Upanishads - Ekakshara
ShaivaAtharva Veda13 Verses

Ekakshara

ShaivaAtharva Veda

Das Ekākṣara-Upaniṣad (dem Atharvaveda zugeordnet) ist ein kurzes śaivisches Upaniṣad, das die Lehre in der „einen unvergänglichen Silbe“—Oṁ—bündelt: als Klanggestalt der höchsten Wirklichkeit und in śaivischer Deutung als svarūpa Śivas. Das Mantra ist hier nicht nur Symbol, sondern unmittelbare meditative Stütze zur Erkenntnis des ātman. Der Text verbindet Oṁ mit den Bewusstseinszuständen Wachen, Träumen und Tiefschlaf und weist auf das darüber hinausgehende Vierte (turīya). So werden Bewusstseinsanalyse und Mantra-vidyā zusammengeführt. Zentral ist die Verinnerlichung des Rituals: Durch japa, Einspitzigkeit und nicht-duales Wissen löst sich das Ego, und Befreiung (mokṣa) wird nicht „erzeugt“, sondern als Nicht-Verschiedenheit von ātman und Śiva/Brahman erkannt.

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Key Teachings

Ekākṣara (the single imperishable syllable, Oṁ) as the sonic form of the Supreme (Śiva/Brahman)

Mantra as both symbol and direct contemplative support (ālambana) for realizing ātman

Identity of ātman with the supreme reality; liberation as recognition (jñāna), not production

Mapping of Oṁ to states of consciousness (jāgrat, svapna, suṣupti) and transcendence (turīya)

Interiorization of ritual: sacrifice becomes meditation; offering becomes attention and breath

One-pointedness (ekāgratā), japa, and dhyāna as practical means to dissolve egoic limitation

Śiva as inner witness (sākṣin) and immanent-transcendent ground of the cosmos

Verses of the Ekakshara

13 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.

Verse 1

एकाक्षरं त्वक्षरेऽत्रास्ति सोमे सुषुम्नायां चेह दृढी स एकः । त्वं विश्वभूर्भूतपतिः पुराणः पर्जन्य एको भुवनस्य गोप्ता ॥१॥

Das Einsilbige Prinzip ist hier im Unvergänglichen; in Soma und hier im suṣumnā‑Kanal ist jener Eine fest gegründet. Du bist der Schöpfer des Alls, der Herr der Wesen, der Uralte; der Regen‑Spender—der Eine—und der Hüter der Welt.

Brahman as Ekākṣara (Oṃ) and as the imperishable Ātman; inner channel (suṣumnā) as locus of realization

Verse 2

विश्वे निमग्नपदवीः कवीनां त्वं जातवेदो भुवनस्य नाथः । अजातमग्रे स हिरण्यरेता यज्ञैस्त्वमेवैकविभुः पुराणः ॥२॥

Du bist die Pfade, in die alle Seher eintauchen; du, o Jātavedas, bist der Herr der Welt. Ungeboren am Anfang ist jener Eine von goldenem Samen; durch Opfer wird allein dir verehrt—dem Einen, all‑durchdringenden, uralten Herrn.

Ajāta (unborn) Brahman/Īśvara; Brahman as the goal of yajña and the inner ‘path’ of the ṛṣis

Verse 3

प्राणः प्रसूतिर्भुवनस्य योनिर्व्याप्तं त्वया एकपदेन विश्वम् । त्वं विश्वभूर्योनिपारः स्वगर्भे कुमार एको विशिखः सुधन्वा ॥३॥

Du bist Prāṇa, du bist Hervorbringung (prasūti), du bist der Schoß der Welt; durch dich ist mit einem einzigen Schritt das ganze All durchdrungen. Du bist der Schöpfer des Universums, jenseits des Schoßes als Ursprung; und in deinem eigenen Schoß bist du der eine Jüngling, pfeillos, mit gutem Bogen.

Brahman as prāṇa (life-principle) and as transcendent cause; immanence and transcendence; self-contained (svagarbha) reality

Verse 4

वितत्य बाणं तरुणार्कवर्णं व्योमान्तरे भासि हिरण्यगर्भः । भासा त्वया व्योम्नि कृतः सुतार्क्ष्य-स्तवं वै कुमारस्त्वमरिष्टनेमिः ॥४॥

Den Pfeil ausspannend, von der Farbe der jungen Sonne, leuchtest du im Zwischenraum des Himmels als Hiraṇyagarbha. Durch deinen Glanz wird das Firmament strahlend; wahrlich, du bist Kumāra, du bist Ariṣṭanemi.

Brahman (as Hiraṇyagarbha/Īśvara) and inner luminosity (cit-prakāśa)

Verse 5

त्वं वज्रभृद्भूतपतिस्त्वमेव । कामः प्रजानां निहितोऽसि सोमे । स्वाहा स्वधा यच्च वषट् करोति रुद्रः पशूनां गुहया निमग्नः ॥५॥

Du bist der Träger des Vajra; du allein bist der Herr der Wesen. Du bist Kāma, in die Geschöpfe hineingelegt, o Soma. Du bist svāhā, svadhā und das, was den vaṣaṭ vollzieht; du bist Rudra der Tiere, versenkt in die Höhle (des Herzens).

Īśvara as antaryāmin (inner controller) and the unity behind many deities/ritual functions

Verse 6

धाता विधाता पवनः सुपर्णो विष्णुर्वराहो रजनी रहश्च । भूतं भविष्यत्प्रभवः क्रियाश्च । कालः क्रमस्त्वं परमाक्षरं च ॥६॥

Du bist Dhātā und Vidhātā, der Wind, der Schönbeflügelte; du bist Viṣṇu, Varāha, Nacht und Geheimnis. Du bist das Vergangene und der Ursprung des Zukünftigen, und die Handlungen. Du bist Zeit und Abfolge; und du bist auch das höchste Akṣara, das Unvergängliche.

Akṣara Brahman (the imperishable) as the ground of time, causality, and divine functions

Verse 7

ऋचो यजूंषि प्रसवन्ति वक्त्रात् सामानि सम्राड् वसुवन्तरिक्षम् । त्वं यज्ञनेता हुतभुग् विभुश्च रुद्रास्तथा दैत्यगणा वसुश्च ॥७॥

Aus deinem Mund werden die Ṛk-Hymnen und die Yajus-Formeln in Gang gesetzt, ebenso die Sāman-Gesänge. O Souverän, du bist der Vasu und du bist der Zwischenraum. Du bist der Lenker des Opfers, der Genießer der Opfergaben und der All-Durchdringende; du bist die Rudras, und ebenso die Scharen der Daityas, und auch die Vasu-Gottheiten.

Brahman as the source and immanent support of Vedic speech (śabda) and cosmic functions; non-dual all-inclusiveness

Verse 8

स एष देवोऽम्बरगश्च चक्रे अन्येऽभ्यधिष्ठेत तमो निरुन्ध्यः । हिरण्मयं यस्य विभाति सर्वं व्योमान्तरे रश्मिमिवांशुनाभिः ॥८॥

Dieser selbe Gott, der im Himmel wandelt, hat es so gefügt; er waltet über die anderen und hält die Finsternis zurück. Golden ist das, wodurch dies alles erstrahlt, im weiten Raum des Himmels, wie ein Strahl mit seinen ausstrahlenden Speichen.

Brahman/Īśvara as luminous consciousness (jyotis) that dispels avidyā (tamas)

Verse 9

स सर्ववेत्ता भुवनस्य गोप्ता ताभिः प्रजानां निहिता जनानाम् । प्रोता त्वमोता विचितिः क्रमाणां प्रजापतिश्छन्दमयो विगर्भः ॥९॥

Er ist der Allwissende, der Hüter der Welt; durch jene (Kräfte) sind die Geschöpfe der Wesen unter den Menschen gegründet. Er ist durch alles hindurch gewoben und auch ineinander verwoben; er ist die unterscheidende Ordnung der Abfolgen. Er ist Prajāpati, aus den heiligen Metren (chandas) gebildet, der Wunderschoß, Vigarbha.

Brahman as omniscient inner controller (antaryāmin), cosmic order (ṛta/krama), and the substratum ‘woven’ through all

Verse 10

सामैश्चिदन्तो विरजश्च बाहूं हिरण्मयं वेदविदां वरिष्ठम् । यमध्वरे ब्रह्मविदः स्तुवन्ति सामैर्यजुर्भिः क्रतुभिस्त्वमेव ॥१०॥

Wahrlich, mit Sāman-Gesängen preisen sie den Makellosen im Innern, dessen Arme gleichsam golden sind, den Erhabensten unter den Kennern des Veda; Ihn rühmen im Opfer die Brahman-Kenner mit Sāmans, mit Yajus-Formeln und mit Riten — Du allein bist Das.

Brahman as the inner, stainless reality (antarātman) and the unity of all Vedic worship in the One

Verse 11

त्वं स्त्री पुमांस्त्वं च कुमार एकस्त्वं वै कुमारी ह्यथ भूस्त्वमेव । त्वमेव धाता वरुणश्च राजा त्वं वत्सरोऽग्न्यर्यम एव सर्वम् ॥११॥

Du bist Frau; Du bist Mann; und Du bist der eine Jüngling. Du bist wahrlich die Jungfrau; und dann bist Du die Erde — Du allein. Du allein bist der Erhalter und Varuṇa, der König; Du bist das Jahr; Du bist Agni und Aryaman — ja, Du bist alles.

Sarvātmatva (Brahman/Ātman as all), nondual immanence beyond gender, role, and cosmic function

Verse 12

मित्रः सुपर्णश्चन्द्र इन्द्रो रुद्रस्त्वष्टा विष्णुः सविता गोपतिस्त्वम् । त्वं विष्णुर्भूतानि तु त्रासि दैत्यांस्त्वयावृतं जगदुद्भवगर्भः ॥१२॥

Du bist Mitra; Du bist Suparṇa; Du bist der Mond; Du bist Indra; Rudra; Tvaṣṭṛ; Viṣṇu; Savitṛ; Du bist der Herr des Viehs. Du bist Viṣṇu: wahrlich, Du beschirmst die Wesen und wehrst die Daityas ab; von Dir ist die Welt umhüllt — Du bist der Schoß, aus dem das Entstehen hervorgeht.

Īśvara/Brahman as the source, pervader, and protector of the cosmos; vibhūti doctrine; jagat-kāraṇatva (causality) and vyāpti (pervasion)

Verse 13

त्वं भूर्भुवः स्वस्त्वं हि स्वयंभूरथ विश्वतोमुखः । य एवं नित्यं वेदयते गुहाशयं प्रभुं पुराणं सर्वभूतं हिरण्मयम् । हिरण्मयं बुद्धिमतां परां गतिं स बुद्धिमान् बुद्धिमतीत्य तिष्ठतीत्युपनिषत् ॥१३॥

Du bist Bhūḥ, Bhuvaḥ und Svaḥ; wahrlich, du bist der Selbstgeborene, der Allangesichtige, in alle Richtungen gegenwärtig. Wer so beständig den Herrn erkennt, der in der Höhle des Herzens wohnt — den Uralten, das Sein aller Wesen, den Goldenen, Lichtvollen —, ihn, der das höchste Ziel der Verständigen ist: der Erkennende wird wahrhaft verständig und, nachdem er jenes Ziel erlangt hat, verweilt darin — so spricht die Upaniṣad.

Brahman/Ātman as the inner ruler (antaryāmin) and mokṣa as abiding in the supreme goal

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