्तु दुष्प्रापं कैवल्यं परमं पदम् । पतिताः शास्त्रजालेषु प्रज्ञया तेन मोहिताः ॥५-६॥

Für sie gibt es einen Weg, der Befreiung schenkt, das Netz der Māyā zerschneidet, Geburt, Tod, Alter und Krankheit vernichtet und über den Tod hinüberträgt. Doch der höchste Stand, Kaivalya, ist auf vielen Wegen schwer zu erlangen; sie sind in die Netze der Śāstras gefallen und dadurch in ihrem Erkennen betört.

Mokṣa/kaivalya; critique of mere textual entanglement; māyā-cutting liberating path

Verse 6

तेषां मुक्तिकरं मार्गं मायाजालनिकृन्तनम् । जन्ममृत्युजराव्याधिनाशनं मृत्युतारकम् ॥ नानामार्गैस्तु दुष्प्रापं कैवल्यं परमं पदम् । पतिताः शास्त्रजालेषु प्रज्ञया तेन मोहिताः ॥५-६॥

Für sie gibt es einen Weg, der Befreiung schenkt, das Netz der Māyā zerschneidet, Geburt, Tod, Alter und Krankheit vernichtet und über den Tod hinüberträgt. Doch der höchste Stand, Kaivalya, ist auf vielen Wegen schwer zu erlangen; sie sind in die Netze der Śāstras gefallen und dadurch in ihrem Erkennen betört.

Mokṣa/kaivalya through a direct liberating path; māyā-cutting discipline vs. scholastic entanglement

Verse 7

अनिर्वाच्यं पदं वक्तुं न शक्यं तैः सुरैरपि । स्वात्मप्रकाशरूपं तत् किं शास्त्रेण प्रकाशते ॥७॥

Jener Zustand (pada) ist unaussprechlich; selbst die Götter vermögen ihn nicht zu benennen. Er ist von der Natur selbstleuchtenden Gewahrseins—wie könnte ihn die Schrift erst „erhellen“?

Brahman/Ātman as self-luminous (svayaṃ-prakāśa) and inexpressible (anirvacanīya/anirvācya)

Verse 8

निष्कलं निर्मलं शान्तं सर्वातीतं निरामयम् । तदेव जीवरूपेण पुण्यपापफलैर्वृतम् ॥८॥

Teillos, makellos, friedvoll, alles übersteigend, frei von Krankheit—Das allein ist, in der Gestalt des jīva, von den Früchten von Verdienst und Schuld umhüllt.

Ātman/Brahman and the jīva’s apparent limitation through karma and upādhi (avidyā)

Verse 9

परमात्मपदं नित्यं तत्कथं जीवतां गतम् । सर्वभावपदातीतं ज्ञानरूपं निरञ्जनम् ॥९॥

Der Zustand des höchsten Selbst ist ewig; wie ist er dann zur „Jīvaheit“ gelangt? Über die Stufe aller Seinsweisen hinaus ist er von der Natur des Wissens und makellos.

Non-transformation of Brahman; jīva as apparent (avidyā-kalpita) and Brahman as pure consciousness (jñāna-svarūpa)

Verse 10

वारिवत्स्फुरितं तस्मिंस्तत्राहंकृतिरुत्थिता । पञ्चात्मकमभूत्पिण्डं धातुबद्धं गुणात्मकम् ॥१०॥

In jenem Prinzip war ein Beben, gleich dem Flirren des Wassers; dort erhob sich die Ich-Vorstellung (ahaṃkṛti). Die verkörperte Masse (piṇḍa) wurde fünffach ihrer Natur nach, an die Körperbestandteile (dhātus) gebunden und aus den Guṇas gewoben.

Ahaṃkāra (ego-sense) and the emergence of the body-mind from prakṛti/guṇas

Verse 11

सुखदुःखैः समायुक्तं जीवभावनया कुरु । तेन जीवाभिधा प्रोक्ता विशुद्धैः परमात्मनि ॥११॥

Lass es durch die Vorstellung der Individualität (jīva-bhāvanā) mit Freude und Schmerz verbunden sein. Darum wird die Bezeichnung „jīva“ von den Geläuterten in Bezug auf das höchste Selbst (paramātman) verkündet.

Adhyāsa (superimposition) and jīva as an attributed identity of the paramātman

Verse 12

कामक्रोधभयं चापि मोहलोभमदो रजः । जन्ममृत्युश्च कार्पण्यं शोकस्तन्द्रा क्षुधा तृषा ॥ तृष्णा लज्जा भयं दुःखं विषादो हर्ष एव च । एभिर्दोषैर्विनिर्मुक्तः स जीवः केवलो मतः ॥१२-१३॥

Begehren, Zorn und auch Furcht; Verblendung, Gier, Rausch und rajas (Leidenschaft); Geburt und Tod; Dürftigkeit; Kummer, Trägheit, Hunger und Durst; Verlangen, Scham, Furcht, Schmerz, Niedergeschlagenheit und auch Freude — von diesen Makeln befreit gilt jener jīva als „allein/rein“ (kevala).

Vairāgya and purification: freedom from doṣas/kleśas leading to kevala (aloneness)

Verse 13

कामक्रोधभयं चापि मोहलोभमदो रजः । जन्ममृत्युश्च कार्पण्यं शोकस्तन्द्रा क्षुधा तृषा ॥ तृष्णा लज्जा भयं दुःखं विषादो हर्ष एव च । एभिर्दोषैर्विनिर्मुक्तः स जीवः केवलो मतः ॥

Begierde, Zorn und auch Furcht; Verblendung, Gier, Rausch und Leidenschaft; Geburt und Tod sowie Elend; Kummer, Trägheit, Hunger und Durst; Verlangen, Scham, Furcht, Schmerz, Niedergeschlagenheit und auch Freude — wer von diesen Makeln frei ist, dessen Jīva gilt als „kevala“, das heißt alleinstehend, rein.

Moksha (liberation through freedom from doṣas; purification of the jīva)

Verse 14

तस्माद्दोषविनाशार्थमुपायं कथयामि ते । योगहीनं कथं ज्ञानं मोक्षदं भवति ध्रुवम् ॥ योगो हि ज्ञानहीनस्तु न क्षमो मोक्षकर्मणि । तस्माज्ज्ञानं च योगं च मुमुक्षुर्दृढमभ्यसेत् ॥

Darum verkünde ich dir, zum Vernichten der Makel, das Mittel. Wie könnte Erkenntnis, der Yoga fehlt, gewiss Befreiung schenken? Denn Yoga, dem Erkenntnis fehlt, ist zum Werk der Erlösung nicht fähig. Daher soll der nach Mokṣa Strebende standhaft sowohl Erkenntnis als auch Yoga üben.

Jñāna–Yoga integration for Moksha (sādhana-samuccaya as presented in this text)

Verse 15

तस्माद्दोषविनाशार्थमुपायं कथयामि ते । योगहीनं कथं ज्ञानं मोक्षदं भवति ध्रुवम् ॥ योगो हि ज्ञानहीनस्तु न क्षमो मोक्षकर्मणि । तस्माज्ज्ञानं च योगं च मुमुक्षुर्दृढमभ्यसेत् ॥

Darum verkünde ich dir, zum Vernichten der Makel, das Mittel. Wie könnte Erkenntnis, der Yoga fehlt, gewiss Befreiung schenken? Denn Yoga, dem Erkenntnis fehlt, ist zum Werk der Erlösung nicht fähig. Daher soll der nach Mokṣa Strebende standhaft sowohl Erkenntnis als auch Yoga üben.

Moksha through integrated sādhana (jñāna supported by yoga)

Verse 16

अज्ञानादेव संसारो ज्ञानादेव विमुच्यते । ज्ञानस्वरूपमेवादौ ज्ञानं ज्ञेयैकसाधनम् ॥१६॥

Allein aus Unwissenheit entsteht Saṃsāra; allein durch Erkenntnis wird man befreit. Zu Beginn ist Erkenntnis wahrlich von der Natur des Erkennens selbst; Erkenntnis ist das einzige Mittel zum Erkennbaren.

Avidyā–jñāna as the cause of bondage and liberation; mokṣa through ātma-jñāna

Verse 17

ज्ञातं येन निजं रूपं कैवल्यं परमं पदम् । निष्कलं निर्मलं साक्षात् सच्चिदानन्दरूपकम् ॥ उत्पत्तिस्थितिसंहारस्फूर्तिज्ञानविवर्जितम् । एतज्ज्ञानमिति प्रोक्तम् अथ योगं ब्रवीमि ते ॥ योगो हि बहुधा ब्रह्मन् भ...

Wodurch die eigene wahre Gestalt erkannt wird — Kaivalya, der höchste Stand — teil-los, makellos, unmittelbar wirklich, von der Natur von Sein–Bewusstsein–Seligkeit; frei von der Erkenntnis von Entstehen, Bestehen, Auflösung und Hervortreten — das wird „Erkenntnis“ genannt. Nun will ich dir Yoga darlegen. Denn Yoga, o Brahman, wird im praktischen Gebrauch auf vielerlei Weise unterschieden: Mantra-Yoga, ferner Laya (Versenkung), Haṭha und das sogenannte Rāja-Yoga.

Ātman/Brahman as saccidānanda; kaivalya/mokṣa; jñāna as direct realization; classification of yogas as upāyas

Verse 18

ज्ञातं येन निजं रूपं कैवल्यं परमं पदम् । निष्कलं निर्मलं साक्षात् सच्चिदानन्दरूपकम् ॥ उत्पत्तिस्थितिसंहारस्फूर्तिज्ञानविवर्जितम् । एतज्ज्ञानमिति प्रोक्तम् अथ योगं ब्रवीमि ते ॥ योगो हि बहुधा ब्रह्मन् भ...

Wodurch die eigene wahre Gestalt erkannt wird — Kaivalya, der höchste Stand — teil-los, makellos, unmittelbar wirklich, von der Natur von Sein–Bewusstsein–Seligkeit; frei von der Erkenntnis von Entstehen, Bestehen, Auflösung und Hervortreten — das wird „Erkenntnis“ genannt. Nun will ich dir Yoga darlegen. Denn Yoga, o Brahman, wird im praktischen Gebrauch auf vielerlei Weise unterschieden: Mantra-Yoga, ferner Laya (Versenkung), Haṭha und das sogenannte Rāja-Yoga.

Brahman/Ātman as saccidānanda; mokṣa/kaivalya; yoga as pragmatic means

Verse 19

ज्ञातं येन निजं रूपं कैवल्यं परमं पदम् । निष्कलं निर्मलं साक्षात् सच्चिदानन्दरूपकम् ॥ उत्पत्तिस्थितिसंहारस्फूर्तिज्ञानविवर्जितम् । एतज्ज्ञानमिति प्रोक्तम् अथ योगं ब्रवीमि ते ॥ योगो हि बहुधा ब्रह्मन् भ...

Wodurch man die eigene Wesensgestalt erkennt — Kaivalya, den höchsten Stand —: teil-los, makellos, unmittelbar verwirklicht, von der Natur Sein–Bewusstsein–Seligkeit. Frei von den Vorstellungen von Entstehen, Bestehen, Vergehen, Hervortreten und von objektivierender Erkenntnis — dies wird „Wissen“ genannt. Nun will ich dir Yoga darlegen. Denn Yoga, o Brahmane, wird im praktischen Gebrauch auf vielerlei Weise unterschieden: Mantra-Yoga, Laya(-Yoga), Haṭha(-Yoga) und Rāja-Yoga.

Atman–Brahman identity; Kaivalya/Moksha; Nirvikalpa (non-objectifying) knowledge

Verse 20

आरम्भश्च घटश्चैव तथा परिचयः स्मृतः । निष्पत्तिश्चेत्यवस्था च सर्वत्र परिकीर्तिता ॥

Überall werden die Stufen verkündet: der Anfang (ārambha), das „Gefäß“ (ghaṭa), ebenso wird die Vertrautwerdung (paricaya) genannt, und die Vollendung/Erfüllung (niṣpatti) — dies sind die Zustände.

Sādhana-krama (graded path) culminating in niṣpatti; Mokṣa as fruition

Verse 21

एतेषां लक्षणं ब्रह्मन् वक्ष्ये शृणु समासतः । मातृकादियुतं मन्त्रं द्वादशाब्दं तु यो जपेत् ॥ क्रमेण लभते ज्ञानम् अणिमादिगुणान्वितम् । अल्पबुद्धिरिमं योगं सेवते साधकाधमः ॥

Ihre Kennzeichen will ich dir, o Brahmane, darlegen; höre es kurz. Wer ein zwölfsilbiges Mantra wiederholt, versehen mit der Mātṛkā (den Laut-Buchstaben) und dergleichen, erlangt nach und nach Erkenntnis, begleitet von Kräften, beginnend mit aṇimā (Winzigkeit). Wer von geringem Verstand ist, übt diese Yogaform; er ist der Niedrigste unter den Übenden.

Mantra-sādhana as upāya; Siddhi vs Jñāna discrimination; Viveka toward Mokṣa

Verse 22

एतेषां लक्षणं ब्रह्मन् वक्ष्ये शृणु समासतः । मातृकादियुतं मन्त्रं द्वादशाक्षरं तु यो जपेत् ॥ क्रमेण लभते ज्ञानम् अणिमादिगुणान्वितम् । अल्पबुद्धिरिमं योगं सेवते साधकाधमः ॥

O Brahman, ich werde die Kennzeichen dieser Lehre kurz darlegen; höre. Wer ein zwölfsilbiges Mantra, versehen mit den mātṛkā‑Lauten und dergleichen, in Japa wiederholt, erlangt nach und nach Erkenntnis, begleitet von Kräften wie aṇimā (äußerste Feinheit) und den übrigen. Wer jedoch von geringem Verstand ist, übt diese Yoga — er ist der niedrigste unter den Übenden.

Moksha (jñāna as the goal) and Siddhi as ancillary/secondary attainment

Verse 23

लययोगश्चित्तलयः कोटिशः परिकीर्तितः । गच्छंस्तिष्ठन् स्वपन् भुञ्जन् ध्यायेन् निष्कलमीश्वरम् ॥ स एव लययोगः स्यात् हठयोगमतः शृणु । यमश्च नियमश्चैव आसनं प्राणसंयमः ॥ प्रत्याहारो धारणा च ध्यानं भ्रूमध्यमे ...

Laya‑Yoga — das Aufgehen des Geistes — wird in unzähligen Weisen verkündet. Beim Gehen, Stehen, Schlafen oder Essen soll man den teil‑losen, ungeteilten Herrn betrachten. Das ist wahrlich Laya‑Yoga. Nun höre vom Haṭha‑Yoga: yama und niyama, āsana, Zügelung des Atems; pratyāhāra, dhāraṇā und dhyāna — die Betrachtung Haris in der Mitte der Augenbrauen; samādhi, der Zustand der Gleichmut — dies heißt der achtgliedrige Yoga.

Īśvara/Brahman meditation leading to citta-laya and samādhi (as a means toward mokṣa)

Verse 24

लययोगश्चित्तलयः कोटिशः परिकीर्तितः । गच्छंस्तिष्ठन् स्वपन् भुञ्जन् ध्यायेन् निष्कलमीश्वरम् ॥ स एव लययोगः स्यात् हठयोगमतः शृणु । यमश्च नियमश्चैव आसनं प्राणसंयमः ॥ प्रत्याहारो धारणा च ध्यानं भ्रूमध्यमे ...

Laya‑Yoga — das Aufgehen des Geistes — wird in unzähligen Weisen verkündet. Beim Gehen, Stehen, Schlafen oder Essen soll man den teil‑losen, ungeteilten Herrn betrachten. Das ist wahrlich Laya‑Yoga. Nun höre vom Haṭha‑Yoga: yama und niyama, āsana, Zügelung des Atems; pratyāhāra, dhāraṇā und dhyāna — die Betrachtung Haris in der Mitte der Augenbrauen; samādhi, der Zustand der Gleichmut — dies heißt der achtgliedrige Yoga.

Samādhi (samatā) as yogic absorption oriented to realization of the partless Reality

Verse 25

लययोगश्चित्तलयः कोटिशः परिकीर्तितः । गच्छंस्तिष्ठन्स्वपन्भुञ्जन्ध्यायेन्निष्कलमीश्वरम् ॥ स एव लययोगः स्याद्धठयोगमतः शृणु । यमश्च नियमश्चैव आसनं प्राणसंयमः ॥ प्रत्याहारो धारणा च ध्यानं भ्रूमध्यमे हरिम्...

Laya-Yoga, das Aufgehen des Geistes, wird in unzähligen Weisen verkündet. Ob man geht, steht, schläft oder speist: man soll den unteilbaren, eigenschaftslosen Herrn betrachten. Das ist wahrlich Laya-Yoga. Darum höre nun vom Haṭha-Yoga: yama und niyama, die Haltung (āsana), die Zügelung des Atems; pratyāhāra, dhāraṇā und dhyāna — die Betrachtung Haris in der Mitte der Augenbrauen; samādhi, der Zustand der Gleichmut — dies heißt der achtgliedrige Yoga.

Moksha (through cittalaya leading to samādhi)

Verse 26

महामुद्रा महाबन्धो महावेधश्च खेचरी । जालन्धरोड्डियाणश्च मूलबन्धैस्तथैव च ॥ दीर्घप्रणवसन्धानं सिद्धान्तश्रवणं परम् । वज्रोली चामरोली च सहजोली त्रिधा मता ॥

Mahāmudrā, mahābandha, mahāvedha und khecarī; ebenso jālandhara und uḍḍiyāṇa, zusammen mit mūlabandha. Das lange Sich-Verbinden (Versenken) im praṇava (Oṁ) und das höchste Hören der Lehre. Vajrolī, amarolī und sahajolī gelten als dreifach.

Moksha (via haṭha/laya auxiliaries culminating in Brahman-realization)

Verse 27

महामुद्रा महाबन्धो महावेधश्च खेचरी । जालन्धरोड्डियाणश्च मूलबन्धैस्तथैव च ॥ दीर्घप्रणवसन्धानं सिद्धान्तश्रवणं परम् । वज्रोली चामरोली च सहजोली त्रिधा मता ॥

Mahāmudrā, mahābandha, mahāvedha und khecarī; ebenso jālandhara und uḍḍiyāṇa, zusammen mit mūlabandha. Das lange Sich-Verbinden (Versenken) im praṇava (Oṁ) und das höchste Hören der Lehre. Vajrolī, amarolī und sahajolī gelten als dreifach.

Moksha (via haṭha/laya auxiliaries culminating in Brahman-realization)

Verse 28

एतेषां लक्षणं ब्रह्मन् प्रत्येकं शृणु तत्त्वतः । लघ्वाहारो यमेष्वेको मुख्या भवति नेतरः ॥ अहिंसा नियमेष्वेका मुख्या वै चतुरानन । सिद्धं पद्मं तथा सिंहं भद्रं चेति चतुष्टयम् ॥२८–२९॥

O Brahman, höre die Kennzeichen eines jeden von ihnen der Wirklichkeit gemäß. Unter den Yamas ist allein maßvolles, leichtes Essen das Wesentliche, nicht die anderen. Unter den Niyamas ist wahrlich allein Ahimsā das Wesentliche, o Viergesichtiger. Was die Sitzhaltungen (Āsanas) betrifft: Siddha, Padma, Siṃha und Bhadra – diese vier sind es.

Sādhana (yama–niyama) as a prerequisite for yoga leading toward mokṣa/ātma-jñāna

Verse 29

एतेषां लक्षणं ब्रह्मन् प्रत्येकं शृणु तत्त्वतः । लघ्वाहारो यमेष्वेको मुख्या भवति नेतरः ॥ अहिंसा नियमेष्वेका मुख्या वै चतुरानन । सिद्धं पद्मं तथा सिंहं भद्रं चेति चतुष्टयम् ॥२८–२९॥

O Brahman, höre die Kennzeichen eines jeden von ihnen der Wahrheit gemäß. Unter den Yamas ist allein maßvolles, leichtes Essen das Wichtigste, nicht die übrigen. Unter den Niyamas ist wahrlich allein Ahimsā das Wichtigste, o Viergesichtiger. Die vier Haupt-Āsanas sind: Siddha, Padma, Siṃha und Bhadra.

Sādhana-catuṣṭaya in yogic form (ethical purification and bodily steadiness as supports for inner realization)

Verse 30

प्रथमाभ्यासकाले तु विघ्नाः स्युः चतुरानन । आलस्यं कत्थनं धूर्तगोष्ठी मन्त्रादिसाधनम् ॥ धातुस्त्रीलौल्यकादीनि मृगतृष्णामयानि वै । ज्ञात्वा सुधीस्त्यजेत् सर्वान् विघ्नान् पुण्यप्रभावतः ॥३०–३१॥

Doch in der Zeit der ersten Übung treten Hindernisse auf, o Viergesichtiger: Trägheit, prahlerisches Gerede, Umgang mit Betrügern, und das Betreiben von Mantras und dergleichen als bloße Mittel. Gier nach Metallen und Reichtum, Verstrickung in Frauen und Ähnliches – all dies ist wahrlich trügerisch wie eine Fata Morgana. Hat der Verständige es erkannt, soll er alle Hindernisse durch die Kraft des Verdienstes und rechten Wandels aufgeben.

Māyā/avidyā as distraction (vighna) obstructing sādhana; vairāgya (dispassion) as corrective

Verse 31

प्रथमाभ्यासकाले तु विघ्नाः स्युः चतुरानन । आलस्यं कत्थनं धूर्तगोष्ठी मन्त्रादिसाधनम् ॥ धातुस्त्रीलौल्यकादीनि मृगतृष्णामयानि वै । ज्ञात्वा सुधीस्त्यजेत् सर्वान् विघ्नान् पुण्यप्रभावतः ॥३०–३१॥

Doch zur Zeit der anfänglichen Übung entstehen Hindernisse, o Viergesichtiger (Brahmā): Trägheit, prahlerisches Reden, der Umgang mit Gaunern und das Nachjagen von Mitteln wie Mantras und dergleichen; ebenso das Streben nach alchemischen Substanzen und die Verblendung durch Frauen — all dies ist wahrlich von der Natur einer Fata Morgana. Dies erkennend soll der Weise alle Hindernisse ablegen, durch die Kraft des Verdienstes (puṇya).

Maya (distraction/illusion) and Vairagya as supports to Moksha

Verse 32

प्राणायामं ततः कुर्यात् पद्मासनगतः स्वयम् । सुशोभनं मठं कुर्यात् सूक्ष्मद्वारं तु निर्व्रणम् ॥३२॥

Dann soll man Prāṇāyāma üben, selbst im Padmāsana sitzend. Man richte eine Einsiedelei (maṭha) an, anmutig und wohltuend, mit einer kleinen Tür, frei von Rissen und Mängeln (nirvraṇa).

Sādhana (yogic discipline) as preparation for inner realization (Atman/Brahman)

Verse 33

सुष्ठु लिप्तं गोमयेन सुधया वा प्रयत्नतः । मत्कुणैर्मशकैर्लूतैर्वर्जितं च प्रयत्नतः ॥३३॥

Es sei sorgfältig, mit Mühe, mit Kuhdung oder Kalk/Verputz bestrichen; und ebenso mit Mühe halte man es frei von Bettwanzen, Mücken und Spinnen.

Citta-śuddhi (purity) and supportive external discipline (bahiraṅga-sādhana)

Verse 34

दिने दिने च संमृष्टं संमार्जन्या विशेषतः । वासितं च सुगन्धेन धूपितं गुग्गुलादिभिः ॥३४॥

Tag für Tag soll der Ort gründlich gereinigt werden, besonders mit einem Besen; sodann werde er mit Wohlgeruch parfümiert und mit Guggulu und Ähnlichem beräuchert.

Śuddhi (purification) as a prerequisite for Yoga and inner sādhana

Verse 35

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Der Sitz sei weder zu hoch noch zu niedrig, bedeckt mit Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras. Dort sitzend, der Verständige, im Padmāsana gefestigt, mit aufrechtem Leib und gefalteten Händen, verneige sich vor der erwählten Gottheit. Dann verschließe er mit dem Daumen der rechten Hand die Piṅgalā und fülle den Atem durch die Iḍā langsam, ganz langsam. Nach Maß der Kraft, ohne Anstrengung, vollziehe er sodann die Atemhaltung (Kumbhaka). Danach atme er durch die Piṅgalā wieder langsam aus, nicht hastig. Erneut, durch die Piṅgalā einatmend, fülle er den Bauch allmählich. Nach dem Halten gemäß Vermögen atme er durch die Iḍā langsam aus. Durch welches Nasenloch er ausatmet, durch dasselbe atme er ein und halte ohne Druck. Indem er das Knie als „Rechtsumgang“ zum Zählen führt, weder zu schnell noch zu langsam, lasse er die Finger schnippen; dies wird als Mātrā, Zeiteinheit, bezeichnet.

Upāsanā and prāṇa-niyama as auxiliaries to citta-śuddhi and ātma-jñāna

Verse 36

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Dieser Vers wiederholt die gleiche Unterweisung wie der vorherige: einen ausgeglichenen Sitz mit Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras bereiten; im Padmāsana sitzen, den Leib aufrecht halten, die Hände falten und die erwählte Gottheit verehren. Danach folgt eine maßvolle, spannungsfreie Prāṇāyāma-Abfolge: Piṅgalā mit dem rechten Daumen verschließen, langsam durch Iḍā einatmen, nach Vermögen Kumbhaka halten, sanft durch Piṅgalā ausatmen, erneut durch Piṅgalā einatmen und den Bauch allmählich füllen, dann langsam durch Iḍā ausatmen. Durch welches Nasenloch ausgeatmet wird, durch dasselbe wird eingeatmet, mit Halten ohne Druck. Die Zeit wird durch rhythmisches Zählen mit rechtsgerichteter Kniebewegung und Fingerschnippen als Mātrā bestimmt.

Upāsanā and prāṇa-niyama as auxiliaries to citta-śuddhi and ātma-jñāna

Verse 37

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Auf einem Sitz, weder zu hoch noch zu niedrig, der oben mit Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras bedeckt ist, soll der Verständige Platz nehmen, im Padmāsana gefestigt. Mit aufgerichtetem Leib und in Añjali gefalteten Händen verneige er sich vor der erwählten Gottheit. Dann verschließe er mit dem Daumen der rechten Hand die Piṅgalā (rechtes Nasenloch) und fülle den Atem langsam, ganz langsam durch die Iḍā (linkes Nasenloch). Danach übe er, ohne Anstrengung und gemäß seiner Kraft, die Atemhaltung (Kumbhaka). Sodann atme er wieder durch Piṅgalā aus, langsam, nicht mit Hast. Erneut durch Piṅgalā einatmend, fülle er den Unterleib allmählich; nach dem Halten nach Vermögen atme er langsam durch Iḍā aus. Durch welches Nasenloch er ausatmet, durch dasselbe atme er ein, und halte ohne Widerstand. Indem er das Knie nach rechts kreisen lässt — weder schnell noch träge — schnippe er mit den Fingern; dies wird als «Mātrā» (Zeiteinheit) bezeichnet.

Mokṣa-sādhana through yoga (prāṇa-niyama as an aid to citta-śuddhi and ātma-jñāna)

Verse 38

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Auf einem Sitz, weder zu hoch noch zu niedrig, der oben mit Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras bedeckt ist, soll der Verständige Platz nehmen, im Padmāsana gefestigt. Mit aufgerichtetem Leib und in Añjali gefalteten Händen verneige er sich vor der erwählten Gottheit. Dann verschließe er mit dem Daumen der rechten Hand die Piṅgalā (rechtes Nasenloch) und fülle den Atem langsam, ganz langsam durch die Iḍā (linkes Nasenloch). Danach übe er, ohne Anstrengung und gemäß seiner Kraft, die Atemhaltung (Kumbhaka). Sodann atme er wieder durch Piṅgalā aus, langsam, nicht mit Hast. Erneut durch Piṅgalā einatmend, fülle er den Unterleib allmählich; nach dem Halten nach Vermögen atme er langsam durch Iḍā aus. Durch welches Nasenloch er ausatmet, durch dasselbe atme er ein, und halte ohne Widerstand. Indem er das Knie nach rechts kreisen lässt — weder schnell noch träge — schnippe er mit den Fingern; dies wird als «Mātrā» (Zeiteinheit) bezeichnet.

Antaḥkaraṇa-śuddhi (purification of mind) as proximate means to ātma-jñāna

Verse 39

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Auf einem Sitz, weder zu hoch noch zu niedrig, mit Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras bedeckt, soll der Weise im Lotossitz verweilen. Mit geradem Körper und in Añjali gefalteten Händen verneige er sich vor der erwählten Gottheit. Dann, indem er Piṅgalā (das rechte Nasenloch) mit dem Daumen der rechten Hand verschließt, atme er langsam durch Iḍā (das linke Nasenloch) ein. Danach übe er, ohne Druck und nach Vermögen, die Atemhaltung (Kumbhaka). Sodann atme er durch Piṅgalā langsam aus, ohne Gewalt. Wieder durch Piṅgalā einatmend, fülle er den Bauch allmählich; nach dem Halten nach Kraft atme er langsam durch Iḍā aus. Durch welches Nasenloch er ausatmet, durch dasselbe atme er ein, und halte ohne Anspannung. Indem er das Knie nach rechts kreisen lässt — weder schnell noch langsam — schnippe er mit den Fingern; dies heißt «Mātrā» (Zeitmaß).

Sādhana (yogic discipline) as a means toward liberation-oriented knowledge

Verse 40

नात्युच्छ्रितं नातिनीचं चैलाजिनकुशोत्तरम् । तत्रोपविश्य मेधावी पद्मासनसमन्वितः ॥ ऋजुकायः प्राञ्जलिश्च प्रणमेदिष्टदेवताम् । ततो दक्षिणहस्तस्य अङ्गुष्ठेनैव पिङ्गलाम् ॥ निरुध्य पूरयेद्वायुमिडया तु शनैः श...

Auf einem Sitz, der weder zu hoch noch zu niedrig ist, auf dem Tuch, Antilopenfell und Kuśa-Gras ausgebreitet sind, soll der Verständige Platz nehmen, im Padmāsana gegründet. Mit aufrechtem Leib und gefalteten Händen verneige er sich vor der erwählten Gottheit. Dann verschließe er mit dem Daumen der rechten Hand die Piṅgalā (Nasenloch/Kanal) und fülle den Atem langsam durch die Iḍā. Danach übe er, ohne Anstrengung und nach Maß der Kraft, die Atemhaltung (Kumbhaka). Wiederum atme er durch Piṅgalā aus, langsam und nicht hastig. Erneut, durch Piṅgalā einatmend, fülle er den Bauch allmählich; nach dem Halten gemäß Vermögen atme er langsam durch Iḍā aus. Durch welches Nasenloch er ausatmet, durch dasselbe atme er ein und halte ohne Widerstand. Indem er das Knie rechtsherum kreisen lässt — weder schnell noch träge — schnippe er mit den Fingern; dies wird als eine Mātrā (Zeiteinheit) bezeichnet.

Sādhana (upāya) toward citta-śuddhi and mokṣa; prāṇa-niyama as an aid to ātma-jñāna

Verse 41

इडया वायुमारोप्य शनैः षोडशमात्रया । कुम्भयेत्पूरितं पश्चाच्चतुःषष्ट्या तु मात्रया ॥ रेचयेत्पिङ्गलानाड्या द्वात्रिंशन्मात्रया पुनः । पुनः पिङ्गलयापूर्य पूर्ववत्सुसमाहितः ॥ प्रातर्मध्यन्दिने सायमर्धरात्...

Indem er den Atem durch Iḍā langsam über sechzehn Mātrās einzieht, soll er den gefüllten Atem danach über vierundsechzig Mātrās halten. Sodann atme er durch die Piṅgalā-Nāḍī über zweiunddreißig Mātrās aus; und wiederum, durch Piṅgalā einatmend, verweile er wie zuvor in guter Sammlung. Am Morgen, zur Mittagszeit, am Abend und um Mitternacht übe er die Kumbhakas vierfach und steigere sie allmählich bis auf achtzig (Runden). Durch eine solche Übung von drei Monaten entsteht die Reinigung der Nāḍīs. Und wenn die Nāḍī-Reinigung eintritt, zeigen sich äußere Kennzeichen.

Antaḥkaraṇa-śuddhi / nāḍī-śuddhi as preparatory means toward mokṣa

Verse 42

इडया वायुमारोप्य शनैः षोडशमात्रया । कुम्भयेत्पूरितं पश्चाच्चतुःषष्ट्या तु मात्रया ॥ रेचयेत्पिङ्गलानाड्या द्वात्रिंशन्मात्रया पुनः । पुनः पिङ्गलयापूर्य पूर्ववत्सुसमाहितः ॥ प्रातर्मध्यन्दिने सायमर्धरात्...

Indem er den Atem durch Iḍā langsam über sechzehn Mātrās einzieht, soll er den gefüllten Atem danach über vierundsechzig Mātrās halten. Sodann atme er durch die Piṅgalā-Nāḍī über zweiunddreißig Mātrās aus; und wiederum, durch Piṅgalā einatmend, verweile er wie zuvor in guter Sammlung. Am Morgen, zur Mittagszeit, am Abend und um Mitternacht übe er die Kumbhakas vierfach und steigere sie allmählich bis auf achtzig (Runden). Durch eine solche Übung von drei Monaten entsteht die Reinigung der Nāḍīs. Und wenn die Nāḍī-Reinigung eintritt, zeigen sich äußere Kennzeichen.

Antaḥkaraṇa-śuddhi / nāḍī-śuddhi as preparatory means toward mokṣa

Verse 43

इडया वायुमारोप्य शनैः षोडशमात्रया । कुम्भयेत्पूरितं पश्चाच्चतुःषष्ट्या तु मात्रया ॥ रेचयेत्पिङ्गलानाड्या द्वात्रिंशन्मात्रया पुनः । पुनः पिङ्गलया पूर्य पूर्ववत्सुसमाहितः ॥ प्रातर्मध्यन्दिने सायमर्धरात...

Hat man den Atem durch die iḍā (linker Kanal) langsam über sechzehn Mātrās eingezogen, so halte man den gefüllten Atem über vierundsechzig Mātrās an; dann atme man durch die piṅgalā (rechter Kanal) über zweiunddreißig Mātrās aus. Sodann, erneut durch die piṅgalā einatmend wie zuvor und in guter Sammlung verweilend, übe man die Kumbhakas am Morgen, zur Mittagszeit, am Abend und um Mitternacht — allmählich bis zu achtzig Zählungen, viermal (je Zeitabschnitt). Durch solche Übung über drei Monate entsteht die Reinigung der Nāḍīs. Wenn die Reinigung der Nāḍīs eintritt, zeigen sich äußere Zeichen.

Nāḍī-śuddhi (purification of subtle channels) as a preparatory discipline for prāṇa-control and higher yoga leading toward mokṣa

Verse 44

इडया वायुमारोप्य शनैः षोडशमात्रया । कुम्भयेत्पूरितं पश्चाच्चतुःषष्ट्या तु मात्रया ॥ रेचयेत्पिङ्गलानाड्या द्वात्रिंशन्मात्रया पुनः । पुनः पिङ्गलया पूर्य पूर्ववत्सुसमाहितः ॥ प्रातर्मध्यन्दिने सायमर्धरात...

Ziehe den Atem durch die iḍā langsam über sechzehn Mātrās ein, halte den gefüllten Atem über vierundsechzig Mātrās an und atme dann durch die piṅgalā über zweiunddreißig Mātrās aus. Wiederum atme durch die piṅgalā ein wie zuvor und verweile in vollkommener Sammlung; übe Kumbhaka am Morgen, zur Mittagszeit, am Abend und um Mitternacht — allmählich bis zu achtzig Zählungen, viermal. So entsteht durch dreimonatige Übung die Reinigung der Nāḍīs. Wenn die Reinigung der Nāḍīs geschieht, treten äußere Zeichen hervor.

Sādhana-catuṣṭaya auxiliary: śarīra-prāṇa-śuddhi supporting antaḥkaraṇa-śuddhi

Verse 45

जायन्ते योगिनो देहे तानि वक्ष्याम्यशेषतः । शरीरलघुता दीप्तिर्जाठराग्निविवर्धनम् ॥ कृशत्वं च शरीरस्य तदा जायेत निश्चितम् । योगाविघ्नकराहारं वर्जयेद्योगवित्तमः ॥ लवणं सर्षपं चाम्लमुष्णं रूक्षं च तीक्ष्ण...

Im Körper des Yogin entstehen bestimmte Zeichen; ich werde sie vollständig darlegen: Leichtigkeit des Körpers, Leuchten und die Mehrung des Verdauungsfeuers. Dann stellt sich gewiss auch Schlankheit des Körpers ein. Der Kenner des Yoga meide Speisen, die dem Yoga hinderlich sind: Salz, Senf, Saures, Scharf-Heißes, Trockenes und Reizendes; Zubereitungen aus Blattgemüse, Asafoetida und dergleichen, übermäßiges Erhitzen (feurige Praktiken) sowie das Sich-Verlieren in Umgang und Wegen der Frauen. Auch körperliche Kasteiungen wie frühes Morgenbad und Fasten und Ähnliches soll man meiden. Zu Beginn der Übung sind Milch und Ghee als Nahrung heilsam. Weizen, Mungbohne und Reis gelten als förderlich für das Wachstum des Yoga. Danach wird man, nach Wunsch, fähig, den Atem zu halten.

Sādhana (discipline) and sattva-śuddhi as supports for prāṇa-nirodha and ultimately mokṣa

Verse 46

जायन्ते योगिनो देहे तानि वक्ष्याम्यशेषतः । शरीरलघुता दीप्तिर्जाठराग्निविवर्धनम् ॥

Im Leib der Yoginīs entstehen gewisse Zeichen; ich werde sie vollständig darlegen: Leichtigkeit des Körpers, strahlender Glanz und die Mehrung des inneren Verdauungsfeuers.

Sādhana (yogic discipline) and śarīra-śuddhi as auxiliaries to realization

Verse 47

कृशत्वं च शरीरस्य तदा जायेत निश्चितम् । योगाविघ्नकराहारं वर्जयेद्योगवित्तमः ॥ लवणं सर्षपं चाम्लमुष्णं रूक्षं च तीक्ष्णकम् । शाकजातं रामठादि वह्निस्त्रीपथसेवनम् ॥

Dann entsteht gewiss die Schlankheit des Körpers. Der Kenner des Yoga meide Speise, die dem Yoga hinderlich ist: Salz, Senf, Saures, scharf Heißes, Trockenes und stechend Reizendes; Zubereitungen aus Blattgemüse, Asafoetida und dergleichen; ferner Feuer und den Umgang mit dem Pfad der Frauen.

Vairāgya and sāttvika-āhāra as supports for yoga and inner steadiness

Verse 48

प्रातःस्नानोपवासादिकायक्लेशांश्च वर्जयेत् । अभ्यासकाले प्रथमं शस्तं क्षीराज्यभोजनम् ॥ गोधूममुद्गशाल्यन्नं योगवृद्धिकरं विदुः । ततः परं यथेष्टं तु शक्तः स्याद्वायुधारणे ॥

Man meide körperliche Kasteiungen wie das Baden am frühen Morgen und das Fasten und dergleichen. Zur Zeit der Übung ist anfangs Speise aus Milch und Ghee empfohlen. Weizen, Mungbohne und Reis gelten als förderlich für das Wachstum des Yoga. Danach nach Belieben; man wird fähig, den Lebenshauch (Prāṇa) zurückzuhalten.

Sādhana-mārga: moderation (yukta) and preparation of the body-mind instrument

Verse 49

जायन्ते योगिनो देहे तानि वक्ष्याम्यशेषतः । शरीरलघुता दीप्तिर्जाठराग्निविवर्धनम् ॥ कृशत्वं च शरीरस्य तदा जायेत निश्चितम् । योगाविघ्नकराहारं वर्जयेद्योगवित्तमः ॥ लवणं सर्षपं चाम्लमुष्णं रूक्षं च तीक्ष्ण...

Im Körper des Yogin entstehen diese Zeichen; ich werde sie vollständig darlegen: Leichtigkeit des Leibes, inneres Leuchten und die Mehrung des Verdauungsfeuers. Dann stellt sich gewiss auch Schlankheit des Körpers ein. Der beste Kenner des Yoga meide Speisen, die dem Yoga hinderlich sind: Salz, Senf, Saures, allzu Scharf-Heißes, Trockenes und stechend Reizendes; ebenso Blattgemüse, Dinge wie rāmaṭha und dergleichen; ferner übermäßiges Feuer/Hitze, Umgang mit Frauen (geschlechtliche Gemeinschaft) und das Umherziehen auf den Wegen. Auch körperliche Kasteiungen wie das Bad am frühen Morgen und Fasten und Ähnliches soll man meiden. Zu Beginn der Übung sind Milch und Ghee als Nahrung heilsam. Weizen, Mungbohnen und Reis gelten als förderlich für das Wachstum des Yoga. Danach isst man nach Wunsch und Kraft; so wird man fähig zur Atemzurückhaltung.

Sādhana (discipline) supporting prāṇa-nirodha and eventual mokṣa; purification of the body-mind instrument (antaḥkaraṇa-śuddhi)

Verse 50

यथेष्टवायुधारणाद्वायोः सिद्ध्येत्केवलकुम्भकः । केवले कुम्भके सिद्धे रेचपूरविवर्जिते ॥ न तस्य दुर्लभं किञ्चित्त्रिषु लोकेषु विद्यते । प्रस्वेदो जायते पूर्वं मर्दनं तेन कारयेत् ॥ ततोऽपि धारणाद्वायोः क्र...

Durch Atemzurückhaltung nach Belieben wird Kevala-Kumbhaka, die absolute Retention, vollendet. Ist Kevala-Kumbhaka erreicht, frei von Ausatmung und Einatmung, so gibt es für ihn in den drei Welten nichts Unerreichbares. Zuerst entsteht Schweiß; darum lasse man Reiben und Massage ausführen. Dann, durch weiteres Anhalten des Atems, allmählich, ganz langsam, kommt Zittern im Körper des Verkörperten auf, der in der Haltung sitzt. Darauf, durch noch intensivere Übung, entsteht von selbst der „froschhafte“ Zustand: wie der Frosch seiner Natur nach springend umhergeht, so bewegt sich der Yogin, in Padmāsana verweilend, über den Boden. Dann, durch noch größere Praxis, entsteht das Verlassen des Bodens — das Emporheben.

Prāṇa-nirodha leading to siddhi as an upasarga (by-product) on the path toward liberation

Ask anything about the Yogatattva Upanishad

Answers come straight from the texts, with the shlokas they draw on. Ask in your own words.

Not sure where to start?

A free sign-in with Google or Apple keeps your chat saved across web and the app.

Read Upanishads in the Vedapath app

Scan the QR code to open this directly in the app, with word-by-word meanings, Sanskrit recitation where available, and more.

Download on the App StoreGet it on Google Play

Continue reading in the Vedapath app

Open in App
Download on the App StoreGet it on Google Play