
Dieses Adhyāya gibt eine knappe, tīrtha-orientierte Unterweisung über die Devī namens Kaṇṭakaśodhinī, „Entfernerin von Dornen/Hindernissen“. Zunächst wird ihr Heiligtum in einer Richtungsgeographie verortet: Der Verehrer soll zur Göttin gehen, die im nördlichen Bereich liegt, in einer Entfernung von „zwei dhanus“ (traditionelles Maß nach der Bogenlänge). Die Göttin wird mit schützenden und kriegerischen Beinamen gepriesen—Mahīṣaghnī (Bezwingerin des Büffeldämons), von gewaltigem Leib, verehrt von Brahmā und den devarṣi—und damit als erhabene Gestalt innerhalb der pan-purāṇischen Bhakti-Hierarchie ausgewiesen. Es folgt die mythische Begründung: In den aufeinanderfolgenden Zeitaltern reinigt und beseitigt sie die „Dornen“, nämlich dämonische Mächte, die als devakantaka, Bedränger der Götter, bezeichnet werden. Das Kapitel schreibt ein bestimmtes Zeitritual vor: Verehrung am neunten Mondtag (navamī) der hellen Monatshälfte im Monat Āśvayuja, mit paśu-Opfern und Blumenoblationen sowie mit hochwertigen Lampen und Weihrauch. Die Phalaśruti verheißt dem Verehrer ein Jahr ohne Feinde; zudem heißt es, die Göttin schütze den Frommen wie einen Sohn, wenn er sie mit aufrichtiger Hingabe schaut—sei es bei einem besonderen Besuch oder bei regelmäßiger Verehrung. Der Schluss rahmt den Bericht als kurze, sündenvernichtende Māhātmya, deren bloßes Anhören höchsten Schutz gewährt.
Verse 1
ततो गच्छेन्महादेवि देवीं कंटकशोधिनीम् । तस्यैवोत्तरदिग्भागे धनुर्द्वितयसंस्थिताम्
Daraufhin, o große Göttin, soll man zur Göttin namens Kaṇṭakaśodhinī gehen. Sie befindet sich nördlich eben jenes heiligen Ortes, in einer Entfernung von zwei dhanu (Bogenlängen).
Verse 2
महिषघ्नीं महाकायां ब्रह्मदेवर्षिपूजिताम् । पुरा ये कल्मषोपेता दानवा देवकंटकाः
Sie ist die Bezwingerin des Mahīṣa (des Büffeldämons), von gewaltiger Gestalt, verehrt von Brahmā, den Göttern und den Sehern. Einst wurden die Dānavas, von Sünde befleckt und den Devas ein Dorn, durch sie niedergerungen.
Verse 3
युगेयुगे शोधयेत्तांस्तेन कंटकशोधिनी । आश्वयुक्छुक्लपक्षे तु नवम्यां तामथार्चयेत्
Zeitalter um Zeitalter reinigt und entfernt sie jene „Dornen“ (Leiden und Hemmnisse); darum heißt sie Kaṇṭakaśodhinī. Man soll sie am neunten Mondtag (Navamī) der hellen Monatshälfte im Monat Āśvayuja verehren.
Verse 4
पशुपुष्पोपहारैश्च दीपधूपैस्तथोत्तमैः । तस्याऽरयो न जायंते यावद्वर्षं वरानने
Mit Gaben wie Opfertieren und Blumen sowie mit vortrefflichen Lampen und Weihrauch soll man sie ehren. O Schönangesichtige, für jenen Verehrer entstehen das ganze Jahr hindurch keine Feinde.
Verse 5
यस्तां पश्यति सद्भक्त्या भूताया नित्यमेव वा तं पुत्रमिव कल्याणी संरक्षति न संशयः
Wer sie mit wahrer Bhakti schaut—sei es am heiligen Schrein oder sogar täglich—den beschützt die glückverheißende Göttin wie ihren eigenen Sohn; daran besteht kein Zweifel.
Verse 6
इति संक्षेपतः प्रोक्तं माहात्म्यं पापनाशनम् । देवि कंटकशोधिन्याः श्रुतं रक्षाकरं परम्
So ist in Kürze die Sünden vernichtende Größe verkündet. O Devī, schon das Hören des höchsten Ruhmes der Kaṇṭakaśodhinī wird zur erhabensten Quelle des Schutzes.