Upanishads - Niralamba
samnyasaAtharva40 Verses

Niralamba

samnyasaAtharva

Die Niralamba-Upanishad (dem Atharvaveda zugeordnet) gehört zu den Saṃnyāsa-Upanishaden: ein kurzer, aber pointierter Text mit deutlich advaitischer Ausrichtung. „Nirālamba“ bedeutet „ohne Stütze“: alle äußeren Stützen (Besitz, Rang, soziale Identität) und auch die feineren inneren Stützen (Meditationsobjekt, außergewöhnliche Erfahrungen, begriffliche Fixierungen) aufzugeben, um im selbstleuchtenden Ātman/Brahman zu ruhen. Saṃnyāsa erscheint hier primär als erkenntnishafter Wandel—das Fallenlassen von Täter- und Genießerbewusstsein—nicht bloß als sozialer Statuswechsel. In einem dem „neti-neti“ verwandten Verfahren lehrt die Upanishad, dass das Selbst nicht Körper, Sinne, prāṇa, Geist oder Intellekt ist, sondern das unbedingte Zeugenbewusstsein. Wenn Dualität zur Ruhe kommt, treten Gleichmut, Nicht-Anhaften und Furchtlosigkeit natürlich hervor. Befreiung (mokṣa) wird nicht durch Handeln erzeugt; sie ist unmittelbare Erkenntnis (aparokṣa-jñāna), die sich zeigt, sobald die Stützen der Unwissenheit wegfallen.

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Key Teachings

- Nirālamba (supportless) realization: abiding as Ātman/Brahman without reliance on objects

concepts

or identities

- Saṃnyāsa as inner renunciation: dropping doership/enjoyership and the sense of possession

not merely changing external life

- Advaita ontology: Brahman alone is real; the world is experienced through māyā/avidyā and superimposition (adhyāsa)

- Neti-neti dis-identification: the Self is distinct from body

senses

prāṇa

mind

and intellect; it is the witnessing consciousness

- Aparokṣa-jñāna: liberation through immediate knowledge

not through ritual action or accumulated merit

- Asanga (non-attachment) and samatā (equanimity): the liberated stance amid pleasure/pain

honor/dishonor

- Fearlessness (abhaya) as a mark of realization: when the second (dvaita) is negated

fear dissolves

- Guru–śiṣya instruction and śravaṇa–manana–nididhyāsana: hearing

reflection

and contemplative assimilation leading to steady abidance

- Renunciation of subtle supports: letting go of siddhis

visions

and even meditative “objects” to rest in pure awareness

Verses of the Niralamba

40 verses with Sanskrit text, transliteration, and translation.

Verse 1

ॐ नमः शिवाय गुरवे सच्चिदानन्दमूर्तये । निष्प्रपञ्चाय शान्ताय निरालम्बाय तेजसे ॥ निरालम्बं समाश्रित्य सालम्बं विजहाति यः । स संन्यासी च योगी च कैवल्यं पदमश्नुते ॥१॥

Om. Verehrung Śiva, dem Guru, dessen Gestalt Sein–Bewusstsein–Seligkeit ist; dem, der jenseits aller phänomenalen Ausbreitung steht, friedvoll, ohne Stütze (nirālamba) und leuchtend. Wer, beim Stützenlosen Zuflucht nehmend, alles Gestützte, alle Abhängigkeiten, aufgibt, der ist zugleich Entsagender und Yogin; er erlangt den Zustand der Kaivalya, die absolute Alleinheit/Befreiung.

Nirālamba Brahman (supportless Absolute) as the basis of sannyāsa, yoga, and kaivalya/mokṣa

Verse 2

एषामज्ञानजन्तूनां समस्तारिष्टशान्तये । यद्यद्बोद्धव्यमखिलं तदाशङ्क्य ब्रवीम्यहम् ॥२॥

Zur Stillung aller Widerwärtigkeiten dieser im Nichtwissen befindlichen Wesen verkünde ich, Āśaṅkya, nach reiflicher Erwägung, alles, was insgesamt zu erkennen ist.

Ajñāna as the root of suffering; teaching (upadeśa) aimed at śānti through knowledge

Verse 3

किं ब्रह्म । क ईश्वरः । को जीवः । का प्रकृतिः । कः परमात्मा । को ब्रह्मा । को विष्णुः । को रुद्रः । क इन्द्रः । कः शमनः । कः सूर्यः । कश्चन्द्रः । के सुराः । के असुराः । के पिशाचाः । के मनुष्याः । काः...

Śaṅkya fragte: „Was ist Brahman? Wer ist Īśvara? Wer ist der jīva? Was ist prakṛti? Wer ist der Paramātman? Wer ist Brahmā? Wer ist Viṣṇu? Wer ist Rudra? Wer ist Indra? Wer ist Yama? Wer ist die Sonne? Wer ist der Mond? Wer sind die Götter (devas)? Wer sind die asuras? Wer sind die piśācas? Wer sind die Menschen? Wer sind die Frauen? Wer sind die Tiere und die übrigen Wesen? Was ist das Unbewegliche? Wer sind die Brāhmaṇas und die übrigen? Was ist jāti (Geburt/Stand)? Was ist Handeln (karma)? Was ist Nichthandeln? Was ist Wissen? Was ist Unwissen? Was ist Glück? Was ist Leid? Was ist Himmel? Was ist Hölle? Was ist Bindung? Was ist Befreiung (mokṣa)? Wer ist zu verehren? Wer ist der Schüler? Wer ist der Gelehrte? Wer ist der Verblendete? Was ist dämonisch? Was ist Askese (tapas)? Was ist der höchste Stand? Was ist anzunehmen? Was ist nicht anzunehmen? Wer ist der Entsagende (saṃnyāsin)?“ — so fragte Śaṅkya. Er antwortete: „Brahman.“

Sarva-prapañca as reducible to Brahman; non-dual resolution of all categories (tattva-vicāra culminating in Brahman)

Verse 4

स होवाच— महदहङ्कारपृथिव्यप्तेजोवाय्वाकाशत्वेन बृहद्रूपेणाण्डकोशेन कर्मज्ञानार्थरूपतया भासमानम् अद्वितीयम् अखिलोपाधिविनिर्मुक्तं तत् सकलशक्त्युपबृंहितम् अनाद्यनन्तं शुद्धं शिवं शान्तं निर्गुणम् इत्यादि...

Er sprach: Jenes Bewusstsein, Brahman—auch Īśvara genannt—ist das, was als das große Prinzip (mahat), als Ichhaftigkeit (ahaṅkāra), als Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum erscheint, als die weite Gestalt des kosmischen Eies und als die Formen von Handeln, Erkennen und deren Gegenständen erstrahlt; und doch ist es nicht-zwei, von allen begrenzenden Upādhis völlig frei, von allen Kräften erfüllt, anfangslos und endlos, rein, heilvoll, friedvoll, eigenschaftslos; durch solche Benennungen ansprechbar und doch letztlich unaussprechlich—das Bewusstsein selbst ist Brahman.

Brahman/Īśvara as non-dual Consciousness; upādhi-vinirmukti; nirguṇa-svarūpa

Verse 5

ब्रह्मैव स्वशक्तिं प्रकृत्यभिधेयामाश्रित्य लोकान् सृष्ट्वा प्रविश्यान्तर्यामित्वेन ब्रह्मादीनां बुद्धीन्द्रियनियन्तृत्वाद् ईश्वरः॥ जीव इति च ब्रह्मविष्ण्वीशानेन्द्रादीनां नामरूपद्वारा स्थूलोऽहमिति मिथ...

Brahman allein, indem Es sich auf Seine eigene Kraft stützt, die Prakṛti genannt wird, erschafft die Welten und tritt in sie ein; und weil Es als innerer Lenker (antaryāmin) das Denken und die Sinne Brahmās und der anderen beherrscht, heißt Es Īśvara. Und „jīva“ wird es genannt aufgrund falscher Überlagerung: durch Namen und Formen wie Brahmā, Viṣṇu, Īśāna, Indra und die übrigen entsteht der irrige Gedanke „ich bin der grobe Körper“. Obwohl das „Ich“ eines ist, wird es zu vielen jīvas infolge der Verschiedenheit der Körper und ihrer konstituierenden Anfänge.

Īśvara (antaryāmin) and jīva as adhyāsa; ekātman appearing as many

Verse 6

प्रकृतिरिति च ब्रह्मणः सकाशान् नानाविचित्रजगन्निर्माणसामर्थ्यबुद्धिरूपा ब्रह्मशक्तिरेव प्रकृतिः॥६॥

Und „Prakṛti“ ist wahrlich die Kraft Brahmans selbst: eine Kraft von der Natur intelligenter Potenzialität, durch die die Fähigkeit besteht, das mannigfaltige und vielgestaltige Universum hervorzubringen—aus Brahman hervorgehend.

Prakṛti/Māyā as Brahma-śakti; śakti-śaktimat relation

Verse 7

परमात्मेति च देहादेः परतरत्वाद् ब्रह्मैव ॥७॥

Er ist der Paramātman, jenseits von Körper und allem, was dazu gehört; und Er ist wahrlich Brahman selbst.

Atman–Brahman identity; transcendence of upādhis (body etc.)

Verse 8

परमात्मा स ब्रह्मा स विष्णुः स इन्द्रः स शमनः स सूर्यः स चन्द्रः । ते सुरास्ते असुरास्ते पिशाचास्ते मनुष्यास्ताः स्त्रियस्ते पश्वादयः । तत्स्थावरं ते ब्राह्मणादयः । सर्वं खल्विदं ब्रह्म नेह नानास्ति क...

Der Paramātman ist Brahmā, ist Viṣṇu, ist Indra, ist Yama, ist die Sonne, ist der Mond; Er ist die Devas und die Asuras, die Piśācas, die Menschen, die Frauen, die Tiere und anderes, das Unbewegliche, die Brahmanen und die übrigen. Wahrlich, all dies ist Brahman; hier gibt es keinerlei Vielheit.

Non-duality (advaita); sarvaṃ brahma; unity underlying names and forms

Verse 9

परमात्मा स ब्रह्मा स विष्णुः स इन्द्रः स शमनः स सूर्यः स चन्द्रः । ते सुरास्ते असुरास्ते पिशाचास्ते मनुष्यास्ताः स्त्रियस्ते पश्वादयः । तत्स्थावरं ते ब्राह्मणादयः । सर्वं खल्विदं ब्रह्म नेह नानास्ति क...

Der Paramātman ist Brahmā, ist Viṣṇu, ist Indra, ist Yama, ist die Sonne, ist der Mond; Er ist die Devas und die Asuras, die Piśācas, die Menschen, die Frauen, die Tiere und anderes, das Unbewegliche, die Brahmanen und die übrigen. Wahrlich, all dies ist Brahman; hier gibt es keinerlei Vielheit.

Non-duality (advaita); Brahman as the sole reality underlying all categories

Verse 10

जातिरिति च। न चर्मणो न रक्तस्य न मांसस्य न चास्थिनः। न जातिरात्मनो जातिर्व्यवहारप्रकल्पिता॥१०॥

Und was die „jāti“ (Kaste) betrifft: Sie ist weder von der Haut, noch vom Blut, noch vom Fleisch, noch vom Knochen. Das Selbst (Ātman) hat keine Kaste; Kaste ist eine für den weltlichen Verkehr erdachte Setzung.

Ātman as non-physical and beyond social identity (adhyāropa/apavāda; dehātma-buddhi negation)

Verse 11

कर्मेति च—क्रियमाणेन्द्रियैः कर्मण्यहं करोमीत्यध्यात्मनिष्ठतया कृतं कर्मैव कर्म। अकर्मेति च—कर्तृत्वभोक्तृत्वाद्यहङ्कारतया बन्धरूपं जन्मादिकारणं नित्यनैमित्तिकयागव्रततपोदानादिषु फलाभिसन्धानं यत्तदकर्म...

Und was „karma“ (Handeln) betrifft: Wahrhaftes Handeln ist allein das Tun, das—während die Sinne die Handlung vollziehen—mit innerer Festigkeit im Geist (adhyātma-niṣṭhā) als Bewusstsein „ich handle“ in eben diesem Handeln vollbracht wird. Und was „akarma“ (Nicht-Handeln) betrifft: das, was durch das Ichgefühl von Urheberschaft und Genießerschaft und dergleichen zur Fessel wird, zur Ursache von Geburt und Weiterem—nämlich das Trachten nach Früchten in täglichen und gelegentlichen Opfern, Gelübden, Askesen, Gaben und Ähnlichem—das wird Nicht-Handeln genannt.

Karma vs akarma; doership (kartṛtva) and bondage; niṣkāma-karma oriented to adhyātma-niṣṭhā

Verse 12

कर्मेति च—क्रियमाणेन्द्रियैः कर्मण्यहं करोमीत्यध्यात्मनिष्ठतया कृतं कर्मैव कर्म। अकर्मेति च—कर्तृत्वभोक्तृत्वाद्यहङ्कारतया बन्धरूपं जन्मादिकारणं नित्यनैमित्तिकयागव्रततपोदानादिषु फलाभिसन्धानं यत्तदकर्म...

Und was „karma“ (Handeln) betrifft: Wahrhaftes Handeln ist allein das Tun, das—während die Sinne die Handlung vollziehen—mit innerer Festigkeit im Geist (adhyātma-niṣṭhā) als Bewusstsein „ich handle“ in eben diesem Handeln vollbracht wird. Und was „akarma“ (Nicht-Handeln) betrifft: das, was durch das Ichgefühl von Urheberschaft und Genießerschaft und dergleichen zur Fessel wird, zur Ursache von Geburt und Weiterem—nämlich das Trachten nach Früchten in täglichen und gelegentlichen Opfern, Gelübden, Askesen, Gaben und Ähnlichem—das wird Nicht-Handeln genannt.

Karma vs akarma; doership (kartṛtva) and bondage; niṣkāma-karma oriented to adhyātma-niṣṭhā

Verse 13

ज्ञानमिति च देहेन्द्रियनिग्रहसद्गुरूपासनश्रवणमनननिदिध्यासनैर्यद्यदृग्दृश्यस्वरूपं सर्वान्तरस्थं सर्वसमं घटपटादिपदार्थमिवाविकारं विकारेषु चैतन्यं विना किञ्चिन्नास्तीति साक्षात्कारानुभवो ज्ञानम् ॥१३॥

„Wissen“ — so heißt es — ist die unmittelbare Verwirklichung (sākṣātkāra) als direkte Erfahrung: dass durch Zügelung von Körper und Sinnen, durch Hingabe an den wahren Guru sowie durch Hören, Nachdenken und tiefes Verweilen in der Betrachtung erkannt wird, dass alles, was die Natur von Sehender und Gesehenem hat, der innere Innewohner aller ist, in allen gleich, unveränderlich wie Dinge wie Krug und Tuch; und dass in allen Wandlungen schlechthin nichts ohne das Bewusstsein besteht.

Jñāna (ātma-brahma-sākṣātkāra); dṛg-dṛśya-viveka; caitanya as the substratum of all vikāras

Verse 14

अज्ञानमिति च रज्जौ सर्पभ्रान्तिरिवाद्वितीये सर्वानुस्यूते सर्वमये ब्रह्मणि देवतिर्यङ्नरस्थावरस्त्रीपुरुषवर्णाश्रमबन्धमोक्षोपाधिनानात्मभेदकल्पितं ज्ञानमज्ञानम् ॥१४॥

„Unwissenheit“ — so heißt es — ist jene Erkenntnis, die, wie die Täuschung einer Schlange im Seil, im nicht-dualen Brahman — das alles durchwebt und aus allem besteht — mittels begrenzender Zuschreibungen (upādhis) Verschiedenheiten des Nicht-Selbst erdichtet: Gottheit, Tier, Mensch, Unbewegtes (Pflanze/Unbelebtes), Frau, Mann, Kaste und Lebensstufe, Gebundenheit und Befreiung.

Avidyā/Māyā; adhyāsa (superimposition); upādhi-kalpita bheda in nondual Brahman

Verse 15

सुखमिति च सच्चिदानन्दस्वरूपं ज्ञात्वा आनन्दरूपा या स्थितिः सैव सुखम् ॥१५॥

„Glückseligkeit“ — so heißt es — ist jener Zustand, der von Natur aus Seligkeit ist, nachdem das Wesen erkannt (verwirklicht) wurde, dessen Natur Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit (sat-cit-ānanda) ist.

Ānanda as Brahman/Ātman-svarūpa; sukha as abiding (sthiti) in realized sat-cit-ānanda

Verse 16

दुःखमिति अनात्मरूपः विषयसङ्कल्प एव दुःखम् ॥१६॥

„Leiden“ — so ist es: die bloße geistige Konstruktion (saṅkalpa) der Gegenstände, die die Gestalt des Nicht‑Selbst annimmt, ist Leiden.

Anātman / saṅkalpa (object-construction) as the basis of duḥkha; avidyā

Verse 17

स्वर्ग इति च सत्संसर्गः स्वर्गः । नरक इति च असत्संसारविषयजनसंसर्ग एव नरकः ॥१७॥

Und „Himmel“ ist die Gemeinschaft mit dem Guten (sat); „Hölle“ hingegen ist wahrlich die Gemeinschaft mit dem Unwirklichen und Niedrigen — mit Menschen, die an Saṃsāra und Sinnesobjekte gebunden sind.

Saṅga (association) as a determinant of saṃsāra vs. sādhana; sat/ asat viveka

Verse 18

बन्ध इति च अनाद्यविद्यावासनया जातोऽहमित्यादिसङ्कल्पो बन्धः ॥१८॥

Und „Gebundenheit“ ist die Gedankenbildung, die mit „ich“ und dergleichen beginnt, entstanden aus den latenten Prägungen (vāsanā) anfangsloser Unwissenheit.

Bandha as ahaṃkāra/adhyāsa rooted in anādi avidyā and vāsanā

Verse 19

पितृमातृसहोदरदारापत्यगृहारामक्षेत्रममता संसारावरणसङ्कल्पो बन्धः ॥१९॥

Saṅkalpa, die willentliche Konstruktion, welche den Schleier des Saṃsāra bildet—nämlich mamatā, das Besitzgefühl gegenüber Vater, Mutter, Geschwistern, Gatten, Kindern, Haus, Garten und Land—ist Bindung, ist Fessel.

Bandha (bondage) as mamatā/ahaṅkāra-based saṅkalpa; saṃsāra-āvaraṇa (veil of transmigration)

Verse 20

कर्तृत्वाद्यहङ्कारसङ्कल्पो बन्धः ॥२०॥

Bindung ist der Saṅkalpa des Ahaṅkāra: die willentliche Konstruktion der Ichhaftigkeit, beginnend mit dem Gefühl des Täterseins (kartṛtva) und dergleichen.

Ahaṅkāra and kartṛtva as the root of bandha; saṅkalpa as cognitive construction sustaining avidyā

Verse 21

अणिमाद्यष्टैश्वर्याशासिद्धसङ्कल्पो बन्धः ॥२१॥

Bindung ist der Saṅkalpa, der als Verlangen (āśā) nach den acht Mächten (aiśvarya), beginnend mit aṇimā, bereits als „erlangt“ (siddha) gilt.

Siddhi-vāsanā as bandha; renunciation of aiśvarya-desire; mokṣa beyond powers

Verse 22

देवमनुष्याद्युपासना-कामसङ्कल्पो बन्धः ॥२२॥

Die willentliche Setzung (saṅkalpa) des Begehrens nach Verehrung von Göttern, Menschen und dergleichen ist Bindung und Knechtschaft.

Bandha (bondage) through saṅkalpa (mental volition) and kāma (desire)

Verse 23

यमाद्यष्टाङ्गयोगसङ्कल्पो बन्धः ॥२३॥

Die willentliche Setzung (saṅkalpa) des achtgliedrigen Yoga, beginnend mit yama, ist Bindung und Knechtschaft.

Saṅkalpa as the root of bondage; transcendence of doership (kartṛtva) even in yogic practice

Verse 24

वर्णाश्रमधर्मकर्मसङ्कल्पो बन्धः ॥२४॥

Die willentliche Setzung (saṅkalpa) des Handelns gemäß den Pflichten von varṇa und āśrama (dharma-karma) ist Bindung und Knechtschaft.

Karma-bandha; transcendence of dharma-karma as ultimate through ātma-jñāna; saṅkalpa as the binding factor

Verse 25

आज्ञाभयसंशयात्मगुणसङ्कल्पो बन्धः ॥२५॥

Die willentliche Konstruktion (saṅkalpa), bestehend aus Gebot/Autorität (ājñā), Furcht, Zweifel und der Zuschreibung von Eigenschaften an das Selbst—das ist Bindung.

Bandha (bondage) through saṅkalpa and ātma-guṇa-adhyāsa (superimposition of attributes on the Self)

Verse 26

यागव्रततपोदानविधिविधानज्ञानसम्भवो बन्धः ॥२६॥

Bindung ist das, was aus dem „Wissen“ (jñāna) um Gebote und Vorschriften hervorgeht—bezüglich Opfer, Gelübden, Askese und Gaben.

Karma-kāṇḍa–based bandha; doership (kartṛtva) sustained by vidhi-jñāna (knowledge of injunctions)

Verse 27

केवलमोक्षापेक्षासङ्कल्पो बन्धः ॥२७॥

Bindung ist der saṅkalpa, die willentliche Konstruktion, die einzig aus der Erwartung und dem Begehren nach Befreiung (mokṣa) besteht.

Mokṣa as ever-attained (nitya-mukta) vs. desire-based seeking; subtle bandha through mokṣa-icchā

Verse 28

सङ्कल्पमात्रसम्भवो बन्धः ॥२८॥

Gebundenheit entsteht einzig aus bloßer geistiger Setzung (saṅkalpa) allein.

Bandha (bondage) as saṅkalpa/kalpanā; Māyā as superimposition (adhyāsa)

Verse 29

मोक्ष इति च नित्यानित्यवस्तुविचारादनित्यसंसारसुखदुःखविषयसमस्तक्षेत्रममताबन्धक्षयो मोक्षः ॥२९॥

Und „Befreiung“ ist dies: Durch die Unterscheidung von Ewigem und Nicht-Ewigem wird die Fessel des Besitzanspruchs (mamatā) gegenüber dem ganzen Bereich der Objekte — Lust und Schmerz — im vergänglichen Saṃsāra vernichtet; das ist mokṣa.

Mokṣa; viveka (nityānitya-vastu-vicāra); mamatā-tyāga; kṣetra/kṣetrajña discrimination

Verse 30

उपास्य इति च सर्वशरीरस्थचैतन्यब्रह्मप्रापको गुरुरुपास्यः ॥३०॥

Und „der zu Verehrende/zu Betrachtende“ ist der Guru, denn er ist das Mittel zum Erlangen des Bewusstseins-Brahman, das in allen Körpern weilt.

Guru as upāsya; Brahman as sarva-śarīra-stha-caitanya; means to brahma-prāpti (jñāna-upadeśa)

Verse 31

शिष्य इति च विद्याध्वस्तप्रपञ्चावगाहितज्ञानावशिष्टं ब्रह्मैव शिष्यः ॥३१॥

Und «Schüler» ist derjenige, in dem durch Erkenntnis, die die Welt der Erscheinungen durchdrungen und aufgelöst hat, allein Brahman übrigbleibt; wahrlich, er ist der Schüler.

Moksha (jñāna-nivṛtti of prapañca; Brahma-niṣṭhā)

Verse 32

विद्वानिति च सर्वान्तरस्थस्वसंविद्रूपविद्विद्वान् ॥३२॥

Und «Wissender» ist der Weise, der die Gestalt des Selbstgewahrseins (svasaṃvid) erkennt — und ist —, das im Innersten aller weilt.

Ātman/Brahman as svasaṃvid (self-luminous consciousness)

Verse 33

मूढ इति च कर्तृत्वाद्यहङ्कारभावारूढो मूढः ॥३३॥

Und «Verblendeter» ist derjenige, der sich auf das Ich-Gefühl erhoben hat, das heißt darin verhaftet ist—wie in der Vorstellung von Täterschaft und dergleichen.

Ahaṅkāra / kartṛtva as avidyā (bondage)

Verse 34

आसुरमिति च ब्रह्मविष्ण्वीशानेन्द्रादीनामैश्वर्यकामनया निरशनजपाग्निहोत्रादिष्वन्तरात्मानं सन्तापयति चात्युग्ररागद्वेषविहिंसादम्भाद्यपेक्षितं तप आसुरम् ॥३४॥

«Asurische Askese» ist jene, bei der man, aus Verlangen nach Herrschaft wie die von Brahmā, Viṣṇu, Īśāna, Indra und den übrigen, das innere Selbst durch Fasten, Japa, Feueropfer und dergleichen quält; und sie ist begleitet von äußerst heftiger Leidenschaft und Hass, Gewalt, Heuchelei und ähnlichen Mängeln.

Tapas (austerity) and its sattvic/rajasic/tamasic (asuric) orientation; bondage through desire for aiśvarya

Verse 35

तप इति च ब्रह्म सत्यं जगन्मिथ्येत्यपरोक्षज्ञानाग्निना ब्रह्माद्यैश्वर्याशासिद्धसङ्कल्पबीजसन्तापं तपः ॥३५॥

«Askese» ist das Verbrennen — durch das Feuer unmittelbarer Erkenntnis: «Brahman ist wirklich; die Welt ist unwirklich» — des Samens egoischer Willensregung, der durch die Hoffnung auf Herrschaft wie die von Brahmā und den übrigen gereift ist.

Aparokṣa-jñāna (direct knowledge), brahma-satya/jagat-mithyā, destruction of saṅkalpa-bīja (seed of volition)

Verse 36

परमं पदमिति च प्राणेन्द्रियाद्यन्तःकरणगुणादेः परतरं सच्चिदानन्दमयं नित्यमुक्तब्रह्मस्थानं परमं पदम् ॥३६॥

«Die höchste Wohnstatt» ist das, was über Prāṇa, die Sinne und die Eigenschaften des inneren Organs (Antaḥkaraṇa) und alles Übrige hinausgeht; aus Sein, Bewusstsein und Seligkeit bestehend, die ewig freie Stätte Brahmans — das ist die höchste Wohnstatt.

Paramapada (supreme state), Saccidānanda Brahman, transcendence of prāṇa-indriya-antaḥkaraṇa; nitya-mukti

Verse 37

ग्राह्यमिति च देशकालवस्तुपरिच्छेदराहित्यचिन्मात्रस्वरूपं ग्राह्यम् ॥३७॥

„Erfassbar“ ist das, dessen Wesen reines Bewusstsein allein ist, frei von jeder Begrenzung durch Ort, Zeit und Objekt; dies ist wahrhaft das Erfassbare.

Brahman/Ātman as pure consciousness (cinmātra) beyond deśa-kāla-vastu limitations

Verse 38

अग्राह्यमिति च स्वस्वरूपव्यतिरिक्तमायामयबुद्धीन्द्रियगोचरजगत्सत्यत्वचिन्तनमग्राह्यम् ॥३८॥

„Nicht erfassbar“ ist das Nachsinnen über den Wirklichkeitsstatus der Welt, die im Bereich von Verstand und Sinnen liegt, aus Māyā besteht und vom eigenen wahren Wesen verschieden ist; dies ist das „Nicht-Erfassbare“.

Māyā and jagat-mithyātva; rejection of object-world as ultimate reality; viveka between Self and non-Self

Verse 39

संन्यासीति च सर्वधर्मान्परित्यज्य निर्ममो निरहङ्कारो भूत्वा ब्रह्मेष्टं शरणमुपगम्य ‘तत्त्वमसि’, ‘अहं ब्रह्मास्मि’, ‘सर्वं खल्विदं ब्रह्म’, ‘नेह नानास्ति किञ्चन’ इत्यादिमहावाक्यार्थानुभवज्ञानाद् ‘ब्रह्...

„Entsagender (Sannyāsin)“ ist, wer alle Pflichten aufgegeben hat, ohne Besitzanspruch und ohne Ich-Dünkel geworden ist und Brahman als ersehntes Zufluchtsziel gesucht hat; und durch erfahrendes Wissen um den Sinn der großen Aussprüche wie „Das bist du“, „Ich bin Brahman“, „All dies ist wahrlich Brahman“, „Hier gibt es keinerlei Vielheit“ und dergleichen feststellt: „Brahman allein bin ich“. In nirvikalpa-samādhi wandelt der Bettelmönch frei und unabhängig. Er ist ein Entsagender; er ist befreit; er ist verehrungswürdig; er ist ein Yogin; er ist ein Paramahaṃsa; er ist ein Avadhūta; er ist ein Brāhmaṇa—so heißt es.

Saṃnyāsa as jñāna-niṣṭhā; mokṣa through Mahāvākya-anubhava; nirvikalpa-samādhi; jīvanmukti

Verse 40

इदं निरालम्बोपनिषदं योऽधीते गुर्वनुग्रहतः सोऽग्निपूतो भवति स वायुपूतो भवति। न स पुनरावर्तते न स पुनरावर्तते। पुनर्नाभिजायते पुनर्नाभिजायत इत्युपनिषत्॥४०॥

Wer diese Niralamba-Upaniṣad durch die Gnade des Lehrers studiert, wird durch Feuer geläutert; er wird durch Wind geläutert. Er kehrt nicht wieder, er kehrt nicht wieder. Er wird nicht wiedergeboren, er wird nicht wiedergeboren — so (endet) die Upaniṣad.

Moksha (freedom from punarāvṛtti/punarjanma) through Upaniṣadic knowledge under guru’s grace

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